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Ernte und Verarbeitung der Melisse

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Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 10.02.2017
Ernte und Verarbeitung der Melisse

Gegenwärtig werden für Tees und Melissengeist auf dem deutschen Markt etwa 50 Tonnen Melissenblätter jährlich verarbeitet. Im Unterschied zu früheren Arzneibüchern schreibt das Europäische Arzneibuch keinen Mindestgehalt an ätherischen Ölen in Melissenblättern vor. Trotzdem müssen sie nachgewiesen werden, um als Arzneimittel zugelassen zu werden.

So war im 8. Deutschen Arzneibuch (DAB 8) noch ein Mindestgehalt an ätherischen Ölen von 0,05 Prozent vorgeschrieben. Das spornte Produzenten an, den Gehalt der flüchtigen Öle so hoch wie möglich zu züchten. Die in Deutschland gezüchtete Melisse kann einen Gehalt von 0,1 Prozent aufweisen, in Spanien wurden sogar Pflanzen mit einem Anteil von 0,8 Prozent gezogen.

Das Wichtigste beim Melissenanbau – egal, ob in großem Stil oder Zuhause im Hausgarten angebaut – ist der Zeitpunkt der Ernte. Sie muss vor der Blüte erfolgen. Nur dann sind die ätherischen Öle reichlich in den Blättern der Heilpflanze vorhanden. Später hat die Pflanze die flüchtigen Stoffe zum Aufbau von manchen Blütenteilen bereits verbraucht.

Von der Ernte der Melisse bis zur Trocknung

Die Ernte der Melisse oder Zitronenmelisse ist üblicherweise erst ab dem zweiten Standjahr möglich. Im Kleinanbau ist ein Handschnitt und das Abstreifen der Blätter vom Stängel zur Gewinnung von Blattware höchster Qualität sehr gut geeignet. Allerdings benötigt man für das Abstreifen eines Kilogramms getrockneter Blätter zwei bis drei Stunden.

Bei großen Anbauflächen werden die Melissen ab einer Wuchshöhe von 40 Zentimetern Ende Juni bis Mitte Juli mit dem Balkenmäher oder Mählader geschnitten. Manche Erzeuger ernten sogar bis Mitte September.

Ab dem zweiten Standjahr sind zwei bis drei Schnitte vor der Blüte möglich, je nach Wetterbedingungen und Wuchsverhalten.

Späte Schnitte im Herbst bringen Auswinterungsschäden. Auch sollte beachtet werden, dass während trockener und heißer Wetterperioden nicht tiefer als zehn Zentimeter über dem Boden geschnitten werden darf, um einen erneuten Austrieb zu garantieren.

Die frisch geernteten Melissenblätter sind sehr druck- und quetschempfindlich und daher mit Sorgfalt zu behandeln, sonst können bräunliche bis schwarze Flecken bei der Trocknung entstehen.

Bei maschineller Ernte wird das Melissenkraut gehäckselt, Blätter und Stängel voneinander getrennt und meistens auf Bandtrocknern bei 35 bis 40°C auf eine maximale Restfeuchte von 8 Prozent getrocknet, sodass das Eintrocknungsverhältnis 6:1 bis 7:1 beträgt.

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Herstellung der Melissenblätter-Extrakte

Die erforderlichen Inhaltsstoffmengen, die die arzneilich genutzten Melissenblätter enthalten müssen, sind durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) geregelt. Beim Melissenöl sind die entsprechenden Regelungen im Deutschen Arzneibuch nachzulesen.

Im ersten Schritt erfolgt die Prüfung der Identität der Pflanze. Das PhEur schreibt hierzu das Dünschichtchromatogramm-Fingerprintchromatogramm vor, dass die beiden Hauptkomponenten (ätherischen Öle) Citral und Citronellal anhand von Vergleichssubstanzen nachweisen kann. Citral färbt sich durch das Besprühen mit Anisaldehydreagens im Tageslicht grauviolett bis blauviolett, Citronellal hingegen grau bis grauviolett. Entsteht zwischen beiden Substanzen eine rötliche bis violette Zone (Caryophyllenepoxid), gilt dies als Nachweis des echten Melissenöls.

Auf eine Gehaltsmessung und Bestimmung der ätherischen Öle wird heute auch im Hinblick auf neue Erkenntnisse zu der Wirksamkeit der Melissenblätter verzichtet. Dafür werden Hydroxyzimtsäure-Derivate berechnet als Rosmarinsäure ermittelt. Der Gehalt muss mindestens 4,0 Prozent betragen.

Aus den Melissenblätter-Extrakten werden zur Teezubereitungen, Bäder, Cremes und andere Arzneimittel hergestellt.

Das Melissenöl, das durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern gewonnen wird, dient zur Herstellung von Melissengeist.

Lesen Sie hier mehr über die Heilwirkungen der Melisse.

Quellen:
  • Brickell Ch (Hrsg.): Die Neue Garten Enzyklopädie. London, New York, München, Melboune, Delhi 2003
  • Hänsel R, Sticher O: Pharmakognosie – Phytopharmazie. 8. Auflage, Heidelberg 2007
  • Kubelka W, Länger R: Phytokodex – Pflanzliche Arzneispezialitäten in Österreich. Gabliz 2001
  • Richter T: Melissa officinalis – Ein Leitmotiv für 1000 Jahre Medizingeschichte. In: Deutsche Apotheker Zeitung 1993; 133: 3723
  • Teuscher E, Melzig MF, Lindequist U: Biogene Arzneimittel. München 2004

Diese Anzeige wird von der Redaktion gepflegt. Hier werden pflanzliche Wirkstoffe angezeigt, die naturheilkundlich oder laut Schulmedizin bei diesem Krankheitsbild angewandt werden können. Die Angaben können teilweise noch nicht vollständig sein. Die Wirkstoffe können sich in der Extrakt-Form und in der Herstellung unterscheiden. Jegliche verfügbaren Informationen dienen auf DocJones.de dienen der Erstinformation und werden insbesondere nicht von approbierten Ärzten auf ihre Richtigkeit hin überprüft. Sie können daher eine fachmedizinische Diagnose und/oder Behandlung durch einen Arzt nicht ersetzen.