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Frauenmantel – Alchemilla vulgaris

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Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 05.11.2014
Frauenmantel – Alchemilla vulgaris

Vom mystischen Wundermittel zur weltlichen Magenmedizin

Einst galt der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) als eine Art Quell des Lebens. Alchemisten versuchten, aus seinen Pflanzensäften den Stein der Weisen herzustellen, der Krankheit in Gesundheit verwandeln würde. Seinen Namen verdankt die Pflanze den Wirkungen, die man sich einst auf das weibliche Geschlecht versprach. Die alten Germanen weihten den Frauenmantel der Gottheit Freya, die sich um das ausreichende Vorhandensein von Liebe und Fruchtbarkeit in ihrem Gefolge kümmerte. Heute wird das Kraut etwas weltlicher gesehen. Es findet Anwendung bei leichten Durchfallerkrankungen.

Wobei hilft Frauenmantel?

Die Erfahrungsmedizin und traditionelle Naturheilkunde sieht für den Frauenmantel eine Vielzahl an Anwendungsgebieten vor. So soll er äußerlich der Wundbehandlung förderlich sein und, dieser Glauben hält sich bis heute, die Universalpflanze im Bereich der Frauenheilkunde sein. Menstruationsbeschwerden vor und nach der Schwangerschaft und Wechseljahrsbeschwerden, zur Förderung der Milchproduktion und bei Scheidenentzündung: Bei all diesen weiblichen Beschwerden findet die Pflanze seit Jahrtausenden Anwendung, wissenschaftlich nachgewiesen sind diese Wirkungen aber bislang nicht.

Entgegen aller volkstümlichen Einsatzbereiche wurde die Wirksamkeit des Frauenmantelkrauts auf die Anwendung bei leichten Durchfällen und auf leichte Magen-Darmbeschwerden reduziert.

Offiziell bestätigte Wirkungen:
  • Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt die Anwendung von Frauenmantelkraut „bei leichten, unspezifischem Diarrhö.“
  • Der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) befürwortet die Anwendungen zusätzlich „bei gastrointestinalen Beschwerden und bei Menstruationsbeschwerden.“

Wissenswertes über den Frauenmantel

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Der Frauenmantel galt lange Zeit als das Sinnbild für Liebe, Jungfräulichkeit und Fruchtbarkeit. Schon die Germanen betrachteten den Frauenmantel als eine heilige Pflanze, die sie ihrer Göttin Freya weihten. 

Auch die Druiden Großbritanniens kannten den Frauenmantel und verwendeten ihn zu rituellen Reinigungen bei kultischen Handlungen. Sowohl die Germanen als auch die Druiden sammelten die kleinen für den Frauenmantel typischen Töpfchen von den Blättern ab und verwendeten sie für Reinigungs- und Fruchtbarkeitsrituale. Auch das Kraut der Pflanze kam dabei zum Einsatz.

Aus heutiger Sicht erscheinen die rituellen Handlungen der Druiden überraschend plausibel, da die Pflanze reich ist an sogenannten Gerbstoffen. Gerbstoffe können gegen Entzündungen helfen, haben eine leicht blutungsstillende Wirkung und sind daher bei innerer oder äußer Anwendung auf keinen Fall schädlich.

Wohl wegen seiner mystischen Bedeutung hat der Frauenmantel viele sinnverwandte Namen. Zu ihnen gehören Alchemistenkraut, Echter Sinau, Löwenfuß, Marienmantel, Silberkraut, Taublatt, Taumantel und Tauschlüsselchen. Heute hat der Frauenmantel seine kultische Bedeutung verloren, sein guter Ruf als Heilpflanze ist ihm aber bis heute erhalten geblieben. Zurecht.

Verbreitet ist der Frauenmantel in fast allen nördlichen Bereichen der Welt. So findet man die Pflanze sowohl in Nordamerika und Grönland, in Nordeuropa aber auch in Asien im Kaukasus und Himalaya.

Botanik des Frauenmantels

Der Frauenmantel ist eine mehrjährige Pflanze, die bis zu 60 cm hoch wachsen kann und zu der Familie der Rosengewächse (Rosacae) gehört.

Ihr äußeres Erscheinungsbild variiert zwischen zottig behaart und kahl, jedoch stets in einer Halbrosette. An ihrem Stängel bildet der Frauenmantel verzweigte Sprosse aus. Die Blätter, auf denen sich der für die Pflanze kennzeichnende Tau bildet, sind lang gestielt. Diese Taublätter sind 7- bis 9-fach gelappt. Die oberen Blätter sind hingegen nur kurz gestielt oder fast sitzend. Außerdem sind diese Blätter nur in 5 bis 7 Lappen geteilt.

Die Blüten des Frauenmantels sind eher unscheinbar. Sie sind klein und von gelblich bis grüner Farbe.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe des Frauenmantels

Der medizinisch verwendete Wirkstoff des Frauenmantels ist sein Kraut. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache wird es als Alchemillae herba bezeichnet, was zu Deutsch Frauenmantelkraut meint. Die Anforderungen an die Qualität des Frauenmantelkrauts sind im Europäischen Arzneibuch (PhEur) festgelegt.

Frauenmantelkraut ist besonders reich an Gerbstoffen, vor allem an den Komponenten Ellagitannine, Agrinoniin und Laevigatin. Zusätzlich sind in dem Frauenmantelkraut Flavonoide und Bitterstoffe enthalten.