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Cayennepfefferfrüchte – Capsici fructus acer

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Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 24.07.2014
Cayennepfefferfrüchte – Capsici fructus acer

Cayennepfeffer wirkt stark reizend auf die Haut und die Nerven. Seine Hauptwirkung besteht allerdings darin, Schmerzen zu lindern. Zusätzlich zeigt der Wirkstoff einen entzündungshemmenden Effekt. Eingesetzt werden Cayennepfefferfrüchte ausschließlich äußerlich und bei schmerzhaften Muskelverspannungen im Bereich des Schulter – Nacken – Armbereichs oder an der Wirbelsäule. Daneben konnten zwischenzeitlich weitere Einsatzgebiete des Wirkstoffes durch Untersuchungen am Menschen (klinische Studien) wissenschaftlich bestätigt werden. Dazu gehören der Einsatz bei Gelenkverschleiß (Arthrose), rheumatischen Beschwerden, Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris), Juckreiz (Pruitus), Missempfindungen der Nerven durch Diabetes (diabetische Polyneuropathie) und Schmerzen nach einer Herpesinfektion (Postzoster-Neuralgie).

Auf einen Blick:

Cayennepfeffer

  • Wirkt: örtlich gewebereizend, lokal nervenschädigend, schmerzlindernd, entzündungshemmend, juckreizmildernd
  • Kann eingesetzt werden: bei schmerzhaften Muskelverspannungen, gegen Nervenschmerzen, bei rheumatischen Beschwerden, bei Juckreiz unterschiedlicher Herkunft

Inhaltsstoffe von Cayennepfeffer

Medizinisch und pharmazeutisch interessante Substanzen in den Cayennepfefferfrüchten sind die wirksamkeitsbestimmenden Capsaicinoide mit ihrem Hauptinhaltsstoff, dem Capsaicin.

Capsaicin reizt bei örtlicher Anwendung das Gewebe so stark, dass es zu einer anfänglichen Verstärkung des Schmerzes und des Wärmegefühls kommt. Wenig später wird der Effekt durch die Beeinflussung der Nervenbahnen umgekehrt (Counter-irritant-Effekt) und ein schmerzlindernder und juckreizstillender Effekt tritt ein. Außerdem werden Entzündungen gehemmt. Befürwortet wird dieser Anwendungsbereich von der Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. 

Die entzündungshemmende Wirkung von Capsaicin beruht darauf, dass spezielle Botenstoffe (Neuopeptide) gespeichert werden und dadurch Entzündungsreaktionen der Nerven unterdrückt werden können. Zusätzlich hemmt der Inhaltsstoff Capaicin die Entstehung von Botenstoffen (Enzymen), die entzündungsauslösende Gewebshormone (z.B. Prostaglandine) in ihrer Produktion normalerweise fördern.

Wirkung bei Muskelverspannungen

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Schmerzlindernd und durchblutungsfördernd auf die Muskulatur

Wem Cayennepfeffer als Schmerzmittel nichts sagt, der kennt den Wirkstoff auf jeden Fall als Gewürz. Cayennepfefferfrüchte schmecken extrem scharf und hinterlassen ein brennendes Gefühl auf der Zunge. In der Medizin macht man sich diesen Effekt zunutze – allerdings ausschließlich zur äußeren Anwendung und nur auf gesunder, unbeschädigter Haut.

Cayennepfefferfrüchte haben es buchstäblich in sich. Trägt man den Wirkstoff bei schmerzhaften Muskelerspannungen, beispielsweise im Schulter-Nackenbereich auf, kommt es umgehend zu einer Gewebereizung. Es brennt und schmerzt für einige Minuten. Doch dann vergeht das unangenehme Gefühl und die Wirkung schlägt komplett um: die Schmerzen werden gelindert, wobei das Gewebe besser durchblutet wird.

Wie kommt dieser Effekt nun zustande? An der Entstehung von Schmerzen sind stets bestimmte Signal- oder Botenstoffe beteiligt. Capsaicin hat einen Einfluss auf die Nerven in dem Bereich, in dem sie aufgetragen wird. Sie bewirken, dass bestimmte, schmerzauslösende Botenstoffe nicht mehr ausgeschüttet werden können. Als Folge lässt der Schmerz nach und auch ein Juckreiz kann gelindert werden – und dass bereits nach etwa 3 Minuten nach dem Auftragen.

Wirkung bei Nervenschmerzen und Gewebsentzündungen

Antientzündlich auf die Nervenbahnen und andere Gewebe

Die zweite wichtige Wirkung der Cayennepfefferfrüchte betrifft den entzündungshemmenden Effekt. Sowohl an den Nerven als auch in anderen Geweben, z.B. der Haut, können durch spezielle Botenstoffe Entzündungen ausgelöst werden. Bezogen auf die Nerven können dies sogenannte Neuropeptide sein, bei anderen Geweben treten Hormone in Aktion.

Cayennepfefferfrüchte sind in der Lage, Entzündungsreaktionen an den Nerven zu unterdrücken, was beispielsweise Personen mit Schmerzen nach einer Herpes Infektion oder bei diabetischen Missempfindungen der Nerven zugutekommt. Die entzündungsauslösenden Neuropeptide werden eingespeichert, abgebaut und so nicht mehr ausgeschüttet.

Und wie wirkt die Pflanze bei Gewebsentzündungen? An Endzündungsprozessen sind üblicherweise Enzyme und Fettsäuren beteiligt, durch die entzündungsauslösende Hormone überhaupt erst aktiv werden können. Solche Gewebshormone sind beispielsweise die sogenannten Prostaglandine. Sie können bei übermäßiger Ausschüttung Entzündungen, Schmerzen und eine Erweiterung der Blutgefäße auslösen. Cayennepfeffer bewirkt, dass diese Gewebshormone erst gar nicht (vollständig) gebildet werden können. Die Früchte hemmen nämlich das Enzym, das für die Hormonbildung notwendig sind. Dieses Enzym heißt Cyclooxygenase. Durch diese Eigenschaften lindern Cayennepfefferfrüchte sowohl Entzündungen der Nerven und der Gewebe, z.B. Haut.

Cayennepfeffer

Anwendung und Dosierung von Cayennepfeffer

Fertigarzneimittel

Bei sachgemäßer Anwendung ist der Umgang mit Cayennepfeffer-Extrakten relativ ungefährlich. Da der Capsicingehalt in einem pflanzlichen Arzneimittel 0,075% jedoch nicht überschreiten darf und sich die Zubereitung im privaten Bereich kaum „standardisieren“ lässt, sollen hier keine Anwendungsbeispiele gegeben werden.

Anzumerken ist darüber hinaus, dass die Anwendung eines Fertigarzneimittels mit Cayennepfefferfrüchten bei Nervenschmerzen mindestens 3-mal täglich erfolgen sollte, damit die gespeicherten Neuropeptide (s. oben) nachhaltig abgebaut werden können. Die Anwendung sollte in geringer Dosierung und vorsichtig erfolgen.

Dosierung

Eine Anwendungsempfehlung aus dem Jahre 1990 besagt, dass Arzneimittel mit Cayennepfefferfrüchten nicht länger als 2 bis 4 Tage angewendet werden sollen. Danach sei eine Pause von 14 Tagen erforderlich. Diese Faustregel gilt als nicht mehr zeitgemäß. Bei Capsaicinkonzentrationen von maximal 0,075% sind Anwendungen von 4 bis 9 Wochen möglich, ohne dass Nebenwirkungen zu erwarten sind.

Cayennepfefferfrüchte

Risiken und Nebenwirkungen

Bitte beachten Sie: Risiken sind bei der Anwendung von bestimmungsgemäßen Dosen der Cayennepfefferfrüchte nicht bekannt.

Als Nebenwirkungen können selten allergische Reaktionen (urtikarielles Exanthem) auftreten. Bei langfristiger Anwendung in hoher Dosierung sind Schädigungen der sensiblen Nerven möglich. Außerdem kann es zur Hautentzündung, Blasen- und Geschwürbildung kommen.

Cayennepfefferfrüchte dürfen auf keinen Fall auf geschädigter Haut, Schleimhäuten oder bei bekannten Überempfindlichkeiten gegenüber Paprika eingesetzt werden. Auf eine zusätzliche Wärmebehandlung sollte verzichtet werden.

Bitte dosieren Sie die Präparate wie in der Packungsbeilage angegeben, bzw. wenden Sie die Dosierung an, die Ihr behandelnder Arzt verordnet hat.

Fertigarzneimittel

Cayennepfefferfrüchten sind als Fertigarzneimittel in Form von Pflastern, Salbe und Creme erhältlich. Als Nahrungsergänzungsmittel ist Cayennepfeffer außerdem als Kapseln zu haben.

Cayennepfefferfrüchte wirken nachweislich schmerzstillend, juckreizlindernd und entzündungshemmend. Der Wirkstoff eignet sich sehr gut zum Einsatz bei schmerzhaften Muskelverspannungen, aber auch bei Nervenschmerzen und entzündeten Geweben, der Haut, jedoch nicht bei Hautverletzungen.

In der Volksmedizin werden Cayennpfefferfrüchte äußerlich bei rheumatischen Erkrankungen, Gelenkentzündungen, Frostbeulen, chronischem Hexenschuss, zum Gurgeln bei Heiserkeit, bei Halserkrankungen und zur Erhöhung der Reizempfindlichkeit eingesetzt. Innerlich werden Cayennepfefferfrüchte bei Magen-Darmbeschwerden, zur Vorbeugung gegenüber Reiseübelkeit und zur Potenzsteigerung gebraucht.

Quellen:
  • Bäumler, S: Heilpflanzen Praxis Heute. München 2007
  • Fusco BM, Giacovazzo M: Peppers and pain: the promis of capsaicin. In: Drugs 1997; 53: 909-914

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