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Anbau, Ernte und Verarbeitung von Baldrian

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Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 18.02.2016
Anbau, Ernte und Verarbeitung von Baldrian

Baldrian ist eine vielseitige und robuste Pflanze. Das zeigt sich auch bei den Anbaumöglichkeiten. Wer Baldrian für den privaten Gebrauch oder in großen Mengen züchten möchte, kann zwischen den Anbaumöglichkeiten der Vorkultur, Stockteilung oder der Direktsaat wählen.

Egal mit welcher Methode der Baldrian gezüchtet wird – auch an Krankheiten und Schädlinge sollte in diesem Zusammenhang gedacht werden.

Vorkultur von Baldrian

Bei der Vorkultur wird das Saatgut in kleinen Blumentöpfen oder in spezielle Erdpresswürfel bereits ab Mitte Februar gegeben. Wichtig ist, dass die Umgebungstemperatur mindestens 18°C beträgt, bis die Pflanze keimt. Danach kann die Temperatur gesenkt werden. Diese Methode hat den Vorteil, dass die Keimlinge weniger stark Umwelteinflüssen wie Temperaturschwankungen und starkem Regen ausgesetzt sind und damit hohe Erträge erzielt werden können.

Nachteilig ist allerdings, dass die Jungpflanzen erst im Sommer ins Freiland umgepflanzt werden können. Davor müssen die jungen Pflanzen zudem regelmäßig in größere Gefäße umgetopft werden. Der Arbeitsaufwand ist daher relativ hoch. Dafür kann mit einem recht hohen Ertrag gerechnet werden, denn auf einem Quadratmeter Saatbeet finden 250 bis 500 Pflanzen Platz.

Stockteilung von Baldrian

Die Methode der Stockteilung ist zu Beginn etwas aufwendig, garantiert dafür aber genetisch einheitliche Pflanzen. Das ist bei der Verwendung des Baldrians als Arzneipflanze wegen der Inhaltsstoffe von Bedeutung. Hierzu wird der Mutterstock einer Pflanze (unterer Stängel, der mit Wurzeln und Knospen besetzt ist) in 10 bis 20 Einzelteile geschnitten. Die Auspflanzung findet meist im April oder Ende September statt. Bei einer Auspflanzung im Oktober können die Setzlinge hingegen durch frühen Frost beschädigt werden. Insbesondere bei trockenem Wetter sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanzen ausreichend mit Wasser versorgt werden.

Der Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte 20 bis 40 cm betragen.

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Direktsaat von Baldrian

Die Direktsaat ist die am wenigsten aufwendige Methode zur Aufzucht des Baldrians. Dafür hat diese Methode auch einige Nachteile. Gerade Keimlinge und junge Pflanzen sind sehr anfällig für Umwelteinflüsse wie starker Regen oder Hagel, aber auch Trockenperioden. Daher kann der Ertrag kleiner als bei der Vorkultur oder bei der Stockteilung ausfallen. Außerdem sollte regelmäßig das Unkraut gejätet werden. Zum Ausbringen des Saatgutes wird der Baldriansamen in seicht gedrillte Saatbeete eingesetzt und möglichst angepresst. Eventuell ist nach der Keimung der Pflanzen auch eine Ausdünnung nötig, wenn die Keimlinge untereinander konkurrieren.

Wichtig ist außerdem zu wissen, dass der Anbauzeitpunkt und die Bestandsdichte kaum einen Einfluss auf den Inhaltsstoffgehalt der Wurzel haben.

Krankheiten und Schädlinge

Wie fast alle Pflanzen ist auch der Baldrian für einen Schädlingsbefall und für Krankheiten empfänglich.

Vor allem Blattläuse können dem Baldrian schaden. Sie fügen den Blättern des Baldrians Saugschäden zu, sind aber nur bekämpfungswürdig, wenn sie die Samenbestände gefährden.

Vor allem gegen Ende des Sommers wurde ein Mehltaubefall oder der Befall von falschem Mehltau (Peronospora) beobachtet. Beides sind Pilzkrankheiten, die beispielsweise mit Kupfer bekämpft werden können. Zudem hat gebeiztes Saatgut Vorteile um einer Welke vorzubeugen, die im zweiten Kulturjahr auftreten kann. Eine nachträgliche Bekämpfung der Welke ist bis heute nicht möglich. Daher sollte vorbeugend nur gebeiztes Saatgut verwendend werden.

Die Einhaltung der Qualitätsmaßstäbe beginnt bereits beim Anbau des Baldrians. Um die wertvollen Inhaltsstoffe der medizinisch verwendeten Baldrianwurzel zu schützen, sind während des gesamten Bearbeitungsprozesses geeignete Maßnahmen erforderlich.

Von der Ernte bis zur Trocknung des Baldrian

Die Ernte der Baldrianwurzel erfolgt im Herbst zwischen Ende September bis Anfang November. Je später die Ernte erfolgt, desto höher ist der Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen zu erwarten. Auch im Frühjahr sind die Inhaltsstoffmengen hoch – allerdings nur für eine kurze Zeit. Danach schießen die Pflanzen, weswegen die Konzentration der Inhaltsstoffe wieder nachlässt.

Vor der Ernte der Wurzel sollte zunächst das Kraut der Pflanze entfernt werden. Die eigentliche Ernte sollte bei trockenen Bodenverhältnissen erfolgen. Die Wurzeln werden ausgegraben und mit der Hand gesammelt. Nach der Ernte werden die frischen Wurzelstöcke geteilt und gründlich gewaschen. Das Waschen sollte nicht länger als 20 Minuten dauern, da sonst Inhaltsstoffe verloren gehen können.

Die anschließende Trocknung sollte zwischen 30 bis maximal 50°C erfolgen. Wird die Baldrianwurzel bei höheren Temperaturen getrocknet, kann dies zu Verlusten der Inhaltsstoffe führen und damit die Qualität einschränken. Bis die Wurzel vollständig getrocknet ist, können mehrere Tage vergehen. Ausreichend getrocknet ist die Wurzel dann, wenn sie sich leicht brechen lässt.

Die Baldrianwurzel sollte immer von anderen getrockneten Pflanzenteilen trocken und in einem verschließbaren Gefäß aufbewahrt werden.
Außerdem: Katzen lieben den Geruch der Baldrianwurzel! Sie halten sich gerne in der Nähe dieser Wurzel auf. Deshalb sollte sie unzugänglich von Katzen aufbewahrt werden.

Herstellung von Baldrianwurzel-Extrakten

Die erforderlichen Inhaltsstoffmengen, die die arzneilich genutzte Baldrianwurzel enthalten muss, ist durch das Europäische Arzneibuch geregelt (s. allgemeine Beschreibung). Einerseits kann die getrocknete Baldrianwurzel zur Herstellung von Arzneitees oder Bädern dienen (s. Baldrianwurzel-Extrakt).

Für die Herstellung von Fertigpräparaten werden jedoch wässrige oder wässrig-alkoholische Extrakte benötigt. Hier unterliegen Arzneimittelhersteller wiederum strengen Vorschriften. Während die Qualitätsanforderungen der Baldrianwurzel noch durch das Europäische Arzneibuch geregelt werden, greift bei der Herstellung von Fertigpräparaten das Deutsche Arzneibuch (DAB 2003). Diese Extrakte werden beispielsweise für die Herstellung von Dragees verwendet.

Auch sind sie das Ausgangsprodukt für sofortlösliche Tees und anderer Präparate. Oft wird die Baldrianwurzel auch mit Hopfen, Melisse oder der Passionsblume kombiniert. Diese Pflanzenextrakte sollen sich untereinander begünstigen.

Diese Anzeige wird von der Redaktion gepflegt. Hier werden pflanzliche Wirkstoffe angezeigt, die naturheilkundlich oder laut Schulmedizin bei diesem Krankheitsbild angewandt werden können. Die Angaben können teilweise noch nicht vollständig sein. Die Wirkstoffe können sich in der Extrakt-Form und in der Herstellung unterscheiden. Jegliche verfügbaren Informationen dienen auf DocJones.de dienen der Erstinformation und werden insbesondere nicht von approbierten Ärzten auf ihre Richtigkeit hin überprüft. Sie können daher eine fachmedizinische Diagnose und/oder Behandlung durch einen Arzt nicht ersetzen.