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Zistrose und ihre Wirkung auf Tumorzellen

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Geschrieben von 2013-07-01
Zuletzt aktualisiert am 2013-07-0808.07.2013

Der Extrakt der Zistrose gilt schon seit Jahrhunderten als ein bewährtes Mittel bei Erkältungen und Bauchbeschwerden. In all ihren Zubereitungsformen, z.B. als Tee oder zum Inhalieren als wohltuender Zusatz von Dampfbädern, wird die Pflanze von vielen Menschen geschätzt. Doch kann die Zistrose auch helfen, wenn es um eine der gefürchtetsten Erkrankungen in der Medizin geht? Krebs, seit Jahren eine der Haupttodesursachen in Deutschland, wird von der Wissenschaft weiterhin unermüdlich erforscht, immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, die Erkrankung zu bekämpfen. Zwei griechische Arbeitsgruppen befassten sich nun mit der spannenden Frage, ob die Zistrose vielleicht auch hier ihre Wirkung entfalten kann.

Um eben jenes Problem zu umgehen, machten sich die Wissenschaftler ein Prinzip zu Nutze, das im menschlichen Organismus ständig vollzogen wird: Sie umhüllten das Sclareol mit einer Schicht aus fetthaltigen Bestandteilen, an deren äußerer Oberfläche sich negative Ladungen befanden. Die Fetttropfen formten sich automatisch zu einem Gebilde, welches im Inneren den zu transportierenden Stoff enthält (in diesem Fall das Sclareol) und sich dank seiner negativ geladenen Außenfläche auch gut im Wasser lösen kann. In der Medizin werden solche Strukturen auch als Liposomen (griech. Fettkörper) bezeichnet.

Wirksam auch in einer Kapsel?

Nachdem die Forscher das Problem des Transports gelöst hatten, wollten sie untersuchen, ob das eingehüllte Sclareol trotz des Fettmantels seine Wirkung überhaupt entfalten kann. Dafür züchteten die Wissenschaftler im Labor Zellen von verschiedenen Krebsarten, wie z.B. Brust- oder Lungenkrebs, an und gaben den Extrakt, sowohl in der freien Form als auch ummantelt, hinzu.

Sie konnten zeigen, dass der eingehüllte Wirkstoff der freien Form ebenbürtig war: Beide Stoffe sorgten nach dem Auftragen dafür, dass die Krebszellen nicht weiter wuchsen, und zwar unabhängig von der Art des Tumors.

Somit schafften es die Forscher das Sclareol so zu verpacken, dass es sich im Wasser lösen konnte, ohne seine Wirksamkeit zu verlieren.

Bekämpft wirksam den Krebs

Nun ging die Arbeitsgruppe einen Schritt weiter und wollte den „im Reagenzglas“ ermittelten Effekt auch in einem lebenden Organismus nachweisen. Dafür wurden 34 Mäuse verwendet, denen die Forscher Darmkrebszellen unter die Haut implantierten. Nachdem der Tumor eine bestimmte Größe erreicht hatte, teilten die Forscher die Mäuse in drei Gruppen auf. Eine Gruppe behandelten sie über fünf Tage hinweg mit freiem Sclareol, der zweiten wurde der Fett-umhüllte Wirkstoff verabreicht. Die dritte Gruppe diente zur Kontrolle und erhielt keine Therapie.

Unabhängig von der Tumorgröße konnten die Wissenschaftler große Unterschiede zwischen den Gruppen erkennen. Die Tiere, die mit freien Sclareol behandelt wurden, verloren innerhalb kürzester Zeit des Bewusstsein und waren bereits nach zwei Tagen verstorben. Im Vergleich dazu überlebten, sowohl die Liposomen-Tiere als auch die Kontrollgruppe bis zum Ende des Experiments.

Allein diese Beobachtung machte bereits deutlich, wie verheerend die Nebenwirkungen sein können, wenn der Wirkstoff in seiner reinen Form gegeben wird. Die Tiere, die mit dem liposomalen Sclareol therapiert wurden, zeigten dagegen, neben kurz auftretenden geringen motorischen Störungen und Gewichtsverlust, keine Auffälligkeiten.

Im nächsten Schritt des Experiments untersuchten die Wissenschaftler nun, wie sich die Größe der Tumoren verändert hatte. Dabei fanden sie heraus, dass der Krebs in mit ummantelten Sclareol behandelten Mäusen um mehr als ein Zehntel geschrumpft war. In den untherapierten Kontrollmäusen hingegen, wuchs der Tumor in derselben Zeit um fast 20 Prozent.

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Von der Natur lernen

Die Ergebnisse, die diese zwei Forscherteams mit ihren Experimenten erzielen konnten sind erstaunlich. Sie haben zum einen eine Möglichkeit gefunden, wie sie den Wirkstoff der Zistrose sicher und ohne schädliche Nebenwirkungen zum Zielort befördern. Des Weiteren demonstrierten Sie in ihrem Tiermodell, dass das pflanzliche Sclareol effektiv gegen das Wachstum der Krebszellen wirkte und dabei den Tumor signifikant verkleinerte.

Bis die Zistrose aber in die Reihen der Krebsmedikamente (Chemotherapeutika) aufgenommen werden kann, müssen weitere Studien erst einmal klären, ob sich der Effekt auch im Menschen gefahrlos reproduzieren lässt. Es wäre hingegen nicht das erste Mal, dass sich der Mensch etwas aus der Natur abschaut. Es gibt zahlreiche Bespiele von Chemotherapeutika pflanzlichen Ursprungs, die heutzutage aus der modernen Krebstherapie nicht mehr weg zudenken sind.

Quellen:
  • Hatziantoniou, S., K. Dimas, et al. (2006). "Cytotoxic and antitumor activity of liposome-incorporated sclareol against cancer cell lines and human colon cancer xenografts." Pharmacol Res 53(1): 80-87.
  • Matsingou, C., K. Dimas, et al. (2006). "Design and development of liposomes incorporating a bioactive labdane-type diterpene. In vitro growth inhibiting and cytotoxic activity against human cancer cell lines." Biomed Pharmacother 60(4): 191-199.
 
Information zur Studie:
Studientitel
Design and development of liposomes incorporating a bioactive labdane-type diterpene. In vitro growth inhibiting and cytotoxic activity against human cancer cell lines
Autor
Matsingou, C., Dimas, K., Demetzos, C.
Jahr
2006
Dauer
-
Durchfürendes Institut
Department of Pharmaceutical Technology, School of Pharmacy, Panepistimiopolis, Zografou, University of Athens, Athens, Greece.
Auftraggeber
-
Studiendesign
In vitro Experiment mit Zellkulturen
Teilnehmerzahl
-
Information zur Studie:
Studientitel
Cytotoxic and antitumor activity of liposome-incorporated sclareol against cancer cell lines and human colon cancer xenografts
Autor
Hatziantoniou, S., Dimas, K., Georgopoulos, A., Sotiriadou, N., Demetzos, C.
Jahr
2006
Dauer
-
Durchfürendes Institut
Department of Pharmaceutical Technology, School of Pharmacy, Panepistimiopolis, University of Athens, Greece.
Auftraggeber
Medexis SA Kryoneri, Attiki, Greece
Studiendesign
In vitro Experiment mit Zellkulturen und in vivo Experimente mit Mäusen
Teilnehmerzahl
Insgesamt 34 Mäuse