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Neue Wirkpotentiale - hilft Gingko bei AMD?

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Geschrieben von Redaktion
Zuletzt aktualisiert am 06.11.2013

Forscher haben bei der Heilpflanze eine zusätzliche Wirkung entdeckt: Ginkgo ist ein potenter Radikalfänger. Und genau diese Eigenschaft macht Ginkgo interessant für die Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), der häufigsten Ursache für Erblindung von Personen über 50 Jahren. Doch kann die Pflanze wirklich helfen?

Seine Beliebtheit verdankt Ginkgo biloba vor allem zwei Eigenschaften. Die Pflanze kann zum einen als Cholinesterasehemmer die Konzentration von Neurotransmittern regulieren und dadurch bestimmte Abläufe im Gehirn beeinflussen. Weiterhin kann sie mittels Hemmung des Plättchen-aktivierenden Faktors (PAF) die Fließeigenschaften des Blutes verbessern. Ein Großteil der Anwendungsgebiete (u.a. Konzentrationsschwäche, Tinnitus, Schaufensterkrankheit) beruht auf eben diesen Effekten.

Doch Forscher haben bei der seit Jahrtausenden in der traditionellen chinesischen Medizin eingesetzten Heilpflanze noch eine zusätzliche Wirkung entdeckt. Es handelt sich dabei um Radikalfängereigenschaften, die einen Effekt gegen reaktive Sauerstoffmoleküle („freie Radikale“) besitzen. Solche Radikale entstehen bei unzähligen körpereigenen Stoffwechselvorgängen sowie durch Tabakrauchen und UV-Strahlen. Sie können Schäden an Zellen verursachen, die zur Entartung (Krebs) oder dem Tod der Zellen führen. Bestimmte Inhaltstoffe des Ginkgos, genauer gesagt die Flavonoide, welche etwa ein Viertel der Wirkstoffe im Extrakt ausmachen, können diese Radikale binden und unschädlich machen.

Sauerstoffradikale als Ursache des Erblindens

Und genau diese Eigenschaft macht Ginkgo-biloba interessant für die Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), der häufigsten Ursache für Erblindung von Personen über 50 Jahren. Bei der AMD gehen bestimmte Zellen im Auge zugrunde, die für die Versorgung der Sinneszellen der Netzhaut wichtig sind. Die Folge ist ein Untergang dieser Sinneszellen, vor allem im Punkt des schärfsten Sehens - die Betroffenen erblinden. Man vermutet, dass neben anderen Ursachen vor allem Sauerstoffradikale für die Krankheit verantwortlich sind.

Bisher werden zur Therapie der AMD vor allem Lutein und hochdosierte Vitaminpräparate (B6, B12 und Folsäure) eingesetzt, da auch ihnen Radikalfängereigenschaften nachgesagt werden. Nachdem diese Eigenschaften auch in Ginkgo-Präparaten entdeckt wurden, fasste eine britische Forscherin alle bisher zum Thema Ginkgo und AMD durchgeführten Forschungsarbeiten zusammen. Aufgrund der noch geringen Popularität dieses Anwendungsgebietes und den hohen Anforderungen an die wissenschaftliche Qualität der Studien kamen dabei nur zwei Arbeiten in Frage. Es wurden nur solche Studien mit einbezogen, die ein standardisiertes und hochwertiges Ginkgo-Präparat verwendeten, über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten gingen und zwei oder mehr Patientengruppen enthielten.

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Studien zeigen Wirkung

Französische Wissenschaftler gaben AMD-Patienten entweder Ginkgo-biloba-Extrakt oder ein Placebo und bewerteten anschließend Sehfeld, Sehschärfe und die Netzhaut. Zwar konnte das Fortschreiten der Krankheit nicht aufgehalten werden, jedoch gab es in der Ginkgo-Gruppe eine messbare Verbesserung der Sehschärfe über lange Distanzen.

In einer anderen Arbeit verglich eine Forschungsgruppe aus Deutschland die Effekte von niedrig- und hochdosiertem Ginkgo biloba Extrakt. Auch hier konnte (in beiden Patienten-Gruppen) eine positive Wirkung auf die Sehkraft nachgewiesen werden. Dabei galt, je höher die Dosierung, desto ausgeprägter der Effekt.

Leider handelte es sich nur um zwei Studien zu diesem Thema und auch die Zahl der Probanden ist mit insgesamt 119 Personen noch sehr niedrig. Weiterhin gab es in den Arbeiten keinerlei Aussagen, die über die über die reinen Messungen hinausgingen, wie beispielsweise den Einfluss der pflanzlichen Behandlung auf die eigentliche Lebensqualität der Patienten. Ebenso wenig wurde über mögliche Nebenwirkungen berichtet.

Aber auch wenn anhand der aktuellen Studienlage keine verlässliche Aussage über die Wirksamkeit einer Ginkgo biloba-Therapie getroffen werden kann, ist es wichtig weiterhin nach neuen Behandlungsformen der AMD zu suchen. Noch gibt es für die altersbedingte Makuladegeneration keine kausale Heilungsmöglichkeit. Bei einer Erkrankung, die mit einer so hohen Belastung der Lebensqualität einhergeht und eine so hohe und steigende Zahl von Patienten betrifft, lohnt es sich daher offenkundig, die bisherigen Ergebnisse in größeren und längeren Studien zu prüfen.

Information zur Studie:
Studientitel
Ginkgo biloba extract for age-related macular degeneration
Autor
Jennifer R. Evans
Jahr
2013
Dauer
2 Studien mit Dauer > 6 Monaten
Durchfürendes Institut
Cochrane Eyes and Vision Group, ICEH, London School of Hygiene & Tropical Medicine, London, UK
Auftraggeber
The Cochrane Collaboration
Studiendesign
Review von 2 Studien
Teilnehmerzahl
Insgesamt 119 Patienten
Quellen:
  • Lebuisson, D. A., L. Leroy, et al. (1986). "[Treatment of senile macular degeneration with Ginkgo biloba extract. A preliminary double-blind drug vs. placebo study]." Presse Med 15(31): 1556-1558.
  • Rudolf Hänsel, Otto Sticher (Hrsg.): Pharmakognosie. Phytopharmazie. 9. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010, S. 1133–1142.