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Lässt Ginkgo den Schwindel verschwinden?

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Geschrieben von Redaktion
Zuletzt aktualisiert am 06.11.2013

Jedem war schon einmal schwindelig, und ein jeder kann sich vorstellen, wie belastend ein dauerhafter Drehschwindel für Betroffene sein kann. Früher behandelte man alle Formen des Schwindels auf die gleiche Weise: mit betäubenden Medikamenten und ihren entsprechend großen Nebenwirkungen. In den letzten 30 Jahren erfolgte aber ein Umdenken. Man verstand die Ursachen der Symptome und die Reparaturmechanismen besser, die im Körper zur Kompensation des Schwindels führen. Andere, Gehirn und Nerven stimulierende Medikamente, rückten in den Fokus und man verwendete vermehrt auch pflanzliche Wirkstoffe, wie etwa Ginkgo biloba. Doch hilft die Pflanze wirklich? Deutsche Forscher analysierten unter dieser Fragestellung alle verfügbaren Studien und stellten kürzlich das Ergebnis ihrer Recherche vor.

Wie entsteht Schwindel?

Schwindel (Vertigo) kann verschiedene Ursachen haben. Fällt das im Innenohr befindliche Gleichgewichtsorgan (auch: Labyrinth) oder zugehörige Nervenbahn und –zellen aus, spricht man von vestibulärem Schwindel. Liegen andere Ursachen, wie etwa ein hoher Blutdruck oder Einnahme von Alkohol zugrunde, spricht man von nichtvestibulärem Schwindel.

Bei einseitigem Ausfall eines Gleichgewichtsorgans kommt es beim Betroffenen zu plötzlichem und heftigem Schwanken zur Gegenseite und korrespondierendem Augendrehen (Nystagmus). Mit der Zeit legt sich die Symptomatik. Der Körper lernt, mit dem verbliebenen Gleichgewichtsorgan der Gegenseite sowie mithilfe der Augen und anderer Sinne die innere Balance wieder herzustellen. Man spricht von sogenannter vestibulärer Kompensation.

Erfolg bei Tierversuchen

In Tierexperimenten konnte schon in den Achtzigerjahren ein positiver Einfluss des Ginkgos auf diese Kompensation nachgewiesen werden. Ratten, die unter einseitigem Labyrinthausfall litten, zeigten unter Behandlung mit Ginkgo biloba–Extrakten eine signifikant beschleunigte Rückbildung ihrer Schwindelsymptome. Im Vergleich zu Kontrolltieren hatten sie weniger Haltungs- und Bewegungsstörungen, auch der Nystagmus war geringer ausgeprägt. Französische Forscher konnten diese Effekte 1990 auch an Katzen demonstrieren. In nachfolgenden Experimenten mit Meerschweinchen zeigte sich kurioserweise, dass vor allem niedrige Dosen des Extraktes die vestibuläre Kompensation fördern. Überschritt die Dosis einen bestimmten Grenzwert (25mg/kg) ließ sich kein Effekt mehr nachweisen.

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Gut fürs Tier – gut für den Mensch?

Doch wirkt die Pflanze auch beim Menschen? Eine bereits etablierte Therapie gegen vestibulären Schwindel ist ein spezielles Bewegungs- und Koordinationstraining, welches nachweislich die Gewöhnung des Körpers an den Schwindel beschleunigt. Polnische Wissenschaftler untersuchten nun 23 an Schwindel leidende Patienten, die zusätzlich zu dem Trainingsprogramm Ginkgo biloba-Extrakte einnahmen und verglichen sie mit einer Kontrollgruppe, welche nur trainierte. Wie zu erwarten war, kam es bei beiden Gruppen zur Besserung der Symptome. Die Augen verhielten sich ruhiger, die Körperhaltung normalisierte sich. Im Unterschied zur Kontrolle aber ließ bei den Ginkgo-Patienten das durch den Schwindel ausgelöste Schwanken wesentlich schneller nach.

Und auch ohne Training profitieren Betroffene von Ginkgo biloba. In einer 1986 veröffentlichten Studie nahmen 70 Patienten mit vestibulärem Schwindel über drei Monate hinweg entweder ein spezielles Ginkgo-Extrakt oder ein nicht wirksames Scheinmedikament ein. Die mit der Pflanze behandelten Personen berichteten über eine Abnahme der Intensität, der Häufigkeit und Dauer der Schwindelsymptomatik sowie der dadurch erfahrenen Behinderung im Alltag. Bei 80 Prozent der Patienten normalisierte sich der Gleichgewichtsinn sogar vollständig.

Doch damit nicht genug. Auch wenn der Schwindel nicht durch Störungen im Gleichgewichtsorgan ausgelöst wird, scheint Ginkgo zu helfen. 45 solcher Patienten erhielten über zwölf Wochen Ginkgo, 41 ein Placebo. Und abermals erholte sich die Ginkgo-Gruppe schneller und effektiver.

Ginkgo? Klare Empfehlung!

Warum Ginkgo bei Schwindel hilft, lässt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Klar ist, dass die Pflanze an mehr als einer Stelle wirkt. Wissenschaftler fanden heraus, dass Ginkgolid B, ein spezieller Inhaltsstoff des Ginkgo-Extrakts, die für den Gleichgewichtssinn wichtigen Nervenzellen stimulieren kann und so eine neuronale Umorganisation beschleunigen vermag. Daneben spricht man aber auch den antioxidativen Eigenschaften sowie der durchblutungsfördernden Wirkung Ginkgos eine wichtige Rolle zu. Trotz der Unklarheiten urteilen die Autoren, dass Ginkgo einen Platz unter den etablierten Schwindel-Therapieformen verdient hat. Vor allem in Begleitung zu physikalischer Behandlung können Extrakte der Pflanze ihre volle Wirkung entfalten. Und das Beste dabei: all das vollbringt Ginkgo biloba ganz ohne Nebenwirkung.

Information zur Studie:
Studientitel
Special ginkgo extract in cases of vertigo - A systematic review of randomised, double-blind, placebo controlled clinical examinations
Autor
K.-F. Hamann
Jahr
2007
Dauer
Zwischen 4 Wochen und 180 Tagen
Durchfürendes Institut
HNO-Klinik, Klinikum rechts der Isar, München
Auftraggeber
-
Studiendesign
Review von 5 Studien
Teilnehmerzahl
20 bis 86 Patienten (Insgesamt 281)
Quellen:
  • Babayigit, A., D. Olmez, et al. (2007. "Special ginkgo extract in cases of vertigo: a systematic review of randomised, double-blind, placebo controlled clinical examinations" HNO April 2007 55(4): 186-191.