Anzeige
Anzeige
Sie kennen uns vielleicht auch aus:
Anzeige

Ginkgo – das neue Wundermittel gegen Migräne?

Anzeige
Geschrieben von 2013-10-16
Zuletzt aktualisiert am 2013-11-0606.11.2013

Ob bei Demenz, Tinnitus oder Augenkrankheiten - das Wirkungsspektrum des Ginkgos ist so umfangreich wie beeindruckend. Doch damit nicht genug. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass die Pflanze auch bei einer Krankheit helfen kann, unter der weltweit mehr als acht Million Menschen leiden: die Migräne.

Eine Herausforderung bei dieser Form des Kopfschmerzes, die oft auch schon junge Personen betrifft, ist das Entwickeln einer Therapie für alle Altersklassen. Zwar können Betroffene bereits über Anpassung ihres Lebensstils viel erreichen, zum Beispiel durch einen geregelten Tagesablauf oder Meiden oft individueller Migräne-Auslöser. Die heute verfügbaren spezifischen und effektiven Medikamente sind jedoch vor allem für Erwachsene gedacht und allesamt mit bestimmten Nebenwirkungen behaftet.

Hilfe für junge Patienten

Eine Gruppe italienischer Forscher versuchte sich nun an einer pflanzlichen Therapie mit Ginkgo-biloba Extrakten. Sie verabreichten 30 jungen Migräne-Patienten über eine Zeit von drei Monaten zweimal täglich eine Mischung aus Ginkgo-Inhaltsstoffen und maßen die Anzahl, Dauer und Schwere ihrer Kopfschmerz-Attacken. Die Wissenschaftler verwendeten dabei einen Extrakt, der reich an sogenannten Ginkgolid B war - eine Substanz, der eine Hauptrolle bei den Wirkungen des Ginkgos zugeschrieben wird. Die ausgesuchten Patienten waren zwischen acht und 18 Jahren alt und litten seit mindestens einem Jahr unter vier oder mehr Migräneanfällen pro Monat. Auch nach der Therapie wurden die Personen noch zweimal untersucht, einmal nach sechs und einmal nach zwölf Monaten.

Leider blieben nicht alle behandelten Patienten bis zum Abschluss der Arbeit unter Beobachtung. An den 23 Verbliebenen zeigte sich jedoch, wie wirkungsvoll der Ginkgo war. Berichteten diese vorher noch über durchschnittlich sieben Kopfschmerz-Attacken pro Monat, erlitten die behandelten Personen jetzt nur noch ein bis zweimal einen Migräne-Anfall. Auch die Schmerzmedikamente konnten sie um mehr als 80% reduzieren. Die Therapie wurde dabei sehr gut vertragen: Niemand klagte über eine Verschlimmerung der Kopfschmerzen, insgesamt verbesserte sich das Allgemeinbefinden der jungen Leute. Die Arbeit war ein voller Erfolg.

Der nächste Schritt: Therapieversuche

Erstaunt über die eindrucksvolle Wirkung ging man in einer aktuellen italienischen Studie einen Schritt weiter. Ärzte verschiedener Kliniken in Turin und Padua wollten testen, ob Ginkgolid B auch dann wirkt, wenn die Migräne bereits im vollen Gange war. Die 25 ausgesuchten Patienten waren diesmal etwas älter (im Schnitt 40 Jahre) und litten allesamt unter einer Migräne mit sogenannter Aura. Bei dieser handelt es sich eine Reihe verschiedener neurologischer Ausfallserscheinungen, die bei etwa einem Fünftel der Migräne-Patienten meist kurz vor Beginn der eigentlichen Kopfschmerzen auftreten können. Die Test-Personen wurden nun aufgefordert, genau dann eine vorher festgelegte Dosis an Ginkgo-Extrakten zu sich zu nehmen, sobald sie das Entstehen einer Aura bemerkten. Im Anschluss maßen die Forscher die Dauer und Ausprägung der nachfolgenden Attacke und verglichen sie mit vorherigen unbehandelten Migräne-Anfällen.

Anzeige

Schnelle Wirkung – ohne Nebeneffekte

Auch hier enttäuschte Ginkgo biloba nicht: Während eine Attacke vorher durchschnittlich 34 Minuten andauerte, verkürzte sich diese nach der Behandlung um mehr als zehn Minuten. Besser noch, auch die Symptome der Aura, oft geprägt durch kurzzeitige Seh- oder Empfindungsstörungen, waren signifikant reduziert. Dabei kam es bei 20% der Patienten sogar zu einem vollständigen Ausbleiben der Schmerzphase. Nebenwirkungen traten nicht auf.

Warum der Ginkgo so schnell wirkt, wird auch von Wissenschaftlern nicht vollständig verstanden. Man vermutet jedoch, dass die Inhaltsstoffe der Pflanze, allen voran das Ginkgolid B, einen hemmenden Effekt auf den Plättchen-aktivierenden Faktor (PAF) und das Hormon Glutamat besitzen, denen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Migräne zugesprochen wird.

Eindeutige Ergebnisse

Trotz der relativ kleinen Anzahl behandelter Patienten und dem offenem Studien-Aufbau weisen die Ergebnisse beider Arbeiten darauf hin, dass sich Ginkgo biloba sowohl zur Vorsorge als auch zur akuten Therapie der Migräne eignet. Bevor sich die Heilpflanze jedoch in die Gruppe der zugelassenen Medikamente einreihen darf, muss sie sich erst noch in groß angelegten Studien bewähren, am besten im Vergleich mit einem Placebo. Es spricht aber viel dafür, dass Ginkgo demnächst für viele Migräne-Patienten, egal ob alt oder jung, eine verlockende, weil nebenwirkungsarme Alternative darstellen wird.

Information zur Studie:
Studientitel
The efficacy of ginkgolide B in the acute treatment of migraine aura: an open preliminary trial
Autor
Gianni Allais , Giovanni D’Andrea, Maurizio Maggio und Chiara Benedetto
Jahr
2013
Dauer
Keine Angaben
Durchfürendes Institut
(1) Department of Gynecology and Obstetrics, Women’s Headache Center, University of Turin, Turin, Italien (2) Research and Innovation (R&I), Padua, Italien (3) Department of Neurology, Ivrea Hospital, Ivrea, Italien
Auftraggeber
-
Studiendesign
Offene, klinische Versuchsstudie
Teilnehmerzahl
25 Personen (16 Frauen, 9 Männer) zwischen 18 und 65 Jahren.
Information zur Studie:
Studientitel
Gingkolide B as migraine preventive treatment in young age: results at 1-year follow-up
Autor
Susanna Usai, Licia Grazzi und Gennaro Bussone
Jahr
2011
Dauer
Ginkgo Behandlung: 3 Monate; Nachkontrolle: 1 Jahr
Durchfürendes Institut
Department of Neurological Sciences, Headache Unit, Neurological Institute “C. Besta” IRCCS Foundation, Mailand, Italien
Auftraggeber
-
Studiendesign
Offene, klinische Versuchsstudie
Teilnehmerzahl
30 Personen zwischen 8 und 18 Jahren
Quellen:
  • Allais, G., G. D'Andrea, et al. (2013). "The efficacy of ginkgolide B in the acute treatment of migraine aura: an open preliminary trial." Neurol Sci 34 Suppl 1: S161-163.
  • Usai, S., L. Grazzi, et al. (2011). "Gingkolide B as migraine preventive treatment in young age: results at 1-year follow-up." Neurological Sciences 32: S197-S199.