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Ginkgo – der neue Star gegen Grünen Star?

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Geschrieben von Redaktion
Zuletzt aktualisiert am 06.11.2013

Der Grüne Star (Glaukom) ist eine Krankheit, die sich schleichend über viele Jahre hinweg entwickelt. Die Ärzteschaft ist seit jeher auf der Suche nach neuen Therapie-Möglichkeiten, die den Verlauf der Erkrankung eindämmen können. Ginkgo biloba wird von vielen Medizinern gern verwendet. Doch was ist dran an der nachgesagten Wirkung?

Bei einer großen Anzahl von Betroffenen schreitet die Krankheit jedoch trotz Normalisierung der Druckverhältnisse im Auge unaufhaltbar fort, auch dann wenn der Druck durch herkömmliche Medikamente weit unterhalb von Normalwerten eingestellt wird. Deshalb sucht man in der Augenheilkunde dringend eine weitere, nicht den Druck senkende Behandlung für Glaukom-Patienten. Die einzige in diese Lücke passende Therapie, die in der Ärzteschaft – trotz fehlender wissenschaftlicher Beweise - akzeptiert wird, ist eine Behandlung mit Ginkgo biloba. Doch was ist dran an der nachgesagten Wirkung?

Eine deutsche Forschungsgruppe recherchierte jetzt eingehend alle verfügbaren Informationen über die Heilpflanze und stellte ihre Ergebnisse online zur Verfügung. Ihnen zufolge beeinflusst Ginkgo verschiedene Krankheitsmechanismen des Grünen Stars auf positive Weise.

Wie entsteht ein Glaukom?

Bei einem Glaukom kommt es zu einem fortschreitenden Absterben der Nervenzellen im Auge. Neben einem hohen Augeninnendruck sind hierfür vor allem zwei Dinge verantwortlich: Oxidativer Stress und Mikrozirkulationsstörungen kleiner Blutgefäße. Eine mangelnde Durchblutung der Augenstrukturen, entweder aufgrund eines zu hohen Drucks auf die Arterien oder einer gestörten Regulation der Gefäßmuskeln führt bei Wiedereröffnung zu verstärktem Blutfluss (Reperfusion). Dies wiederum ruft u.a. kleine Verletzungen in den Venen hervor. Es entstehen mikroskopische Blutungen, welche umgebende Nerven- oder Sinneszellen schädigen können. Japanische Wissenschaftler konnten 2000 an Ratten zeigen, dass Ginkgo biloba gerade auf die kleinen Arterien im Gehirn eine stabilisierende und öffnende Wirkung hat. Auch wenn sich die Versuche nur auf Gehirngefäße bezogen, kann man davon ausgehen, dass auch im Auge eine ähnliche Wirkung erzielt werden kann.

Ginkgo als Radikalfänger

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Wiederholt sich dieser Prozess aus Gefäßverschluss und nachfolgender Reperfusion, kommt es zusätzlich zu oxidativem Stress. Aggressive Sauerstoffmoleküle werden freigesetzt und schädigen in allen umliegenden Bereichen Zellen und ihre Strukturen. Forscher aus Frankreich demonstrierten in einer Studie, dass bestimmte Substanzen im Ginkgo, allen voran das Ginkolide B wirkungsvoll eben diese freien Radikale wegfangen und unschädlich machen können. Eine chinesische Arbeit zeigte ähnliche Ergebnisse.

Aber selbst beim Hochdruckglaukom, bei welchem oxidativer Stress und Mikrozirkulationsstörungen eine untergeordnete Rolle spielen, wirkt Ginkgo biloba erstaunlicherweise sehr gut. In Italien wollten Wissenschaftler dies anhand eines Tierexperiments nachweisen. Bei mehreren Ratten wurde durch operativen Verschluss einiger Augengefäße ein künstlicher hoher Augeninnendruck geschaffen. Nun gab man einer Gruppe der Tiere über fünf Monate Ginkgo-biloba Extrakte und verglich sie mit den unbehandelten Ratten. Das Ergebnis war eindeutig: Sowohl eine Vorbehandlung mit Ginkgo, als auch eine Therapie nach erfolgter Druckerhöhung wirkte schützend auf die Sinneszellen im Augeninneren.

Verbesserung der Sehkraft

Doch damit nicht genug. Selbst wenn der Sehverlust bereits begonnen hat, kann Ginkgo helfen. Forscher einer italienischen Augenklinik testeten die Pflanze an 27 Patienten, die an einem Normaldruckglaukom litten und unter diesem bereits einen Teil ihres Gesichtsfeldes eingebüßt hatten. Alle Personen nahmen über vier Wochen dreimal täglich 40 mg Ginkgo biloba-Extrakte ein. Die erste Gruppe vor, die andere nach vierwöchiger Einnahme eines nicht wirksamen Placebos. Die Wissenschaftler überprüften während und nach der Behandlung das Sehfeld der Patienten. Und siehe da: Beide Gruppen berichteten über einen Zunahme ihres Gesichtsfeldes bzw. Verbesserung ihrer visuellen Fähigkeiten. Besser noch, während der Versuchsreihe traten bei niemandem Nebenwirkungen auf.

Gute Aussichten

Die klassische Therapie beim Grünen Star ist und bleibt die Senkung des Augeninnendrucks. Der Ginkgo, mit all seinen pharmakologischen Eigenschaften, könnte aber eine neue, vielversprechende Behandlungsform darstellen. Zwar gibt es nur sehr wenige klinische Studien über die direkte Anwendung der Pflanze beim Glaukom. Alle eingesehenen Arbeiten sprechen dem Ginkgo aber positive Eigenschaften bei verschiedenen Krankheitsmechanismen zu, die auch beim Grünen Star eine Rolle spielen. Und viel wichtiger: nicht eine einzige Arbeit fand Nachteile. Die Autoren des Reviews meinen, dass Ginkgo-biloba Extrakte rein theoretisch allen Glaukom-Patienten helfen könnten. Anhand der verfügbaren Daten sprechen sie aber eine klare Empfehlung für Patienten aus, die an einem Normaldruckglaukom leiden, sowie solche mit Hochdruckglaukom bei normalisiertem Augeninnendruck.

Information zur Studie:
Studientitel
Ginkgo biloba: An adjuvant therapy for progressive normal and high tension glaucoma
Autor
A.K. Cybulska-Heinrich, M. Mozaffarieh und J. Flammer
Jahr
2011
Dauer
unterschiedlich
Durchfürendes Institut
Department of Ophthalmology, University of Basel, Schweiz
Auftraggeber
Molecular Vision
Studiendesign
Review von 95 Studien
Teilnehmerzahl
Keine Angabe möglich
Quellen:
  • Cybulska-Heinrich, A. K., M. Mozaffarieh, et al. (2012). "Ginkgo biloba: an adjuvant therapy for progressive normal and high tension glaucoma." Mol Vis 18: 390-402.