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Ginkgo und Geist – schärft die Pflanze die Sinne?

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Geschrieben von Redaktion
Zuletzt aktualisiert am 06.11.2013

Wenn man dem Ginkgo eine Wirkung nachsagt, dann vor allem die Steigerung von geistigen Fähigkeiten, wie Konzentration und Lernvermögen. Doch ein Blick in die Datenbanken der Medizin zeigt, dass man sich in der Wissenschaft noch nicht so recht einig ist, wie und gar ob Ginkgo bei mentalen Problemen helfen kann. Ein Überblick über den aktuellen Stand der Forschung.

Wenn man dem Ginkgo biloba eine Wirkung nachsagt, dann vor allem die Steigerung von geistigen Fähigkeiten, wie Konzentration und Lernvermögen. Besonders bei älteren Personen mit beginnenden Gedächtnisproblemen ist die Pflanze sehr beliebt, auch viele Ärzte empfehlen Ginkgo-biloba-Extrakte im Zusammenhang mit Konzentrationsstörungen und Demenz. Doch ein Blick in die Forschungsdatenbanken der Medizin zeigt, dass man sich in der Wissenschaft noch nicht so recht einig ist, wie und gar ob Ginkgo bei mentalen Problemen überhaupt helfen kann.

Keine verlässliche Hilfe bei Demenz

Das Deutsche Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität der Medizin verglich 2011 die Ergebnisse verschiedener Studien zum Thema Ginkgo und Demenz. In den Arbeiten erhielten Patienten, die an einer Demenz litten über eine Zeit zum Teil hochkonzentrierte Dosen von Ginkgo. Es zeigte sich eine messbare Verbesserung in den Bereichen Konzentration, alltägliche Fähigkeiten und eine Linderung bestimmter psychologischer Symptome. In allen Studien war die Pflanze dabei zwar wirksamer als ein Scheinmedikament, jedoch fiel der Effekt zwischen den Forschungsarbeiten sehr unterschiedlich aus und war auch nur moderat. Schädliche Wirkungen traten aber bei keinem Patienten auf. Auch Forscher der Oxford-Universität kamen in einer ähnlich aufgebauten Studienanalyse zu dem Ergebnis, dass Ginkgo bei dementen Patienten keinen verlässlichen Effekt besitzt. Die Meinungen sind hier nach wie vor gespalten.

Bessere Vorbeugung durch Gingko

Es gibt aber Hinweise, dass Ginkgo den altersbedingten Abbau mentaler Fähigkeiten verlangsamen kann. Forscher der Universität von Bordeaux wollten wissen, welche Langzeiteffekte die Extrakte der Pflanze auf die geistige Gesundheit besitzen. Über 20 Jahre hinweg beobachteten sie eine Vielzahl von älteren, gesunden Personen (insgesamt 3612 Teilnehmer, Alter: 65 Jahre), die entweder Ginkgo biloba oder andere Medikamente einnahmen. Die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht. Zwar ließ sich auch bei Personen, die innerhalb der Zeit Ginkgo benutzt zu haben, der natürliche geistige Abbau nicht stoppen. Jedoch schnitt die Ginkgo-Gruppe in Gedächtnistests signifikant besser ab, als die der Ginkgo-Abstinenzler. Überraschenderweise zeigten die Teilnehmer, die Piracetam, ein konventionelles Medikament gegen Gedächtnisverlust bekamen, sogar einen beschleunigten Gedächtnisverfall gegenüber der Ginkgo-Gruppe. Anzumerken sei hier, dass Ginkgo biloba laut aktuellen klinischen Studien leider nicht vor der Entstehung einer Alzheimer-Demenz schützt.

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Wirkung unter der Lupe

Während es also durchaus Studien gibt, die die Wirkung des Ginkgos auf die mentalen Fähigkeiten belegen, befassen sich nur sehr wenige mit der Frage, welche Eigenschaften genau beeinflusst werden. Wissenschaftler der Universität Osnabrück stellten die über die Jahre veröffentlichten Informationen zusammen, fast 30 Forschungsarbeiten mit insgesamt 2414 Personen zwischen 21 und 83 Jahren wurden untersucht. Die Teilnehmer waren zu Studienbeginn entweder gesund oder litten bereits unter mentalen Erkrankungen wie leichten Gedächtnisproblemen, Depression oder Demenz. Um möglichst viele Arbeiten in die Analyse einzuschließen, legten die Wissenschaftler keinen Wert auf einheitliches Studiendesign. Die gegebenen Ginkgo-Dosen und auch die Länge der Experimente variierten zum Teil stark, die Ergebnisse der Studien waren jedoch eindeutig.

Ginkgo biloba verbesserte eine große Reihe von geistigen Fähigkeiten. Vor allem das verbale und visuelle Langzeitgedächtnis profitierten, die Teilnehmer zeigten aber auch Fortschritte in Aufmerksamkeit, Planen und Ausführen von Tätigkeiten, sowie fluider Intelligenz, also der Fähigkeit logisch zu denken und Probleme zu lösen.

Zu Recht in Gebrauch?

Auch wenn längst nicht alle ihm nachgesagten Wirkungen wissenschaftlich nachweisbar sind, braucht sich Ginkgo biloba nicht vor herkömmlichen Medikamenten zu verstecken. Die Pflanze schützt zum Teil vor altersbedingtem geistigen Abbau und verbessert Konzentration und Gedächtnis bei Patienten aller Altersklassen. Die Effekte sind moderat, jedoch punktet die Pflanze aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und geringen Nebenwirkungen. Gänzlich verstanden sind Ginkgo und seine Inhaltsstoffe aber noch lange nicht und es wird wohl auch in Zukunft noch oft zu Kontroversen über seine tatsächliche Wirkung kommen.

Information zur Studie:
Studientitel
Ginkgo biloba extract and long-term cognitive decline: a 20-year follow-up population-based study.
Autor
Amieva H, Meillon C, Helmer C, Barberger-Gateau P, Dartigues JF.
Jahr
2013
Dauer
20 Jahre
Durchfürendes Institut
Universität Bordeaux, ISPED, Centre INSERM U897-Epidemiologie-Biostatistique, Frankreich
Auftraggeber
-
Studiendesign
Retrospektive Kohorten-Studie
Teilnehmerzahl
Insgesamt 3612 gesunde Personen über 65 Jahre
Information zur Studie:
Studientitel
Ginkgo biloba in Alzheimer's disease: a systematic review.
Autor
Janssen IM, Sturtz S, Skipka G, Zentner A, Velasco Garrido M, Busse R.
Jahr
2010
Dauer
6 Studien mit Behandlungsdauer >16 Wochen
Durchfürendes Institut
Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität der Medizin, Köln, Deutschland
Auftraggeber
-
Studiendesign
Metaanalyse von 6 Studien
Teilnehmerzahl
-
Information zur Studie:
Studientitel
Ginkgo biloba: specificity of neuropsychological improvement; a selective review in search of differential effects
Autor
Reiner Kaschel
Jahr
2009
Dauer
Zwischen 3 Wochen und 8 Monate
Durchfürendes Institut
Universität Osnabrück, Deutschland
Auftraggeber
-
Studiendesign
Review von 29 Studien
Teilnehmerzahl
Insgesamt 2414 Patienten
Quellen:
  • Amieva, H., C. Meillon, et al. (2013). "Ginkgo biloba extract and long-term cognitive decline: a 20-year follow-up population-based study." PLoS One 8(1): e52755.
  • Birks, J. and J. Grimley Evans (2009). "Ginkgo biloba for cognitive impairment and dementia." Cochrane Database Syst Rev(1): CD003120.
  • Janssen, I. M., S. Sturtz, et al. (2010). "Ginkgo biloba in Alzheimer's disease: a systematic review." Wien Med Wochenschr 160(21-22): 539-546.
  • Kaschel, R. (2009). "Ginkgo biloba: specificity of neuropsychological improvement--a selective review in search of differential effects." Hum Psychopharmacol 24(5): 345-370.