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Ginkgo und Asthma – Wie gut wirkt die Pflanze wirklich?

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Geschrieben von 2013-10-17
Zuletzt aktualisiert am 2013-11-0606.11.2013

Seit vielen Generationen verwendet man Ginkgo bei Lungenbeschwerden wie dem Asthma bronchiale. Doch ist die Pflanze wirklich geeignet, um diese weit verbreitete und lästige Atemwegserkrankung zu behandeln? Es folgt ein kurzer Blick auf aktuelle Forschungsarbeiten.

In China kennt man die Heilkräfte des Ginkgos seit Jahrtausenden. Vor allem die in den Sechzigerjahren entdeckten durchblutungsfördernden Eigenschaften führten auch in Europa zu einem Siegeszug der Pflanze. Daneben verwendet man Ginkgo seit jeher auch bei Lungenbeschwerden wie dem Asthma bronchiale. Doch ist die Pflanze wirklich geeignet, um diese weit verbreitete und lästige Atemwegserkrankung zu behandeln? Es folgt ein kurzer Blick auf aktuelle Forschungsarbeiten.

Weniger Schleim, weniger Leid

Chinesische Wissenschaftler schauten sich die entzündungshemmenden Eigenschaften des Ginkgos genauer an. Es ist bekannt, dass bestimmte Bestandteile der Pflanze, allen voran das Ginkgolid B, wirksame Gegenspieler des Plättchenaktivierenden Faktors sind. Dieser wiederrum spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Asthma bronchiale. Um dies zu überprüfen, arbeiteten die Forscher mit Mäusen, die an allergischem Asthma litten. Die Mäuse erhielten Gingko-biloba-Extrakt, kurz bevor die Wissenschaftler ihnen einen Stoff verabreichten, der normalerweise zu einer akuten Verschlechterung des Asthmas führt (Ovalbumin). Der Test brachte ein interessantes Ergebnis. Die mit Ginkgo behandelten Mäuse produzierten wesentlich weniger Schleim in ihren Bronchien, zudem fand sich nur eine geringe Anzahl von Entzündungszellen in ihrem Lungengewebe. Zwei klare Hinweise auf eine antiasthmatische Wirkung der Heilpflanze.

Mikroskopischer Nachweis der Wirkung

In der Türkei nahmen Wissenschaftler diese Effekte genauer unter die Lupe. Insgesamt 35 Mäuse, wieder mit allergischem Asthma, wurden in drei Gruppen unterteilt und mit einer Kontrollgruppe verglichen. Zwei der Gruppen erhielten über eine Woche Ginkgo biloba-Extrakt, die dritte ein herkömmliches und bewährtes Asthma-Medikament (Dexamethason). Auch dieses Mal verabreichte man den Tieren Ovalbumin, um eine Verschlechterung des Asthmas zu provozieren. Mittels Licht- und Elektronenmikroskop schaute man sich nach Ablauf der Behandlungsphase die Lunge genauer an. Normalerweise ruft chronisches Asthma eine Reihe mikroskopischer Veränderungen im Gewebe hervor, wie etwa eine Verdickung der Wandstrukturen und ein vermehrtes Wachstum schleimproduzierender Zellen.

Bei den Ginkgo-Mäusen waren diese Veränderungen jedoch um ein vielfaches geringer als bei der Kontrollgruppe, welche nur ein wirkungsloses Placebo verabreicht bekam. Dabei galt: je mehr Ginkgo die Mäuse erhielten, umso ausgeprägter war der Effekt. Auch im Vergleich mit der Dexamethason-Gruppe mussten sich die Ginkgo-Tiere nicht verstecken. Die mit dem Medikament behandelten Mäuse zeigten nur in einer typischen Veränderung (Wachstum der Muskelepithelschicht) eine bessere Wirksamkeit.

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Hilft Ginkgo auch beim Menschen?

Doch genug von den Tierversuchen. Die viel spannendere Frage ist doch, ob Ginkgo auch bei Menschen eine wissenschaftlich nachweisbare Wirkung besitzt. Um dies zu überprüfen, unterteilten Ärzte eines chinesischen Krankenhaus 75 Asthma-Patienten in vier Gruppen. Zwei Gruppen wurden mit einem Asthma-Medikament (Glukokortikoid) behandelt, in den anderen beiden kombinierte man das Medikament mit einem Ginkgo-biloba Extrakt. Die Therapie erstreckte sich über jeweils zwei oder vier Wochen, fünfzehn gesunde Freiwillige dienten dabei als Kontrollgruppe. Um den Fortschritt der Behandlung einzuschätzen, untersuchte man verschiedene Größen, wie das Lungenvolumen und den Gehalt unterschiedlicher Entzündungszellen und –substanzen im abgehusteten Auswurf (Sputum).

Die Ergebnisse waren erstaunlich. Zwar zeigten alle Asthmatiker gegenüber den gesunden Probanden schlechtere Werte, jedoch gab es zwischen den therapierten Gruppen deutliche Unterschiede. Alle behandelten Patienten profitierten von einer Therapie, sei es mit oder ohne Ginkgo. Die Gruppe, die über vier Wochen Gingko und Glukokortikoid zu sich nahm, zeigte aber wesentlich weniger Entzündungsparameter im Sputum. Und besser noch: auch die Lungenfunktion erholte sich bei diesen Patienten effektiver. Die Verfasser der letzten Studie meinen abschließend, dass Ginkgo zwar heutige Medikamente nicht ersetzen kann. Eine Kombinationstherapie wäre jedoch denkbar und ist laut bisherigen Daten sehr gut verträglich. Im Rahmen der Experimente gewannen die Wissenschaftler zudem noch einige wichtige Erkenntnisse über die Wirkungsweise der Pflanze auf molekularer Ebene.

Extrakte des Ginkgos scheinen Ruf gerecht zu werden. Noch fehlen groß angelegte Studien, die bisherigen Ergebnisse sprechen aber eine eindeutige Sprache: Die Pflanze ist zur Behandlung von Asthma geeignet.

Information zur Studie:
Studientitel
A novel anti-inflammatory role for ginkgolide B in asthma via inhibition of the ERK/MAPK signaling pathway.
Autor
Chu X, Ci X, He J, Wei M, Yang X, Cao Q, Li H, Guan S, Deng Y, Pang D, Deng X.
Jahr
2011
Dauer
Vorbereitung: 1 Monat; Versuchsdauer: ca. 24h
Durchfürendes Institut
The Department of Respiratory Disease, Taihe Hospital of Yunyang Medical College, Shiyan, China
Auftraggeber
-
Studiendesign
Randomisierte, kontrollierte Studie am Tiermodell
Teilnehmerzahl
30 Mäuse unterteilt in 3 Gruppen mit jeweils 10 Tieren
Information zur Studie:
Studientitel
Effects of Ginkgo biloba on airway histology in a mouse model of chronic asthma.
Autor
Babayigit A, Olmez D, Karaman O, Ozogul C, Yilmaz O, Kivcak B, Erbil G, Uzuner N.
Jahr
2009
Dauer
1 Woche
Durchfürendes Institut
Department of Pediatric Allergy, Dokuz Eylul University Hospital, Balcova, Izmir, Türkei
Auftraggeber
-
Studiendesign
Randomisierte, kontrollierte Studie am Tiermodell
Teilnehmerzahl
35 Mäuse unterteilt in 4 Gruppen
Information zur Studie:
Studientitel
The effect of Ginkgo Biloba extract on the expression of PKCalpha in the inflammatory cells and the level of IL-5 in induced sputum of asthmatic patients.
Autor
Tang Y, Xu Y, Xiong S, Ni W, Chen S, Gao B, Ye T, Cao Y, Du C.
Jahr
2007
Dauer
2 bzw. 4 Wochen
Durchfürendes Institut
The Department of Respiratory Disease, Taihe Hospital of Yunyang Medical College, Shiyan, China
Auftraggeber
-
Studiendesign
Randomisierte, kontrollierte Studie
Teilnehmerzahl
75 Patienten mit Asthma plus 15 gesunde Kontrollprobanden
Quellen:
  • Babayigit, A., D. Olmez, et al. (2009). "Effects of Ginkgo biloba on airway histology in a mouse model of chronic asthma." Allergy Asthma Proc 30(2): 186-191.
  • Chu, X., X. Ci, et al. (2011). "A novel anti-inflammatory role for ginkgolide B in asthma via inhibition of the ERK/MAPK signaling pathway." Molecules 16(9): 7634-7648.
  • Tang, Y., Y. Xu, et al. (2007). "The effect of Ginkgo Biloba extract on the expression of PKCalpha in the inflammatory cells and the level of IL-5 in induced sputum of asthmatic patients." J Huazhong Univ Sci Technolog Med Sci 27(4): 375-380.