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Echter Engelwurz – echter Effekt?

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Geschrieben von 2013-08-20
Zuletzt aktualisiert am 2014-01-1010.01.2014

Die meisten der heute vermuteten Wirkungen beruhen allein auf den über die Generationen erworbenen Erfahrungen der einfachen Volksmedizin. Welche dieser Effekte können durch aktuelle wissenschaftliche Studien bestätigt werden und welchen Stellenwert besitzt die Echte Engelwurz eigentlich in der Wissenschaft?

Die Echte Engelwurz (Angelicae archangelicae) und ihre Bestandteile werden schon seit langer Zeit gegen eine Vielzahl von Befindlichkeiten eingesetzt. Ob Appetitlosigkeit oder Darmkrämpfe, Schlaflosigkeit oder Rheuma, nicht viele Heilpflanzen besitzen ein so umfangreiches Spektrum an Anwendungsgebieten.

Doch die meisten der heute vermuteten Wirkungen beruhen allein auf den über die Generationen erworbenen Erfahrungen der einfachen Volksmedizin. Welche dieser Effekte können durch aktuelle wissenschaftliche Studien bestätigt werden und welchen Stellenwert besitzt die Echte Engelwurz eigentlich in der Wissenschaft?

Ein Blick in die weltweit größte Datenbank für wissenschaftliche Studien, PUBMED, offenbart immerhin 43 publizierte Forschungsarbeiten rund um das Thema Echte Engelwurz. Einige der Studien befassen sich vor allem mit der Bestimmung und Extraktion einzelner Inhaltsstoffe, weniger mit deren Wirkung. Andere Studien wiederum bringen neue und wissenswerte Erkenntnisse zutage. Es folgt eine Zusammenstellung der interessantesten Arbeiten.

Bei Bauchbeschwerden wirksam

Ein isländisches Forscherteam untersuchte eine Reihe auf ihrer Insel heimischen Pflanzen auf Interaktionen mit körpereigenen Prozessen. Dabei fanden sie heraus, dass ein alkoholischer Auszug aus Bestandteilen der Echten Engelwurz einen hemmenden Effekt auf das Enzym Acetylcholinesterase besitzt.

Die Acetylcholinesterase baut im Körper normalerweise einen Neurotransmitter namens Acetylcholin ab, welcher unter anderem die Verdauung anregt und Darmbewegungen koordiniert. Fehlt nun besagtes Enzym oder ist in seiner Arbeit behindert, kann der Neurotransmitter länger wirken. Somit erklären sich einige der schon zu Paracelsus Zeiten bekannten positiven Effekte der Engelwurzwurzel-Extrakte (auch Angelikawurzel genannt) bei leichten Magen- und Darmkrämpfen, Völlegefühl und Blähungen.

Das Forscherteam untersuchte im Laufe der Studie zwei Inhaltsstoffe des alkoholischen Extrakts genauer auf ihren jeweiligen Beitrag zum hemmenden Effekt. Xanthothoxin und Imperatorin, zwei sogenannte Furanocumarine, wurden jeweils soweit mit der Acetylcholinesterase vermischt, bis die Aktivität dieses Enzyms auf die Hälfte reduziert war. Xantothoxin war in den Tests mehr als doppelt so effektiv wie Imperatorin, jedoch scheinen die Furanocumarine insgesamt nur einen Teil der hemmenden Wirkung des Extrakts auszumachen. Zukünftige Forschungsarbeiten könnten hier Klarheit schaffen.

Schützt Engelwurz vor Krebs?

Gleich zwei Arbeiten befassten sich mit der wachstumshemmenden Wirkung der Echten Engelwurz gegenüber Krebszellen. Die isländische Forschungsgruppe - im Übrigen dieselbe, die auch schon die oben genannte Studie durchführte - fand heraus, dass einige Inhaltsstoffe der Heilpflanze bestimmte Krebsarten am Wachstum hindern.

Alkoholische Auszüge aus Blättern der Echten Engelwurz zeigten einen stark hemmenden Effekt auf menschliche Bauchspeichelkrebszellen. Man vermischte hierzu vorher speziell gezüchtete Krebszellen auf Petrischalen mit dem Extrakt und verglich deren Wachstum mit dem reiner Krebszellen.

Wieder schaute man sich die einzelnen Bestandteile des Auszugs genauer an und stellte fest, dass die beiden am häufigsten vorkommenden Furanocumarine des Extraktes, Xantothoxin und Imperatorin, die höchste antiproliferative (wachstumshemmende) Wirkung besaßen. Das ätherische Öl der Engelwurz, hauptsächliche bestehend aus Terpenen, zeigte dagegen keinen signifikanten Effekt. In einer zweiten Arbeit wollte man die beobachtenden Wirkungen auch im Lebenden überprüfen. Man injizierte hierzu Mäuse mit Brustkrebszellen und überprüfte deren Wachstum nach Verabreichung des Engelwurz-Extrakts. Tiere, denen man das Extrakt zur Nahrung hinzu gab, zeigten keine oder nur sehr kleine Tumoren, während die Krebszellen in unbehandelten Mäusen zu großen Geschwülsten anwuchsen. Die Ergebnisse der Forschungsgruppe gaben jedoch Hinweise, dass neben den bekannten Furanocumarinen auch andere Inhaltsstoffe der Echten Engelwurz für den antiproliferativen Effekt verantwortlich sein müssen. Welche genau das sind, wird Inhalt kommender Studien sein.

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Engelwurz beruhigt den Geist

Spätestens seitdem der Arznei-Engelwurz zu Zeiten der Renaissance auch in Mitteleuropa angebaut wurde, priesen Ärzte die Heilpflanze in hohen Tönen an. Gut gegen Schlaflosigkeit und Herzklopfen sei sie, wirke außerdem bei Nervenstörungen. Auch in der heutigen Forschung ist die historisch überlieferte beruhigende Wirkung auf die Sinne Frage einiger Studien.

Eine indische Forschergruppe vom Institute of Pharmacy der Bundelkhand Universität zeigte 2010, dass das in den Wurzeln (Angelica radix) enthaltene ätherische Öl epileptische Anfälle verkürzen und mildern kann. Wieder einmal mussten Mäuse herhalten: In mehrere Gruppen eingeteilt, erhielten sie vorher entweder Angelica radix–Extrakte oder normale antiepileptische Medikamente. Bei den dann künstlich ausgelösten epileptischen Krampfanfällen beobachtete man mehrere Faktoren, wie die Krampfschwelle oder Krampfdauer und verglich sie mit vorhandenen Daten. Das ätherische Öl zeigte in den Tests überwiegend positive Effekte, auch im Vergleich zu aktuell von der Schulmedizin verwendeten Arzneimitteln. Die Forscher glauben, dass die größte Wirkung den im Öl reichlich vorhandenen Terpenen zuzuschreiben ist. Ob sich die Effekte aber von der Maus auch auf den Menschen übertragen ließen, bleibt bisher ein Fragezeichen.

Wissenschaftler des Kikuchi Hospital im japanischen Kumamote befassten sich mit dem Einfluss von Engelwurzwurzel-Extrakten auf psychotische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten. Sie behandelten demente Patienten, die häufig unter oben genannten Problemen leiden, mit Feru-Guard, einem Gemisch aus Reiskleie-Extrakten und Bestandteilen von Angelica archangelicae. Nachdem sie zeigen konnten, dass einige Patienten von dieser Behandlung profitierten, wollten sie die genauen Effekte mithilfe einiger neurologischer Tests überprüfen. Ein Kollektiv aus 20 dementen Patienten wurde vor und nach einer 4-wöchigen Behandlung mit Feru-Guard untersucht und anhand von medizinischen Tests eingeschätzt.

Das Ergebnis war beeindruckend: Die Patienten waren nachweislich ruhiger, weniger aggressiv oder ängstlich im Verhalten, wirkten nicht mehr so verwirrt und desorientiert. Sämtliche Testergebnisse besserten sich signifikant. Gleichzeitig zeigten sich bei keinem Patienten unerwünschte Nebenwirkungen oder körperliche Einschränkungen.

Quellen:
  • Kimura, T., Hayashida, H., Murata, M., & Takamatsu, J. (2011). Effect of ferulic acid and Angelica archangelica extract on behavioral and psychological symptoms of dementia in frontotemporal lobar degeneration and dementia with Lewy bodies. Geriatr Gerontol Int, 11(3), 309-314.
  • Pathak, S., Wanjari, M. M., Jain, S. K., & Tripathi, M. (2010). Evaluation of Antiseizure Activity of Essential Oil from Roots of Angelica archangelica Linn. in Mice. Indian J Pharm Sci, 72(3), 371-375.
  • Sigurdsson, S., & Gudbjarnason, S. (2007). Inhibition of acetylcholinesterase by extracts and constituents from Angelica archangelica and Geranium sylvaticum. Z Naturforsch C, 62(9-10), 689-693.
  • Sigurdsson, S., Ogmundsdottir, H. M., & Gudbjarnason, S. (2004). Antiproliferative effect of Angelica archangelica fruits. Z Naturforsch C, 59(7-8), 523-527.
  • Sigurdsson, S., Ogmundsdottir, H. M., Hallgrimsson, J., & Gudbjarnason, S. (2005). Antitumour activity of Angelica archangelica leaf extract. In Vivo, 19(1), 191-194.
 
Information zur Studie:
Studientitel
Effect of ferulic acid and Angelica archangelica extract on behavioral and psychological symptoms of dementia in frontotemporal lobar degeneration and dementia with Lewy bodies.
Autor
Kimura, T., Hayashida, H., Murata, M., & Takamatsu, J
Jahr
2011
Dauer
4 Monate
Durchfürendes Institut
Division of Clinical Research, National Hospital Organization Kikuchi Hospital, Kumamoto, Japan.
Auftraggeber
-
Studiendesign
Offene, unverblindete klinische Studie
Teilnehmerzahl
20 Patienten
Information zur Studie:
Studientitel
Evaluation of Antiseizure Activity of Essential Oil from Roots of Angelica archangelica Linn. in Mice.
Autor
Pathak, S., Wanjari, M. M., Jain, S. K., & Tripathi, M
Jahr
2010
Dauer
-
Durchfürendes Institut
Institute of Pharmacy, Bundelkhand University, India.
Auftraggeber
-
Studiendesign
Verschiedene Tierversuche mit Albino-Schweizer Mäusen
Teilnehmerzahl
Ca. 100 Mäuse unterteilt in unterschiedliche Gruppen
Information zur Studie:
Studientitel
Inhibition of acetylcholinesterase by extracts and constituents from Angelica archangelica and Geranium sylvaticum
Autor
Sigurdsson, S., & Gudbjarnason, S.
Jahr
2007
Dauer
-
Durchfürendes Institut
Science Institute, University of Iceland, Vatnsmyrarvegur 16, IS-101 Reykjavik, Iceland
Auftraggeber
-
Studiendesign
Labortechnische Untersuchung
Teilnehmerzahl
Keine Angaben möglich
Information zur Studie:
Studientitel
Antiproliferative effect of Angelica archangelica fruits.
Autor
Sigurdsson, S., Ogmundsdottir, H. M., & Gudbjarnason, S.
Jahr
2005
Dauer
-
Durchfürendes Institut
Science Institute, University of Iceland, Vatnsmyrarvegur 16, IS-101 Reykjavik, Iceland
Auftraggeber
-
Studiendesign
In-Vitro-Experimente mit Krebszellen
Teilnehmerzahl
Keine Angaben möglich
Information zur Studie:
Studientitel
Antitumour activity of Angelica archangelica leaf extract.
Autor
Sigurdsson, S., Ogmundsdottir, H. M., & Gudbjarnason, S.
Jahr
2005
Dauer
-
Durchfürendes Institut
Science Institute, University of Iceland, Vatnsmyrarvegur 16, IS-101 Reykjavik, Iceland
Auftraggeber
-
Studiendesign
In-Vitro mit Krebszellen und In-Vivo-Experimente mit Mäusen
Teilnehmerzahl
20 Mäuse