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Stärkt Purpursonnenhut die Abwehrkräfte?

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Geschrieben von Redaktion
Zuletzt aktualisiert am 18.09.2013

Purpursonnenhutextrakte stimulieren das Immunsystem! Echinacea purpurea stärkt Ihre Abwehrkräfte! Ob in der Werbung, der Apotheke oder im Internet, seit Jahren schon liest man allerorts viele solcher Sprüche. Neue Studien zeigen jedoch, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist.

Widersprüchliche Effekte

In frühen Forschungsarbeiten wurde beobachtet, dass Extrakte des Purpursonnenhutes die Aktivität bestimmter Abwehrzellen (Makrophagen) anheben können, die für das Beseitigen von Fremdkörpern und Erregern verantwortlich sind. Daneben fand sich auch eine vermehrte Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen (Zytokinen), mit welcher der Körper normalerweise auf eine Infektion reagiert. Gerade diese Studien schufen das heute nicht mehr totzukriegende Bild des „Immun-Boosters“.

Die Wirkungen der Pflanze sind aber um Einiges komplexer. So weiß man mittlerweile, dass die Effekte von vielen Faktoren abhängen, wie etwa der Art der Extrakte oder der Abwehrlage des Körpers. In Test mit isolierten Bestandteilen des Sonnenhuts zeigte sich, dass bestimmte Inhaltsstoffe zum Teil völlig gegenteilige Effekte auf das Immunsystem besitzen. Während gereinigte Zuckermoleküle (Polysaccharide) des Extraktes oben genannte Wirkungen produzieren, können die in der Pflanze enthaltenen Alkylamide wiederrum eine Vielzahl von Immunzellen hemmen.

Ähnliche Ergebnisse findet man bei Infektionen. Viren und Bakterien zum Beispiel führen durch ihre Präsenz im Organismus zu einer reaktiven Aktivierung der Makrophagen. Gibt man jetzt Purpursonnenhut hinzu, wird die Aktivität der Abwehrzellen wieder herunterreguliert. Dasselbe gilt auch für die Zytokine. Obwohl die Pflanze das Immunsystem stimulieren kann, scheint es die Entzündungsreaktion im Falle einer durch Erreger bedingten Aktivierung zu dämpfen. Die eigentliche Wirkung der Purpursonnenhutextrakte besteht also wahrscheinlich darin, ein aus den Rudern geratenes Abwehrsystem wieder zu normalisieren. Ein Grund, warum man Echinacea purpurea in der Wissenschaft heutzutage eher als immunmodulierende Pflanze betrachtet.

Extrakte zur Prophylaxe

Nach wie vor stellt sich aber die Frage, ob Purpursonnenhut mit seinen immunologischen Effekten den Menschen überhaupt wirksam vor Infektionen schützen kann. Mehrere Studien beschäftigten sich in den letzten Jahrzehnten mit eben diesem Thema. Eine deutsche Forschungsgruppe gab Anfang der Neunziger 108 Personen über acht Wochen lang einen Saft aus frischgepressten oberirdischen Teilen von Echinacea purpurea (Echinacin®) und verglich die Ergebnisse mit denen einer Placebogruppe. Einschlusskriterium für das Experiment war eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Erkältungen. Die Versuchsteilnehmer mussten im vorherigen Winter mindesten drei erkältungsähnliche Infektionen durchgemacht haben.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Während in der unbehandelten Gruppe nur jeder Vierte von einer Infektion verschont blieb, kamen mehr als ein Drittel der Echinacea-Patienten ohne Erkältung durch den Winter. Zudem waren die Infekte in der behandelten Gruppe im Schnitt weniger ausgeprägt und hielten nicht so lange an. Den größten Nutzen zeigten dabei Patienten, welche laut vorherigen Messungen Anzeichen eines geschwächten Immunsystems aufwiesen. Ein Hinweis darauf, dass Purpursonnenhut auch beim Menschen das körpereigene Abwehrsystem wieder auf Normalwerte stabilisieren kann. Insgesamt sammelten die Echinacea-Patienten nur 155 Krankheitstage, im Vergleich zu 279 Tagen in der Placebogruppe.

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Jeder 7. profitiert von Einnahme

Einen anderen Ansatz zur Erforschung der Wirkung wählte man an der Universität South Carolina. 50 freiwillige Teilnehmer wurden über zwei Wochen hinweg mit Echinacea-Extrakt behandelt und nach Abschluss dieser Prophylaxe mit einem Erkältungsvirus konfrontiert. Im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe erkrankten drei Personen weniger an Atemwegsinfekten, relativ gesehen sind das immerhin 13 Prozent. Auch wenn dieser Wert auf dem ersten Blick nicht hoch erscheint, hat er bezogen auf die Gesamtbevölkerung klinische Relevanz und entspricht in etwa der Risikosenkung etablierter Medikamente, wie den Antibiotika bei Mittelohrentzündungen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Wissenschaftler aus München. Über 12 Wochen hinweg gaben sie 302 gesunden Personen entweder ein wirkungsloses Placebo oder Wurzelextrakte aus Echinacea purpurea. Und auch hier zeigte sich: wer Echinacea einnahm, hatte ein um 20% geringeres Risiko, an einer Erkältung zu erkranken.

Es scheint, als würde der Purpursonnenhut zu Recht zur Vorbeugung von Infekten empfohlen. Noch ist nicht im Detail verstanden, wie die Pflanze auf molekularer Ebene wirkt. Trotzdem kann man schon heute durchaus eine Empfehlung für die Extrakte aussprechen. Denn auch wenn nicht jede Person von der Einnahme profitiert, haben die Studien eines gezeigt: die Pflanze ist frei von Nebenwirkungen.

Quellen:
  • Schöneberger, D. (1992).“Einfluß der immunstimulierenden Wirkung von Preßsaft aus Herba Echinaceae purpureae auf Verlauf und Schweregrad von Erkältungskrankheiten.“ Forum Immunologie 8:1-12.
  • Melchart, D., E. Walther, et al. (1998). "Echinacea root extracts for the prevention of upper respiratory tract infections: a double-blind, placebo-controlled randomized trial." Arch Fam Med 7(6): 541-545.
  • Barrett, B. (2003). "Medicinal properties of Echinacea: a critical review." Phytomedicine 10(1): 66-86.
 
Information zur Studie:
Studientitel
Medicinal properties of Echinacea: A critical review
Autor
B. Barrett
Jahr
2003
Dauer
5 Tage - 3 Monate
Durchfürendes Institut
Department of Family Medicine, University of Wisconsin Medical School, Madison WI, USA
Auftraggeber
-
Studiendesign
Meta-Analyse von 17 Studien
Teilnehmerzahl
2247 Patienten unterteilt in 43 Gruppen
Information zur Studie:
Studientitel
Echinacea root extracts for the prevention of upper respiratory tract infections: a double-blind, placebo-controlled randomized trial.
Autor
Melchart D, Walther E, Linde K, Brandmaier R, Lersch C.
Jahr
1998
Dauer
12 Wochen
Durchfürendes Institut
Center for Complementary Medicine Research, Technische Universität, München
Auftraggeber
-
Studiendesign
Randomisierte, doppelblinde Kontrollstudie
Teilnehmerzahl
302 Personen in drei Gruppen
Information zur Studie:
Studientitel
Einfluß der immunstimulierenden Wirkung von Preßsaft aus Herba Echinaceae purpureae auf Verlauf und Schweregrad von Erkältungskrankheiten
Autor
Schöneberger D
Jahr
1992
Dauer
8 Wochen
Durchfürendes Institut
Klinische Praxis, Dettelbach, Deutschland
Auftraggeber
Forum Immunologie
Studiendesign
Randomisierte, doppelblinde Kontrollstudie
Teilnehmerzahl
108 Patienten in zwei Gruppen