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Baldrian bei Zwangsstörungen

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Geschrieben von Redaktion
Zuletzt aktualisiert am 31.05.2013

Seit jeher schätzt man die Extrakte der Baldrianwurzel (Radix valerianae) aufgrund ihrer heilenden Wirkung bei Schlafschwierigkeiten, Angstzuständen und anderen seelischen Problemen. Auch in der heutigen Psychiatrie nutzt man die Pflanze alltäglich zur Linderung von Symptomen seelisch Erkrankter. Durch die laufenden Fortschritte in der Erforschung des Baldrians, finden sich hier immer wieder neue spannende Einsatzgebiete.

Iranische Wissenschaftler der Jundishapur University of Medical Science erprobten die Pflanze 2011 erstmals zur medikamentösen Behandlung von Personen, die unter Zwangsstörungen litten. Betroffene werden von einem ständigen inneren Drang gequält, bestimmte Dinge zu tun oder zu denken. Klassischerweise behandelt man die Betroffenen mit einer Kombination aus Gesprächstherapie und Medikamenten. Viele der Arzneimittel zeigen jedoch starke und für den einzelnen unerträgliche Nebenwirkungen, und werden nicht selten vom Patienten selbstständig abgesetzt.

Baldrian vs. Placebo

Um zu zeigen, dass der Baldrian eine echte Alternative zur Schuldmedizin darstellt, unterteilten die Forscher eine Reihe von Patienten mit Zwangsstörungen zufällig in zwei Gruppen. Eine Gruppe erhielt über die Dauer von acht Wochen dreimal täglich ein Präparat aus Baldrianwurzel-Extrakt, der anderen Gruppe gab man ein identisch aussehendes Placebo (Kontrollgruppe). Weder die Personen, die die Präparate verteilten, noch die Studienteilnehmer selber wussten, wer welchen Wirkstoff erhielt. Eine solche Studie nennt man eine doppel-blinde randomisierte (zufällige) Kontrollstudie. Sie gilt aufgrund ihres verdeckten Aufbaus als sicher von Ergebnisverzerrung durch z.B. Befangenheit und damit als besonders aussagekräftig.

Während der acht Wochen erhielten die beiden Gruppen mehrfach einen psychiatrischen Fragebogen, in dem sie ihre Symptome bewerteten. Die Gruppe, die Baldrianwurzel-Extrakt erhielt, zeigte bereits nach zwei Wochen Therapiedauer deutliche Besserungen in vielen Bereichen. Einige Personen berichteten, dass sie sie nicht mehr so angespannt im Alltag waren, andere, dass ihre Zwänge abnahmen und erträglicher wurden.

Große Wirkung – große Nebenwirkung?

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Trotz der relativ hohen eingenommen Dosis, klagte nicht ein Patient über unerwünschte Nebenwirkungen. Vor allem der Libido geht bei herkömmlicher Medikation häufig verloren und belastet somit zusätzlich die Partnerschaft. Bisher versuchte man bei starken Nebenwirkungen, die medikamentöse Therapie zum Teil durch Placebos zu ersetzen. Baldrian könnte gerade hier ansetzen, da er in richtiger Dosierung genauso frei von unerwünschten Effekten ist und dabei viel besser wirkt, als es ein Placebo je könnte.

Die Forschungsgruppe erlangte während ihrer Arbeit außerdem neue Erkenntnisse über das Entstehen von Zwangsstörungen im menschlichen Gehirn. Da die Wirkstoffe des Baldrianwurzel-Extraktes, wie aus vorherigen Studien bekannt, an sogenannten GABA - Rezeptoren wirken, und dem Patienten damit Linderung verschaffen, spielen diese Rezeptoren wahrscheinlich eine wichtige Rolle bei der Krankheitsgenese. Die iranischen Wissenschaftler empfahlen für ein tieferes Verständnis der Erkrankung weitere Studien mit Baldrian und ähnlich wirkenden Pflanzen durchzuführen.

Quellen:
  • Pakseresht, S., H. Boostani, et al. (2011). "Extract of valerian root (Valeriana officinalis L.) vs. placebo in treatment of obsessive-compulsive disorder: a randomized double-blind study."
 
Information zur Studie:
Studientitel
Extract of valerian root (Valeriana officinalis L.) vs. placebo in treatment of obsessive-compulsive disorder: a randomized double-blind study
Autor
S. Pakseresht, H. Boostani und M. Sayyah
Jahr
2012
Dauer
8 Wochen
Durchfürendes Institut
Jundishapur University of Medical Sciences, Iran.
Auftraggeber
-
Studiendesign
Randomisierte, doppel-blinde Studie
Teilnehmerzahl
31 Personen mit Zwangsstörungen