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Wie Pflanzenmedizin hergestellt wird

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Geschrieben von 2013-05-06
Zuletzt aktualisiert am 2013-08-0606.08.2013
Fotolia_©NiDerLander

Vom Wildgewächs zur Kräuterpille

Pflanzliche Wirkstoffe können nach der Erfüllung der Qualitätsstandards zu einfachen Zubereitungen verarbeitet werden:

  • geschnittene Arzneidroge zum Verkauf als Heilpflanzentee
  • Tinktur
  • Medizinwein
  • Öle (Johanniskrautöl, Arnikaöl zur Herstellung von Arnikasalben)

Doch die gefragteste Form der Weiterverarbeitung ist die „Kräutertablette“ - sprich, ein Fertigarzneimittel, das haltbar ist, dessen Wirkstoffgehalt definiert und kontrolliert ist. Fertigarzneimittel gibt es in Form von Tabletten, Dragees, Kapseln und flüssigen Lösungen. Eine ganz moderne Form ist das Pflaster zur Anwendung auf der Haut wie etwa das Cayennepfefferfrüchte-Extrakt Pflaster zur Anwendung bei Muskelverspannungen.

Auszug des Trockenextrakts

Damit aus einer Heilpflanze ein fertiges Medikament werden kann, wird zunächst ein Trockenextrakt hergestellt. Dies erfolgt mit einem Auszugsmittel aus den getrockneten pflanzlichen Wirkstoffen, also zum Beispiel den Baldrianwurzeln, Hopfenzapfen oder auch Melissenblättern. Dies wäre übrigens eine gute Kombination zur Schlafförderung. Die Trockenextrakte wiederum werden entweder einzeln oder zusammen weiterverarbeitet.

Für die Qualität des Trockenextrakts muss das Auszugsmittel kontrolliert werden, denn das Auszugsmittel bestimmt ganz grundlegend den Gehalt der Inhaltssstoffe im Trockenextrakt. Meist nimmt man Alkohol, der ein gutes Lösungsmittel ist. Daneben werden Methanol, Aceton, Ether und Kohlenwasserstoffe verwendet. Damit wird der Primärextrakt gewonnen. Durch Einengung entsteht ein Konzentrat, dabei wird auch das Lösungsmittel normalerweise wieder verdampft. In der Trocknung wird dem Extrakt dann das Lösungsmittel bis auf eine erlaubte Restmenge weiter entzogen, so dass keine schädlichen Rückstände verbleiben.

Wie kommt man nun zum Qualitätsmerkmal der reproduzierbaren Wirksamkeit, sprich, eine „Kräutertablette“ erzielt dieselbe Wirksamkeit wie die zweite oder die aus jeder anderen Packung? Bei pflanzlichen Arzneimitteln hat man es immer mit einem Gemisch vieler Inhaltsstoffe zu tun, wirksame und unwirksame und solche, von denen man vermutet, dass sie eine Wirkung mitbestimmen. Deshalb hat man folgende Verfahren entwickelt.

Standardisierung von Heilpflanzenextrakten

Standardisierung von Extrakten funktioniert bei Heilpflanzen, bei denen der wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoff voll bekannt ist. Dazu gehört Silymarin aus dem Mariendistelfrüchte-Extrakt, der bei Leberkrankheiten eingesetzt wird. Dabei werden dem Trockenextrakt Hilfsstoffe zugesetzt, bis der Silymarin-Gehalt einen festgelegten Wert erreicht hat - der Gehalt ist standardisiert.

Quantifizierung 

Quantifizierung von Extrakten erfolgt bei Heilpflanzen, bei denen mehrere die Wirkung mit-bestimmenden Inhaltsstoffe bekannt sind. Die meisten Heilpflanzen gehören dazu. Wie etwa die beliebten Kamillenblüten mit ihren Inhaltsstoffen alpha-Bisabolol und Chamazulen. Um den Inhaltsstoffgehalt konstant zu halten, mischt man verschiedene Mengen (Chargen) an Trockenextrakten aus unterschiedlichen Herstellungen bis die Gehaltmenge ungefähr gleich ist. Hilfsstoffe können dann fest zugegeben werden.

Herstellung von Spezial-Extrakten

Bei Spezial-Extrakten wie dem Ginkgo-Extrakt wird eine Anreicherung bestimmter Inhaltsstoffe gemacht wird, andere werden vom Ginkgo-Extrakt abgetrennt. Dann entspricht dieser Extrakt nicht mehr der Ausgangspflanze - man erzielt dadurch eine stärkere Wirkung.

Andere Extrakte sind zum Beispiel Baldrianwurzel-Extrakt, bei dem bislang keine wirksamen oder die Wirkung mitbestimmenden Inhaltsstoffe gefunden wurden. Baldrianwurzel-Extrakt wird anhand der Leitsubstanz Valerensäure eingestelltAndere Extrakte sind zum Beispiel Baldrianwurzel-Extrakt, bei dem bislang keine wirksamen oder die Wirkung mitbestimmenden Inhaltsstoffe gefunden wurden. Baldrianwurzel-Extrakt wird anhand der Leitsubstanz Valerensäure eingestellt.

Was ist das Droge-Extrakt-Verhältnis (DEV)?

Das Droge-Extrakt-Verhältnis ist eine wichtige Kennzahl, die das Mischverhältnis von Heilpflanze (Droge) und Trocken-Extrakt angibt. Ein DEV von 4:1 bedeutet dass aus 4 Teilen Ausgangsdroge 1 Teil Trockenextrakt entstanden sind. Je höher die erste Zahl ist, umso konzentrierter ist der Trockenextrakt - bei einem DEV von 20:1 hat man 20 Teile Ausgangsdroge eingesetzt, um 1 Teil Trockenextrakt zu gewinnen. Der DEV ist auf der Packung bei pflanzlichen Arzneimitteln angegeben. Je nach Ernte der Heilpflanzen wird das Droge-Extrakt-Verhältnis schwanken, um eine Arznei mit gleicher Wirkung herzustellen - klar, mal war das Jahr und der Boden günstiger, und der Wirkstoffgehalt somit hoch, dann kann der DEV niedriger ausfallen. Mal hat es viel geregnet und andere Faktoren machten die Ernte ungünstiger - der DEV muss höher ausfallen. Das gewährleistet, dass dieselbe Tagesdosis erreicht werden kann.

Warum die Extraktmenge so wichtig ist

Für die schlaffördernde Baldrianwurzel wird von Wissenschaftlern eine Tagesdosis von circa 3 Gramm getrocknete Baldrianwurzel definiert, um den Schlaf zu fördern. Nimmt man zu wenig, tritt vermutlich keine Wirkung ein. Allerdings sind in einer fertigen Kräutertablette nicht drei Gramm Baldrianwurzel-Extrakt enthalten, sondern wesentlich weniger. Warum? Die Ausgangsdroge wurde durch die Herstellung zum Trockenextrakt konzentriert. Das Verhältnis gibt der DEV von sagen wir 4:1 an. Vom Baldrianwurzel-Trockenextrakt braucht man dann bei einem DEV von 4:1 also nur ein Viertel der empfohlenen Baldrianwurzel-Tagesdosis. Ein Viertel von 3 Gramm Baldrianwurzel sind 0,75 Gramm Trockenextrakt als Tagesdosis. 

Droge-Extrakt-Verhältnis und Extraktmenge sind auf der Packung bei pflanzlichen Arzneimitteln angegeben. Für die Qualität ist es wesentlich, ein Fertigarzneimittel zu wählen, das ausreichend Extraktmenge enthält. Hierbei lässt man sich am besten vom Apotheker beraten.

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