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Kleine Geschichte der Pflanzenheilkunde

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Geschrieben von 2011-08-16
Zuletzt aktualisiert am 2018-06-1212.06.2018
Fotolia_©pgm

Heilkräuter: Helfer der Menschheit über Jahrhunderte

Weltweit finden sich in oft jahrtausendealten medizinischen Systemen Therapien mit Heilpflanzen, überliefert ebenso auf alten ägyptischen Papyrusrollen wie aus der tibetanischen, chinesischen und ayurvedischen Medizin. Schon im Gesetzbuch des Hammurabi, König in Babylonien ungefähr 1600 v. Chr., sind Anwendungshinweise für Heilpflanzen zu finden. Auch der legendäre griechische Arzt Hippokrates, der als Urvater unserer heutigen Medizin gilt, forderte dazu auf, von der Natur zu lernen und behandelte seine Patienten mit Heilpflanzen, frischer Luft und gesunder Ernährung. Griechen und Römer kamen bei der Ausbreitung ihrer Reiche mit zahlreichen Kulturen in Berührung und übernahmen deren Wissen über die heilenden Kräfte der Kräuter: Mongolische Heiler, keltische Druiden, die Weisen Frauen der Germanen – sie alle nutzten Pflanzen und ihre Heilkraft.

Zwischen Hexenwerk und Heilkunde 

Mit der Ausbreitung des Christentums kamen viele Errungenschaften der Kräutermedizin in Verruf, da sie oft mit heidnischen Ritualen verbunden waren und zu Teufelswerk erklärt wurden. Doch gerade die Klöster waren es dann, die das antike Wissen aufnahmen und weiter pflegten.

Walafried Strabo vom Benediktinerkloster Reichenau oder Hildegard von Bingen, ebenfalls Benediktinerin, wurden zu Wegbereitern der modernen Phytotherapie und hielten ihr Wissen in Aufzeichnungen fest, die teilweise auch heute noch Gültigkeit besitzen. Im Mittelalter wurde die Kirche für die Kräuterheilkunde dann aber zum größten Feind: Die Inquisition und die Hexenverfolgungen konzentrierten sich bald auf Frauen, die ohne Studium und offiziellen Segen heilten und pflegten.

Doch die Pflanzenheilkunde wurde auch von Ärzten, Apothekern und Chemikern unterstützt. Paracelsus (1493-1541), Arzt in Basel, stützte seine Erkenntnisse, die er in über 200 Schriften niederschrieb, auf Berichte von Kräuterweibern und andere Überlieferungen, aber auch auf eigene Experimente und Beobachtungen. Carl von Linné klassifizierte und systematisierte unermüdlich über 3000 Pflanzen und schuf mit seiner botanischen lateinischen Nomenklatur eine einheitliche Grundlage für Heilkundige.

Pflanzenheilkunde in der Neuzeit

Das 20. Jahrhundert mit seiner Industrialisierung und der schnellen Entwicklung chemischer Verfahren brachte einen gewaltigen Wandel im Bereich der Medizin mit sich: Die Wirkstoffe der Pflanzen konnten isoliert, bestimmt und synthetisiert werden. Morphin ersetzte das pflanzliche Opium und Acetylsalicylsäure (Aspirin) verdrängte die Weidenrinde. Die chemischen Substanzen sind billiger und leichter herzustellen und ihre Wirkung tritt oft schneller ein als die der pflanzlichen Alternativen. Doch mit Ende des 20. Jahrhunderts gewann die Phytotherapie wieder mehr an Bedeutung: Dr. Rudolf Fritz Weiß (1895-1991) machte seine Erfahrungen mit Arzneipflanzen in Kriegslazaretten publik und gilt als Wegbereiter der offiziellen Anerkennung der Phytotherapie.

Heute unterliegen Phytopharmaka den Anforderungen des Arzneimittelgesetzes wie synthetische Medikamente auch, denn dass Phytopharmaka ernstzunehmende Heilmittel sind, wurde anhand wissenschaftlicher Studien ausreichend nachgewiesen. Die speziell ins Leben gerufene Kommission E des ehemaligen Gesundheitsamtes überprüfte und beurteilte Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der pflanzlichen Arzneimittel. Inzwischen wurde die Kommission von anderen Gremien abgelöst.

Damit wird der Wert und die Wirksamkeit von Heilpflanzen gewürdigt und einer weitverbreiteten Fehleinschätzung in der Bevölkerung vorgebeugt: Pflanzliche Heilmittel sind zwar oft mit weniger Nebenwirkungen behaftet als chemische und behandeln den Körper schonend und mit natürlichen Wirkstoffen, aber absolut harmlos sind sie nicht. Die Wirkungen beruhen oft auf Stoffen, die bei falscher Anwendung oder Dosierung schädigend wirken können. Wie sagte Paracelsus? „Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“

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