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Pflanzliche Wirkstoffe bei Prostatabeschwerden

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Geschrieben von Matthias Bastigkeit , Fachdozent für Pharmakologie/Medizinjournalist
Zuletzt aktualisiert am 05.08.2014

Mit zunehmendem Alter wächst bei vielen Männern nicht nur der Bauchumfang, auch die Prostata schwillt an. Die Vorsteherdrüse hat normalerweise die Größe einer Kastanie und trägt zur Spermabildung bei. Da sie die Harnröhre umgibt, kann ihr Wachstum das Wasserlassen erschweren – ein Schicksal, das in Deutschland rund jeden fünften Mann über 55 Jahren ereilt. Die Medizin spricht in diesem Fall neuerdings vom Benignen Prostatasyndrom (BPS). Bislang war die Erkrankung als Hyperplasie (BPH) geläufig, noch früher als Prostataadenom (PA). Allerdings ist nur bei jedem Dritten das Prostata-Wachstum so dramatisch, dass es zu Beschwerden kommt.

Bei den Über-Achtzigjährigen ist übrigens sogar in 80 Prozent ein BPS nachweisbar. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DPU) empfiehlt, vor der konventionell medikamentösen Therapie von Prostatabeschwerden pflanzliche Präparate auszuprobieren.

Vor allem Extrakte aus Sägepalmfrüchten, Brennnesselwurzel, Kürbissamen und Roggenpollen sowie pflanzliche Kombinationspräparate können helfen, die Symptome zu lindern und sind so gut wie frei von Nebenwirkungen.

BPS, BPH, LUTS – was denn nun?

  • Patienten mit Symptomen des unteren Harntraktes, deren Beschwerden zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führen, werden als LUTS-Patienten bezeichnet (Lower Urinary Tract Symptoms).
  • Von einem BPS oder einer BPH sollte nur bei LUTS-Patienten gesprochen werden, deren Schwierigkeiten beim Wasserlassen mit der Prostata zusammenhängen
  • Mit dem Kürzel „pBPH“ wird eine pathologisch-histologisch gesicherte BPH bezeichnet.
Diese Heilpflanzen können helfen
Gerade in den Anfangsstadien spielt die die Phytotherapie traditionell eine herausragende Rolle. Folgende pflanzlichen Wirkstoffe sind wissenschaftlich gut untersucht und genießen bei Prostatabeschwerden das Vertrauen der Urologen: Sägepalmenfrüchte (Sabal serrula), Brennnesselwurzel (Urticaria spezies), Kürbissamen (Cucurbita pepo), Roggenpollen (Secale cereale), afrikanische Prunus-Rinde (Prunus africana), südafrikanisches Sternengras (Hypoxis rooperi, sogenannte Sitosterol-Präparate), Zitterpappel (Populus remula) und afrikanische Pflaume (Pygeum africana).
 
Brennnessel (Urticaria spezies)
Raubt Ihnen nächtlicher Harndrang den Schlaf, kann dies Körper und Psyche auf Dauer stark belasten. Die positive Wirkung der Brennnesselwurzel bei nächtlichem Wasserlassen (Nykturie) ist gesichert, aber auch bei einem schwachen Harnstrahl kann sie helfen. Allerdings ist die Datenlage bei Brennnessel-Monopräparate derzeit noch eher dünn.
 
Roggenpollen (Secale cereale)
Bei einer Prostataentzündung (abakterielle Prostatitis) sind Medikamente auf Basis von Roggenpollen ein probates Mittel – dies konnte durch mehrere Studien belegt werden. Die Pollen wirken antientzündlich und entstauend und können Beschwerden wie Schmerzen beim Wasserlassen, Druckempfindlichkeit der Prostata verringern und verminderten Harnabfluss deutlich mindern. Die Restharnmenge wird ebenso reduziert wie Irritationen beim Wasserlassen. Auch auf die Sexualfunktion sollen Roggenpollenextrakte positive Wirkungen haben. So konnte eine aktuelle Untersuchung, an der 34 urologische Zentren beteiligt waren, die Wirksamkeit eines überwiegend aus Roggenpollen bestehenden Extraktes (Cernilton ®) bei Patienten mit schmerzhaften Beckensymptomen nachweisen.
 
Kürbiskerne (Cucurbita pepo)
Kürbiskerne als pflanzlicher Wirkstoff stammen vom Gartenkürbis Cucurbita pepo, dessen vergleichsweise große Früchte in der Botanik kurioserweise als Beeren – und damit als Obst – betrachtet werden. Die Sachverständigenkommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt Kürbiskernextrakte bereits seit 1991 bei gutartigem Wachstum der Prostata in den Stadien I und II sowie bei Reizblase. Kürbissamen hemmen die Androgen- und Prostaglandinsynthese – und damit das Wachstum der Prostata. Die empfohlene Tagesdosis ist mit zehn Gramm im Vergleich zu anderen Arzneipflanzen-Dosen hoch. Auf dem Markt finden sich vor allem Kombinationspräparate mit Kürbiskernen, zur Behandlung von Prostatabeschwerden (BPH) werden sie auch mit Sabal-Extrakten kombiniert.
 
Sägepalmenfrüchte (Sabal serrula)
Die Sägepalme ist in den südatlantischen Staaten der USA heimisch. Ihre Früchte enthalten u.a. fette Öle und sogenannte Phytosterine (ß-Sitosterol und -glykoside). Diesen Inhaltsstoffen werden mehrere, einander ergänzende Wirkungen zugeschrieben: Sie hemmen das Prostatawachstum und fördern nebenbei auch den Abbau des dafür verantwortlichen Dihydrotestosteron. Zudem wird die Prostata-Muskulatur entspannt und so der Harnfluss erleichtert. Außerdem können Sägepalmenfrüchte entzündlich-irritative Veränderungen des Prostata-Gewebes lindern. Diese Wirkungen sind absolut gesichert: Wohl zu keinem anderen Prostata-Phytopharmakon liegen mehr medizinische Studien vor als zu reinem Sabalextrakt. Gerade in der Kombination mit Brennnesselextrakt (PRO 160/120, Prostagutt forte ®) sind Sägepalmenfrüchte laut der aktuellen Leitlinie der European Association of Urology (EAU) hochwirksam.
 
Cranberry (Vaccinum macrocarpon)
Schützend für die Blasengesundheit und therapeutisch wirksam ist auch die großfrüchtige Moosbeere, besser bekannt als Cranberry. Die Effekte ihrer Extrakte sind gut untersucht. Zuletzt tat dies eine tschechische Studie aus dem Jahr 2010, die der therapeutischen Rolle der Beeren bei Prostatabeschwerden auf den Kern fühlte. Die Forscher untersuchten den Einsatz von Cranberry-Extrakt bei älteren Männern mit Harnwegsproblemen und Prostataentzündungen. Nach sechs Monaten zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Symptome. Bevor wir aber eine Empfehlung auch zur Prophylaxe mit Cranberry aussprechen zu können, sind sicherlich noch größere Studien abzuwarten. Nebenwirkungen sind allerdings nicht zu befürchten, daher spricht auch für diesen Anwendungsfall nichts gegen den Wirkstoff.
 

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