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Tee oder Umschlag? Heilpflanzen richtig anwenden

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Geschrieben von 2012-05-02
Zuletzt aktualisiert am 2018-05-0707.05.2018
panthermedia_©elenathewise

Wenn wir heute an Traditionelle Medizin denken, verknüpfen wir diesen Gedanken häufig mit Traditioneller Chinesischer Medizin oder auch mit Ayurveda. Seltener verbinden wir diesen Gedanken mit unserem eigenen Erfahrungswissen aus Deutschland.

Dabei hat die Traditionelle Medizin hierzulande eine lange Tradition. Insbesondere in der Zeit vom 8. bis 13. Jahrhundert waren Mönche und Nonnen für die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Klöstern zuständig. Sie sammelten das Wissen der Griechen, Ägyptern, Kelten und der Germanen und dokumentierten es. Vor allem die Werke der Hildegard von Bingen sind bis heute bekannt. Aber auch viele andere Schriften behielten bis ins 19. Jahrhundert ihre Gültigkeit, obwohl die Medizin zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr ausschließlich in Klöstern praktiziert wurde.

Viele dieser Mittel wurden von der Volksheilsheilkunde übernommen und verankert und noch zu „Oma´s Zeiten“ praktiziert. Heute betrachtet man die Naturheilkunde oder Phytotherapie vorwiegend nach naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und das ist auch Sicht des Verbraucherschutzes auch gut so!

Kamille

Die Kamille ist eine uralte Heilpflanze, die schon von den alten Ägyptern verwendet wurde.

In alten Klostertexten heißt es über die Kamille: „Sie treibt den Harn und zerbricht die Blasensteine. Es beruhigt das Grimmen (grummeln im Bauch) und eine Aufblähung des Magen vertreibt man durch den Trunk… .“ Wie schon früher bei den Ägyptern und in den Klöstern Deutschlands werden auch heute die Blüten der Kamille medizinisch verwendet.

Als Tee sind die getrockneten Kamillenblüten vor allem bei Magenkrämpfen und bei Entzündungen im Magen-Darmbereich wirksam. Äußerlich z.B. durch Gurgeln oder Kompressen der Sud aus Kamillenblüten gut bei Haut- und Schleimhautentzündungen.

Der Tee, der innerlich und äußerlich angewendet werden kann, wird wie folgt zubereitet:

1 gehäufter Esslöffel (3 g) getrocknete Kamillenblüten wird mit heißem Wasser (150 ml) übergossen. Nach 5 bis 10 min. werden die Kamillenblüten durch ein Teesieb filtriert. Der Tee kann 3- bis 4-mal täglich getrunken werden.

Übrigens kann man mit dem abgekühlten Tee auch gurgeln oder mit einer sauberen, fusselfreien Kompresse eine entzündete Hautstelle oder Schleimhautstelle behandeln.

Brennnessel

Die häufig als lästiges Unkraut betrachtete Brennnessel ist eine Heilpflanze mit langer Tradition.

Früher hieß es über die Brennnessel: „Mit Wein eingenommen, hilft sie den Gelbsüchtigen. Ihr Samen, mit Honig gereicht, heilt an Bauchschmerzen Leidenden….“

Mit ihren Anwendungsbereichen lagen die Menschen früherer aus heutiger Sicht zwar nicht richtig. Aber tatsächlich werden von der Brennnessel auch heute noch die oberirdischen Pflanzenteile verwendet. Der Apotheker oder Arzt würde sagen: Brennnesselkraut mit –blättern.

Die Brennnessel wird also in der Volksmedizin gegen viele Krankheiten verwendet. Wirklich sicher hilft sie bei Harnwegsinfekten, Nierengrieß (das sind kleine Steinchen in den Nieren) und gegen Rheuma (das sind reißende und ziehende Schmerzen des Bewegungsapparates).

Wie wird das Brennnesselkraut mit –blättern nun angewendet? Am besten als Tee. 1 gehäufter Teelöffel (1,5 g) des getrockneten Brennnesselkrauts und –blätter wird mit einer großen Tasse Wasser (250 ml) angesetzt und erhitzt. Dann lässt man es 5 Minuten lang kochen und gießt den Sud durch ein Teesieb ab. Am besten morgens und abends je eine Tasse trinken.

Löwenzahn

War der Löwenzahn auf mittelalterlichen Frühlingswiesen Europa nicht da? Texte über den Löwenzahn aus dem Mittelalter in Deutschland fehlen ganz einfach. Später heißt es dann über den Löwenzahn, der auch Pfaffenröhrlein genannt wurde: „Pfaffenröhrlein gekocht und getrunken, stopfen den Bauchfluss. Mit Linsen gekocht und getrunken, sind sie gut denjenigen, die die rote Ruhr haben….“ Gegen derartig starken Durchfall hilft der Löwenzahn sicher nicht.

Oft werden medizinisch nur die Blätter des Löwenzahns eingesetzt. Man kann jedoch auch die Löwenzahnwurzel mit Kraut, also die ober- und unterirdische Pflanze, verwenden – so würde man es in der Apotheke bekommen. Für den Gebrauch Zuhause eignen sich die Blätter am Besten – man kann sie gut waschen und trocknen. Die übrigen Pflanzenteile hingegen nicht. Wirklich hilfreich ist der getrocknete Löwenzahn (all seine Bestandteile) zum Entwässern, gegen Völlegefühl und Blähungen.

Löwenzahntee wird folgendermaßen zubereitet: 2 Teelöffel getrockneter Löwenzahn (3 g) (entweder Löwenzahnwurzel mit -kraut (aus der Apotheke) oder Löwenzahnblätter (selber getrocknet) werden mit einer Tasse kaltem Wasser (150 ml) übergossen und kurz aufgekocht. Dann wird der Topf vom Herd genommen und der Tee wird 10 min. lang ziehen gelassen und dann durch ein Teesieb abgeseiht. Am besten wird der Topf zugedeckt, damit der Tee warm bleibt.

Spitzwegerich

Schon in der Antike wurde über den Spitzwegerich geschrieben. Im Mittelalter heißt es in Texten deutscher Klöster: Mit Honig vermischt, trocknet der (Spitz-) Wegerich nässende und reinigt eiternde Wunden. Mit Essig und Salz gekocht und gegessen, zähmt er übergroßen Durchfall“.

Darüber das der Spitzwegerich gegen Durchfall helfen soll, liegen heute keine Bestätigungen vor. Aber das Kraut des Spitzwegerichs ist tatsächlich hilfreich bei Entzündungen der Haut. Es können frisch aufgelegt und ständig gewechselt werden. Oder das Kraut kann als Tee zubereitet werden und eine saubere und fusselfreie Kompresse z.B. aus Leinen, wird auf die betroffene Stelle aufgelegt.

Der Spitzwegerich kann noch mehr! Die Blätter sind ein gutes Mittel gegen Reizhusten und gegen Entzündungen der Mundschleimhaut und der Rachenschleimhaut (Entzündungen im oberen Hals).

Der Tee wird folgendermaßen zubereitet: 2 gehäufte Teelöffel getrocknete Spitzwegerichblätter (1,5 g) werden mit einer Tasse (150 ml) übergossen. Den Sud 1 bis 2 Stunden! zugedeckt ziehen lassen, durchsieben und leicht erwärmen. Spitzwegerichblättertee kann mehrmals täglich getrunken werden.

Johanniskraut

Das Johanniskraut ist eng mit dem Christentum verbunden. Es erhielt seinen Namen nach Johannis dem Täufer.

Schon im Mittelalter hieß es über die Pflanze: „Das Kraut hat die Art, dass es das Herz stärkt und Leber und die Nieren reinigt und die Geschwüre heilt….“ Na ja, ganz ein ganz so umfassendes Allheilmittel ist das Johanniskraut nicht. Aber das Johanniskraut, dass heißt die oberen Bestandteile der Pflanze, helfen gut gegen Unruhe und Nervosität bis hinzu depressiven Verstimmungen.

Wenn man Johanniskrauttee anwenden möchte, muss man allerdings wissen, dass die Wirkung erst nach 2 bis 4 Wochen einsetzt, wenn man den Tee regelmäßig jeden Tag trinkt. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass sehr blasse Menschen kein Sonnenbad nehmen sollten, wenn sie Johanniskraut anwenden.

Der Tee wird wie folgt zubereitet: 2 gehäufte Teelöffel des getrockneten Johanniskrautes (2 bis 4 g) werden mit einer Tasse (150 ml) kaltem Wasser übergossen. Dann deckt man den Topf zu und lässt es 20 min. lang köcheln, wobei gelegentlich umgerührt wird. Dann wird das Kraut durch ein Teesieb abgeseiht. Der Tee sollte morgens und abends getrunken werden.

Sanddorn

Wo war der Sanddorn im Mittelalter, als Pflanzen wie die Kamille und noch früher das Johanniskraut zu Ruhm gelangten? Gefehlt hat der Strauch hier zu Lande nicht. Wahrscheinlich war sein Stellenwert als Lebensmittel ganz einfach größer als der seines arzneilichen Wertes.

So finden sich zahlreiche leckere alte Rezepte zur Herstellung von Sanddorngelee in alten Kochbüchern: „Verlese gut 200 g Sanddornfrüchte und lasse sie in Wasser kochen (300 ml), bis die Früchte platzen. Entferne den Topf von der Kochstelle bis der Mus erkaltet ist. Gebe dann Zucker (500 g Gelierzucker) hinzu und rühre es unter, lass es 3 Min. sprudelnd kochen und geben es durch ein Sieb in gesäuberte Gläser.“

Sanddornfrüchte sind prima, wenn es um die Vorbeugung von Erkältungskrankheiten geht. Sie sorgen für ein starkes Immunsystem. Wer die säuerlichen Früchte arzneilich einsetzen möchte, kann sich und seiner Familie auch einen Tee aus Sanddornfrüchten zubereiten. Setzen Sie 1 Teelöffel (1,5 bis 2 g) der Sanddornfrüchte mit 1 Tasse (150 ml) kalten Wassers an und bringen Sie die Mischung in einem Topf zum köcheln. Kappen Sie nach dem Aufkochen die Wärmezufuhr und lassen Sie den Tee 10 Minuten lang zudecket ziehen. Anschließend werden die Früchte abgesiebt. Trinken Sie täglich 2 bis 4 Tassen Sanddornfrüchtetee täglich.

Holunder

„Es sollte kein Wohnhaus geben“, schrieb einmal Sebastian Kneipp, „wo der Holunder nicht gleichsam als Hausgenosse in der Nähe wäre oder wieder in die Nöhe gezogen würde. Er ist so wertvoll als Hausapotheke.“ Tatsächlich zog der Mensch seit der Antike den schwarzen Holunder in seinen Bereich, wie Kneipp es viel später wieder aufmunternd fordernt. Holunder, ganz besonders die Holunderblüten, sind ein wunderbares Mittel bei Erkältungskrankheiten, besonders dann, wenn sie mit Fieber und Schüttelfrost verbunden ist.

Aus den frischen getrockneten Holunderblüten sollten besonders nach der Mittagszeit, täglich 1 bis 2 Tassen Holunderblütentee getrunken werden um die Erkältung wieder „in Griff zu bekommen“.

Sie können den Tee wie folgt zubereiten: Überbrühen Sie 2 bis 3 Teelöffel (3 bis 4 g) der Holunderblüten mit 1 Tasse (150 ml) kochend heißen Wassers. Lassen Sie den Tee 5 bis 10 Minuten ziehen, bevor Sie die Blüten absieben.

Quellen:
  • ADAC (Hrsg.): Das Grosse Handbuch Der Kloster-Heilkunde. München 2005
  • Aichele D., Golte-Bechtle M.: Was blüht denn da? 56. Auflage, Stuttgart 2005
  • Burger A., Wachter H.: Hunnius Pharmazeutisches Wörterbuch. 8. Auflage, Berlin, New York 1998
  • Engel H., Kürschner I.: Outdoor. Welver 2000
  • Jänicke C., Grünwald J., Brendler T.: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003
  • Kuntze H., Roeschmann G., Schwerdtfeger G.: Bodenkunde. 5. Auflage, Stuttgart 1994
  • Küttler T.: Kurzlehrbuch – Allgemeine Pharmakologie und Toxikologie. 18. Auflage, München – Jena 2002
  • Podlech D.: Heilpflanzen. 9. Auflage. München 1998
  • Polunin O., Stainton A.: Flowers of the Himalaya. Ninth impression 2008
  • Roberts F.W.: A Dictionary of Biology. New Delhi 2002
  • Schönfelder P, Schönfelder I. Der Kosmos-Heilpflanzenführer. Stuttgart 1988
  • Sebald O.: Wildpflanzen Mitteleuropas. München 1998
 

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