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Heilpflanzen sammeln: Wichtige Hinweise und Sammelkalender

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Geschrieben von 2012-05-02
Zuletzt aktualisiert am 2018-05-0707.05.2018
Fotolia_© Shestakoff

Heilpflanzen selber sammeln: Darauf müssen Sie achten

Beim Sammeln von Wildpflanzen ist einiges zu beachten, damit am Ende auch die richtigen Exemplare im Sammelkorb landen. Die besten Heilpflanzen sind nämlich immer noch jene, die gesund machen - und einem nicht den Magen verderben. Wenn Sie sich auf ihrer nächsten Sammeltour an den folgenden Wegweiser halten, kann aber nichts mehr schiefgehen!

  • 1
    Grundsätzlich sollte man darauf achten, nur jene Pflanzen einzusammeln, die man kennt. Hier hilft ein Bestimmungsbuch oder eine entsprechende Smartphone-App.
  • 2
    Stark umweltbelastete Standorte wie Straßenränder und häufig besuchte Parks zum Sammeln meiden.
  • 3
    Es sollten grundsätzlich nur gesunde Pflanzen verwendet werden. Im Zweifel lässt man das Gewächs lieber stehen, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.
  • 4
    Bei Pflanzen, die roh verzehrt werden, besteht die Gefahr des Fuchsbandwurmes. Unbedingt gut waschen – im Zweifelsfall besser auf Verzehr verzichten.
  • 5
    Gesammelte Pflanzen möglichst frisch verwenden, um die Vitamine zu nutzen und die Aromen zu bewahren.
  • 6
    In den meisten Fällen sind junge Pflanzen zu bevorzugen. Ältere Pflanzen schmecken häufig bitter oder sind hart.
  • 7
    Beim Sammeln die Regeln des Naturschutzes einzuhalten. Blüten und Samen dienen der Fortpflanzung der Pflanzen Größere Mengen sollten nur in Ausnahmefällen geerntet werden.

Fundort Wald und Wiese

Jede Heilpflanze hat ihre Eigenarten, besitzt ein besonderes Erscheinungsbild, hat eigene botanische Merkmale. Je nach Gattung und Familie können sich Pflanzenarten sehr ähnlich sehen. Wichtiges Erkennungsmerkmal einer Pflanze sind Farbe und Form ihrer Blüten. Oft genügt die Blüte allein jedoch nicht, um eine Pflanze sicher im Freiland zu bestimmen. Blätter, aber auch der Stängel liefern weitere Hinweise zur Identifikation der Art.

Selbstverständlich kann viel über Wildpflanzen aus Büchern gelernt werden und theoretische Grundlagenkenntnisse sind für den Umgang mit Wildpflanzen unverzichtbar. Theorie alleine reicht jedoch nicht aus, um Wildpflanzen in der Küche praktisch einzusetzen oder sie als Heilpflanzen anzuwenden.

Es ist sinnvoll die Pflanze auch in ihrem natürlichen Lebensraum (Habitat) zu kennen, denn Fotos zeigen meist nur ausgewählte Pflanzen. Tatsächlich kann eine Pflanze in der Wildnis immer etwas unterschiedlich aussehen. Schließlich ist auch jede Pflanze für sich ein Individuum. Auch die Ernte von Wildpflanzen, ihre Weiterverarbeitung und evtl. Trocknung, sowie Lagerung bedarf praktischer Anleitung und etwas Übung.

Willkommen in der Pflanzenapotheke!

Unsere Natur ist im wahrsten Sinne des Wortes ein pflanzlicher Medizinschrank. Man muss ihn nur zu öffnen wissen. Für den Einstieg haben wir eine Auswahl von sieben Heilpflanzen getroffen, die insgesamt ein sehr breites Anwendungsspektrum ermöglichen. Die Pflanzen sind fast überall in Deutschland zu finden. 

Brennnessel – Urtica diocia

Familie: Brennnesselgewächse

Verwendete Pflanzenteile: Kraut, Blätter, Wurzel

Inhaltsstoffe der Brennnessel:

  • Flavonoide: besonders Rutin,
  • Mineralsalze: z.B. Calcium- und Kaliumsalze,
  • Caffeolychinasäure

Wirkungen des Brennnesselkrauts und Brennnesselblätter:

  • Entwässernd und durchspülend bei entzündlichen Harnwegserkrankungen
  • Vorbeugend gegenüber Nierengrieß
  • Bei entzündeten Gelenken

Wirkungen der Brennnesselwurzel:  

  • Bei Schmerzen beim Wasserlassen aufgrund vergrößerter Prostata

Unerwünschte Wirkungen:

  • Magen-Darmbeschwerden (selten)
  • Allergische Reaktionen

Pflanzenmerkmale:

  • Höhe: 30 cm – 1,5 m
  • Blüte: Männliche und weibliche Blütenstände auf verschiedenen Individuen; männliche: schräg-waagrecht gerichtete Rispen; weibliche: nach Befruchtung 3-8 cm lange, hängende Rispen
  • Blätter: gegenständig, eiförmig-spitz, gesägt
  • Stängel: mit Brennhaaren und anderen Haaren
  • Blütezeit: Juni bis Oktober

Lebensraum/ Habitat: Auf Ödland, an Waldrändern, Wegrändern und Lichtungen, auf stickstoffreichen, basenhaltigen Böden

Löwenzahn – Taraxacum officinale

Familie: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Verwendete Pflanzenteile: Wurzel mit Kraut

Inhaltsstoffe der Löwenzahnwurzel mit -kraut:

  • Bitterstoffe
  • Flavonoide

Wirkungen der Löwenzahnwurzel mit -kraut:

  • Zur Appetitanregung
  • Bei Magen-Darmbeschwerden
  • Als galletreibendes Mittel
  • Zum Durchspülen der Harnwege
  • Gegen trockene Haut

Unerwünschte Wirkungen:  

  • Magen-Darmbeschwerden (selten)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Korbblütler und/ oder den frischen Milchsaft
  • Vorsicht bei Gallenleiden
  • Nicht anwenden bei Verschluss oder Eiteransammlungen der Gallenwege und bei Darmverschluss

Pflanzenmerkmale:

  • Höhe: 10-30 cm
  • Blüte: große, gelbe Blüte einseitig mit fünfzähniger Zunge verlängert, einzeln; Köpfchen von Hüllblättern umgeben
  • Blätter: grundständige Rosette, tief eingeschnit¬ten mit dreieckigen, nach rückwärts gerichtete Lappen
  • Stängel: aus Rosette entspringend, einzeln, hohl und kahl
  • Blütezeit: April bis Juli

Lebensraum/ Habitat: In ganz Europa verbreitet, vor allem auf Wiesen und Äckern

Kamille – Matricaria chamomilla

Familie: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Verwendete Pflanzenteile: Blüten

Inhaltsstoffe der Kamillenblüten:

  • Ätherische Öle
  • Flavone
  • Cumarine

Wirkungen der Kamillenblüten - innerlich:

  • Bei entzündlichen Atemwegserkrankungen
  • Gegen krampfartige Magen-Darmbeschwerden
  • Bei Entzündungen im Magen-Darmbereich

Wirkungen der Kamillenblüten - äußerlich:

  • Gegen Entzündungen der Haut und Schleimhäute
  • Bei entzündetem Zahnfleisch und der Mundhöhle
  • Bei Erkrankungen des Unterleibes
  • Bei Entzündungen im Analbereich

Unerwünschte Wirkungen:

  • Möglicherweise Einfluss auf die Wirksamkeit anderer Arzneimittel
  • Vorsicht bei Allergien gegen Korbblütengewächse

Pflanzenmerkmale:

  • Höhe: 15 – 50 cm
  • Blüte: Körbchen in mäßig lockerer Rispe; außen weiße Zungenblüten, innen gelbe Röhrenblüten
  • Blätter: 2-fachgefiedert
  • Blütezeit: Mai bis September

Lebensraum/ Habitat: Auf Äckern, Brachen, Ödland und an Wegrändern, auf kalkarmen, jedoch basen- und stickstoffhaltigen Lehmböden

Achtung:Die Echte Kamille erkennen am ihrem typischen Kamillenduft. Es gibt auch die Falsche Kamille. Sie hat keinen Duft!

Johanniskraut – Hypericum perforatum

Familie: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Verwendete Pflanzenteile: Kraut

Inhaltsstoffe  des Johanniskrauts:

  • Anthracenderivate: vor allem Hypericin und Pseudohypericin
  • Flavonoide
  • Xanthone
  • Ätherische Öle
  • Gerbstoffe

Wirkungen des Johanniskrauts:

  • Gegen nervöse Unruhe
  • Bei depressiven Verstimmungen
  • Bei Angst

Unerwünschte Wirkungen:

  • Erhöhte Hautempfindlichkeit bei hellhäutigen Personen gegenüber UV-Strahlen
  • Magen-Darmbeschwerden (selten)
  • Nicht anwenden bei bekannter Lichtüberempfindlichkeit und
  • Kindern unter 12 Jahren

Pflanzenmerkmale:

  • Höhe: 30 – 80 cm
  • Blüte: zahlreich und gelb, in lockerer, pyramidenförmiger Rispe
  • Blätter: durchscheinend punktiert und oft mit schwarzen Drüsen unterseits am Rand oder auf der Spreite
  • Stängel: mit 2 Längskanten
  • Blütezeit: Juni bis September

Lebensraum/ Habitat: In Wäldern, an Waldrändern, in Gebüschen, an Wegen und auf Schotter, weit verbreitet und ohne besondere Bodenansprüche

Sammelkalender

Erntezeiten und essbare Pflanzenteile
Pflanze April Mai Juni Juli August September
Brennnessel (Urtica dioica) Blätter, Kraut Blätter, Kraut, Wurzel Blätter, Kraut, Wurzel Wurzel    
Holunder (Sambucus nigra)   Blüten Blüten Blüten Blüten  
Johanniskraut (Hypericum perforatum)     Blüten Blüten Blüten  
Kamille (Matricaria recutitam)     Blüten Blüten Blüten  
Löwenzahn (Taraxacum officinale) Blätter Kaut Wurzel- mit -kraut Wurzel mit Kraut Wurzel mit Kraut Wurzel mit Kraut
Sanddorn (Hippophae rhamnoides)           Früchte
Spitzwegerich (Plantago lanceolata)     Kraut Kraut Kraut Kraut

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