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Endlich entschlüsselt: Die wundheilende Wirkung der Birkenrinde

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Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 22.07.2017

Die Geschichte der Birke als Heilpflanze geht weit zurück: Schon die Ureinwohner Nordamerikas versorgten ihre Wunden mit Wickeln aus Birkenrinde. Im 18. Jahrhundert konnte der Chemiker Johan Tobias Lowitz erstmals den Hauptwirkstoff der weißen Birkenrinde – das Betulin – extrahieren und beschreiben. Seitdem wurde hartnäckig am Extrakt der Birke geforscht und tatsächlich konnte in zahlreichen Studien die antientzündliche, antimikrobielle, antivirale und wundheilende Wirkung nachgewiesen werden. In der Apotheke gibt es mittlerweile Emulsionen aus Birkenextrakt zu kaufen. Doch der genaue Mechanismus war lange unbekannt – bis jetzt.

Wundheilung Schritt für Schritt

Wunden sind uns ein ständiger Begleiter. Zum Glück sind sie meist harmlos, dafür sorgt unser Organismus. Um schädlichen Eindringlingen wie Bakterien, Viren oder Pilzen sofort die Eintrittspforte zu verschließen, besitzt der Körper ein ausgeklügeltes System der Wundheilung.

In den ersten vier Tagen, der sogenannten Exsudationsphase, füllt die austretende Lymphe und das Blut die Wunde auf, der "Blutkleber" Fibrin verschließt sie, Keime und abgestorbene Zellen werden durch Entzündungszellen vernichtet. Danach, in der Proliferationsphase, wandern aus dem gesunden Gewebe Bindegewebszellen ein, die aus Kollagen eine festes Gewebegerüst bilden und sich anschließend zu einer Mischung aus Bindgewebs- und Muskelzellen umwandeln und die Wunde zusammenziehen. In der letzten Phase, der Regenerationsphase, wachsen über das Bindegewebe von außen wieder Hautzellen.

Meist schafft es der Körper allein, durch diese Mechanismen die Wunde erfolgreich zu verschließen. Doch manchmal, wie bei Verbrennungen oder Hauttransplantationen, ist ein wenig Hilfe vonnöten. Auch gibt es Erkrankungen wie Diabetes oder Arteriosklerose bei denen die Wundheilung nicht korrekt abläuft, sodass Wunden über Monate bestehen können – eine Einladung für gefährliche Keime. Deshalb sollten solche Wunden korrekt versorgt und die Wundheilung unterstützt werden.

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So hilft die Birke

Forscher vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg konnten nun zusammen mit anderen Wissenschaftlern einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der heilenden Wirkung der Birkenrinde leisten.

Sie fanden heraus, dass der Pflanzenextrakt scheinbar an zwei Punkten der Wundheilung eingreift: Zum einen scheint er in der ersten Phase die Spiegel die Entzündung weiter zu steigern, indem mehr Botenstoffe und Enzyme gebildet werden. Zum anderen aktiviert der Extrakt zelluläre Strukturproteine (Aktine), wodurch die Beweglichkeit der Hautzellen, die in der dritten Phase der Heilung über das Bindegewebe wachsen, gesteigert wird.

Quellen: