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Vegetarismus als Therapie? Der Vegmed-Kongress informiert.

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Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 07.10.2017

Am 17. November findet zum zweiten Mal der Vegmed-Kongress statt. In Berlin geht es dann voll und ganz um vegetarische Ernährung, die hierzulande immer beliebter wird, aber in der medizinischen Praxis noch ihren Platz sucht. Fakt ist: Vegetarismus senkt das Risiko für Volkskrankheiten wie Diabetes und Herzinfarkt. Doch bislang profitieren zu wenig Menschen davon.

Vegetarische Ernährung liegt im Trend: Der Anteil an Vegetariern hat sich in den letzten 20 Jahren verzehnfacht. „Nach unterschiedlichen Schätzungen ernähren sich heute 7 Millionen Deutsche vegetarisch. Das sind fast zehn Prozent der Bevölkerung“, erklärt Dr. med. Christian Kessler, Vegetarismus-Experte und Organisator des diesjährigen Vegmed-Kongresses. Hinzukommen rund 800.000 Veganer, die nicht nur auf Fleisch sondern komplett auf alle tierhaltigen Produkte verzichten. Doch woher kommt diese Entwicklung? Religiöse Überzeugungen, die beispielsweise in Indien die vegetarische Ernährung populär machen, spielen hierzulande keine große Rolle. „Vielmehr verzichten Deutsche auf Fleisch, um damit gegen Massentierhaltung und übermäßigen Fleischkonsum zu protestieren. Vegetarier zu sein kostet im Endeffekt auch weniger. Und es geht natürlich um eine gesunde und ausgewogene Ernährung“, so Kessler.

Positive Wirkungen auf Krankheiten

Doch ist Vegetarismus wirklich gesund oder enthält man dem Körper durch den Fleischverzicht wichtige Nährstoffe vor? Kessler beruhigt: „Eine ausgewogene vegetarische Ernährungsweise ist nicht ungesund, sondern bietet im Gegenteil viele gesundheitliche Vorteile. Beispielsweise leiden Vegetarier seltener an Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen. Der Grund liegt in der Ernährung: Sie nehmen weniger gesättigte Fette und Cholesterin auf, dafür mehr Ballaststoffe, Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe.“ Weitere positive Effekte konnten bei Demenz, rheumatoider Arthritis, Divertikulose, Osteoporose sowie bei Gallen- und Nierensteinen beobachtet werden. Auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 und Eisen sollte dennoch geachtet werden, aber nur in sehr seltenen Fällen können Mangelerscheinungen auftreten.

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Vegetarische Ernährung als Therapiekonzept?

Durch die positiven Wirkungen werden die gesundheitsfördernden Effekte von vegetarischer Ernährung auch in medizinischer Hinsicht immer interessanter. Vielleicht eignet sich eine vegetarische Ernährungsweise gar zur ergänzenden Behandlung von Krankheiten? Diese und andere Themen werden im November auf dem zweiten Vegmed-Kongress in Berlin diskutiert. Der Kongress wurde vor einem Jahr ins Leben gerufen, um die vegetarische Ernährung unter Ärzten bekannter zu machen. „Bisher besteht leider eine große Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis“, mahnt Kessler. „Angehende Ärzte lernen im Medizinstudium fast nichts über vegetarische Ernährungsformen und im Berufsleben sind sie zu schlecht mit Ernährungsberatern vernetzt. Das wollen wir ändern.“ Auch in diesem Jahr ist der Kongress ausgebucht. Die Teilnehmer erwartet unter anderem ein Vortragsprogramm von führenden Experten aus der Ernährungsforschung zu Themen wie „Vegetarische Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit“, „Nahrungsmittelunverträglichkeiten begegnen“ und „Wie helfe ich Patienten, ihre Nahrungsgewohnheiten zu ändern“. Abgerundet wird der Kongress durch ein rein pflanzliches Gourmet-Buffet, zubereitet vom Star-Koch Volker Mehl.

Quellen:
  • Interview mit Dr. med. Christian Kessler, Experte für Traditionelle Indische Medizin und Ayurveda sowie studierter Indologe (M.A.). 20.09.2013
  • Pressemitteilung: VegMed 2013: Vegetarische Konzepte medizinisch nutzen. Charité Hochschulambulanz für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin. 2013