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Spitzwegerich ist Arzneipflanze des Jahres 2014

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Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 30.10.2017

Er hilft bei Husten und Insektenstichen, doch ist nahezu unbekannt in der Bevölkerung: Der Spitzwegerich. Dem will die Universität Würzburg entgegenwirken. Mit der Auszeichnung „Arzneipflanze des Jahres“ soll an das Potential der Pflanzenheilkunde erinnert und weniger bekannte Heilpflanzen vorgestellt werden.

Die kalte Jahreszeit hält Einzug und man hört es überall schniefen und husten. Erkältungserreger breiten sich aus und greifen die Atemwege an. Statt gleich zu Antibiotika zu greifen, sollte man es mal mit Spitzwegerich ausprobieren. Die traditionelle Naturheilpflanze wurde jüngst von der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2014 gewählt. Ihren Namen verdankt die Pflanze den langen, spitz zulaufenden Blättern. Sie wächst hierzulande vor allem am Wegrand und auf Wiesen. Die Experten begründeten ihre Auswahl damit, dass der Spitzwegerich einerseits eine überzeugende Heilkraft besitze und andererseits in weiten Teilen der Bevölkerung noch unbekannt sei, obwohl er schon seit Jahrtausenden in der Heilkunde verwendet werde. „Von der Antike bis in die frühe Neuzeit hinein gehörte er zu den wichtigsten Arzneipflanzen. So wird er sogar in den Dramen Shakespeares mehrfach als Mittel gegen äußerliche Verletzungen erwähnt“, erklärt der Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfried Mayer aus der Auswahlkommission der Universität.

Hilfe bei Husten und Insektenstichen

Der Spitzwegerich hilft besonders bei Atemwegserkrankungen, die mit Husten, Halsschmerzen und Schnupfen einhergehen. „Die schmalen, länglichen Blätter des Spitzwegerichs bestehen aus Iridoidglykosiden, die eine antibakterielle Wirkung besitzen, sowie aus Schleimstoffen (Polysaccharide), die reizlindernde Effekte zeigen. Sie bilden einen Schutzfilm über die gereizten Schleimhäute im Mund- und Rachenraum. Zudem haben die Blätter einen hohen Anteil an Gerbstoffen, die zusammenziehend und blutstillend wirken und die angegriffenen Schleimhäute stabilisieren,“ sagt Mayer. Aus diesem Grund lasse sich Spitzwegerich auch bei Insektenstichen und kleineren Wunden einsetzen. Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Saponin, Kaffeesäurederivate, Kieselsäure und Mineralstoffe wie Zink und Kalium.

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Anwendung als Tee und auf der Haut

Die Anwendung der Heilpflanze bei Husten ist denkbar einfach: „Man kann einen Tee zubereiten, indem man zwei gehäufte Teelöffel Spitzwegerichblätter in eine Tasse kaltes Wasser gibt, ein bis zwei Stunden ziehen lässt und dann abseiht. Den Sud leicht erwärmen und langsam trinken, wobei man den Mund gut durchspülen sollte. Spitzwegerich kann aber auch als Sirup eingenommen werden, zudem stehen auch Fertigpräparate zur Verfügung“, rät der Experte. Bei Wunden und Insektenstichen genügt es, die Spitzwegerichblätter kurz zu kauen und dann auf die entzündete Stelle zu legen.

Quellen:
  • Interview mit Dr. Johannes Gottfried Mayer, Forschergruppe Klostermedizin GmbH des Instituts für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg. Berlin, 15.10.2013.
  • Wiesenauer et al. PhytoPraxis (2008). Springer Verlag