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Neuartige Creme verhindert Schmerzen nach Sonnenbrand

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Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 19.08.2017

Warum der Körper auf zu viel Sonnenstrahlung mit einem Sonnenbrand reagiert – und wie das ganze funktioniert – ist auch heute nicht genau verstanden. US-Wissenschaftler sind dem Rätsel nun ein Stück näher gekommen und konnten einen Zellkanal identifizieren, der eine wichtige Rolle in der Entstehung eines Sonnenbrandes spielt. Sie blockierten ihn und konnten dadurch die durch den Sonnenbrand verursachten Schmerzen und Hautschäden reduzieren.

Der Sommer zeigt sich dieses Jahr von seiner schönsten Seite: viele heiße Tage und Sonne satt. Das macht unserer Haut ziemlich zu schaffen, ist der deutsche Durchschnittshauttyp doch nur an leichte bis mittlere Sonnenstrahlung gewöhnt. Zum Schutz gibt es Sonnencremes unterschiedlicher Stärke, doch selbst damit kann man einen Sonnenbrand nicht immer verhindern. Einige Stunden nach dem Sonnenbad zeigt er sich auf der Haut durch knallrote Verfärbungen, die mitunter jucken, sehr empfindlich sind und unangenehm schmerzen. Bis zum Abklingen vergehen meist 24 Stunden. Häufige Sonnenbrände führen oft zu chronischen Hautschäden wie vorzeitiger Hautalterung und Hautkrebs. Im Allgemeinen entsteht ein Sonnenbrand durch die im Sonnenlicht enthaltene ultraviolette Strahlung, auch UV-Strahlung genannt. Das hochenergetische Licht dringt in die Haut ein und schädigt die Zellen. Ist der körpereigene Schutz aufgebraucht, reagiert die Haut mit einer Entzündungsreaktion, die zu den beschriebenen Symptomen führt.

Ionenkanal löst Schmerzkaskade aus

Amerikanischen Forschern ist es nun gelungen, eine Creme zu entwickeln, die die Entzündungsreaktion unterdrückt und damit die Schmerzen und Hautschäden nach einem Sonnenbrand lindern kann. Die Wissenschaftler um Wolfgang Liedtke von der Duke University setzen mit der Creme einen ganz bestimmten Ionenkanal außer Kraft, der für die Schmerzentstehung eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Der Kanal mit dem Namen TRPV4 wird durch UV-Strahlung aktiviert und lässt positiv geladene Ionen wie Kalzium oder Kalium ins Innere der Hautzellen fließen. Dadurch wird eine Signalkaskade ausgelöst, an deren Ende unter anderem das Molekül Endothelin-1 entsteht. Das Protein hat zwei Wirkungen: Einerseits verstärkt es den Ionen-Einstrom in die Zellen und damit seine eigene Produktion, andererseits löst es den typischen Schmerz und Juckreiz beim Sonnenbrand aus.

Neuartiger Wirkstoff verhindert Schmerzentstehung

Um den Kanal zu blockieren, bedienten sich die Forscher eines bestimmten Wirkstoffes namens GSK205, der den Ionen-Einstrom in den Kanal TRPV4 hemmt. Sie integrierten den Wirkstoff in eine Hautcreme und testeten sie an rund 50 Labormäusen, die an ihren Pfoten starker UV-Strahlung ausgesetzt waren. Der einen Hälfte cremten sie die Pfoten ein, die andere Hälfte musste ungeschützt in die künstliche Sonne. Die Creme zeigte Wirkung: Sie schützte die Mäuse effektiv vor einem Sonnenbrand und den daraus resultierenden Hautschäden. In Zellexperimenten konnten die Forscher bestätigen, dass dies am reduzierten Ionen-Einstrom in die Hautzellen lag.

Vorteil: Weniger Hautschäden nach Sonnenbrand

Kommt die Creme einmal auf den Markt, könnte sie einen entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Sonnencremes haben: Sie würde neben den Schmerzen auch die Hautschäden, die durch den Sonnenbrand ausgelöst werden, verhindern. Dazu gehören akute, aber auch chronische Schäden wie Hautkrebs und Hautalterung. Bis zur Marktreife dieser neuartigen Sonnencreme dürften jedoch noch einige Jahre vergehen.

 

Quellen:
  • Moore et al. UVB radiation generates sunburn pain and affects skin by activating epidermal TRPV4 ion channels and triggering endothelin-1 signaling. Published online before print August 8, 2013, doi: 10.1073/pnas.1312933110 PNAS August 8, 2013