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Phytamine – was ist drin in Lebensmitteln, Gewürzen und in der Nahrungsergänzung?

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Geschrieben von Morgana Hack , Ärztin und Ayurvedaärztin
Zuletzt aktualisiert am 08.09.2017

Dass Nahrungsmittel viel mehr können als uns mit Energie zu versorgen, ist ein immer populäreres Thema. Übers Kalorienzählen und mühsame Abwägen vom richtigen Verhältnis von Kohlehydraten, Fetten und Eiweißen hinaus sind in letzter Zeit häufiger Schlagwörter wie „Phytamine“ und „Phytoöstrogene“ aufgetaucht. Ihnen werden allerhand Gesundheitsversprechen angedichtet. Doch wie wirken sie wirklich?

 

Gewürze, Knoblauch, Tee, Obst, Gemüse und Sojaprodukte sind Nahrungsmittel, die ganz allgemein als zuträglich für unseren Körper und unsere Gesundheit gesehen werden. Sie versprechen Schutz vor Magen-Darmkrankheiten, Herz- und Kreislauferkrankungen, Rheuma, Krebs, Wechseljahresbeschwerden und auch vor dem Altern. Die Lebensmittel sollen unser Immunsystem stärken und auch den ominösen Säure-Basen-Haushalt ins Gleichgewicht bringen. Die Gewürzküche liegt im Trend und der Boom um Nahrungsergänzungsmittel ist nicht zu stoppen.

 

Doch sollte man als Verbraucher stets kritisch hinterfragen was denn wirklich drinsteckt in all den bunten Kapseln, „Superfoods“ und exotischen Früchten und Gewürzen, die man uns in den blumigsten Heil- und Gesundheitsversprechen anpreist.

 

...was sind denn nun Phytamine?

„Phytamine“, das ist ist ein Sammelbegriff für alle Inhaltsstoffe in pflanzlicher Nahrung, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird. Dabei gehören sie ganz unterschiedlichen Wirkstoffgruppen an. Es sind sekundäre Pflanzenstoffe, wie sie nicht nur in den klassischen Heilpflanzen zu finden sind, sondern auch in solchen Pflanzen, die normalerweise unserer (gesunden) Ernährung dienen.

 

Jeden Tag nehmen wir Phytamine zu uns. Wer sich bewusst gesund ernährt, der greift ganz gezielt zu: Gesunde Gewürze landen im Thai-Tofu-Curry, dazu wird grüner Tee gereicht. Das abendliche Glas Rotwein oder sogar unser Weihnachtsgebäck werden zu Medizin verklärt. Phytamine bekommt man in Form von Kapseln, Tabletten, Pulver oder Tropfen, die jedoch nicht als pflanzliches Arzneimittel zugelassen sind, sondern als sogenannte Nahrungsergänzungsmittel. Das sind zum Beispiel Acerolapulver, Leinsamenextrakt, Perillaölkapseln oder Vitaminpräparate.

 

Der Begriff Nahrungsergänzungsmittel kann verwirren, suggeriert er doch erst einmal, dem Körper werde etwas gegeben, das ihm im Essen sonst fehle. Die Verpackungen erinnern an Arzneimittel, allerdings dürfen die Produkte nicht mit Heilversprechen für sich werben. Und das aus gutem Grunde: Sie ergänzen unsere Ernährung, ganz generell und unverbindlich, um den Aspekt einer Gesundheitsförderung. Medizinische Einsatzgebiete, das heißt Heilwirkungen, sind in den wenigsten Fällen wissenschaftlich belegbar. Oft stützen sich die Versprechen auf den rückwirkenden Vergleich von Statistiken oder Laboruntersuchungen an Tieren oder im Reagenzglas. Untersuchungen dieser Art reichen nach modernen wissenschaftlichen Kriterien nicht aus, um einen medizinischen Einsatz zu legitimieren. Sind Nahrungsergänzungsmittel also nutzlos? Jein.

 

Manche positiven Effekte auf die Gesundheit kann man vielen Gewürzen, Nahrungsmitteln und auch Nahrungsergänzung sicher nicht absprechen. Einige ganz bestimmte Phytamine werden immer besser untersucht. Dies ist eine große Chance für die Zukunft: mit dem Wissen um die Heilkraft unserer Nahrung können wir unsere Gesundheit steuern und uns gezielt vor Krankheiten schützen.

 

Thymian, Chili, Ingwer – mehr als bloß Würze

Gewürze sind seit Jahrtausenden Bestandteil der Esskulturen der Welt. Im Mittelalter wurden ihre Händler, die „Pfeffersäcke“, reich durch den Verkauf von kostbaren Gewürzen aus dem Orient. Ausgiebiges Würzen hat viele Vorteile: Es regt die Verdauungssäfte an, sodass unsere Nahrung optimal aufgenommen und verwertet werden. Gewürze und Gartenkräuter wie Basilikum, Majoran, Thymian und Rosmarin enthalten Mineralstoffe und Vitamine. Durch ihren intensiven Geschmack helfen sie, Kochsalz einzusparen und so den Blutdruck niedrig zu halten. Auch fürs Abnehmen sind sie nützlich: Scharfe Gewürze wie Chilli, Pfeffer oder Ingwer kurbeln die Fettverbrennung an. 

 

Jedes Gewürz enthält eine einzigartige Mischung aus ätherischen Ölen. Einige Gewürze wie Orangenschalen, Bockshornkleesamen oder Salbei enthalten zusätzlich appetitsteigernde Bitterstoffe. Die Ingwerwurzel hilft bei Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Reisekrankheit. Galgant ist in der Hildegard-von-Bingen-Medizin eine wichtige Heilpflanze, in der rationalen Phytotherapie wird die Galgantwurzel bei Reizmagen mit Blähungen, Bauchschmerzen und Aufstoßen eingesetzt, ebenso wie Koriander, Kardamom, Fenchel, Kümmel und Anis und Dillsamen, Melisse und Pfefferminze.

 

Wer die Kunst des Würzens beherrscht, kann Verdauungsbeschwerden und Darmträgheit durchaus gezielt vermeiden oder lindern. Curcuma, auch Gelbwurz genannt, ist gelb wie Galle und hilft bei Gallenbeschwerden. Doch nicht nur im Magen- Darmtrakt sind Gewürze gesundheitsfördernd: Neue Studien weisen auf möglicherweise krebshemmende Inhaltsstoffe in Gewürzen wie Ingwer oder Knoblauch hin.

 

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Schutz für Herz und Gefäße mit Knoblauch und Omega-3

In der Volksheilkunde wirkt Knoblauch traditionell gegen so manches Übel: Schnupfen, Husten, Verdauungsbeschwerden mit Blähungen, Bauchkrämpfe und Würmer und sogar bei Diabetes, Schwäche und Bluthochdruck. Wissenschaftlich untersucht wurde die Knoblauchzwiebel auf ihre vorbeugende Wirkung bei erhöhtem Cholesterin und Gefäßwandverkalkung (Arteriosklerose), die zu schweren Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können. Allerdings muss die Knoblauchzehe hierfür roh oder in Pulverform genossen werden, denn die verantwortlichen Wirkstoffe Alliin und Allicin gehen beim Kochen verloren.

 

Omega-3-Fettsäuren findet sich nicht nur in Fischöl. Empfehlenswert sind außerdem Pflanzenöle als Quelle wie Leinöl, Leinsamen, Rapsöl, Walnussöl oder Perillaöl aus den Samen der chinesischen Schwarznessel. Diese pflanzlichen Öle verbessern das Verhältnis gesunder (ungesättigter) zu ungesunden (gesättigten) Fettsäuren und können erhöhtes Cholesterin normalisieren. Deshalb werden sie zur Vorbeugung von Herz- und Gefäßkrankheiten als regelmäßiger Bestandteil des Speiseplans oder als Nahrungsergänzungsmittel empfohlen.

 

Grundsätzlich wird zur Vorbeugung von Gefäßwandverkalkung eine Ernährung reich an Getreideprodukten, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten (Soja und Linsen) empfohlen. Die enthaltenen Phytosterine und Saponine können im Darm Gallesäuren binden, und verringern so das Risiko für erhöhte Blutfette.

 

Rotwein – das „französische Paradoxon“

Oft entstehen Hinweise auf die gesundheitsfördernde Wirkung eines Nahrungsmittels aus Beobachtungen oder Statistiken von Bevölkerungsgruppen. So fiel es auf, dass die Franzosen trotz überdurchschnittlich fett- und cholesterinreicher Ernährung und hohem Tabakkonsum weniger häufig an Herzinfarkt erkrankten. Man schrieb dies dem weitverbreiteten Genuss von Rotwein zu: Das „französisches Paradoxon“ war geboren. Der französische Rotwein enthält besonders viele Phenole. Diese sekundären Pflanzenstoffe sind Schutzfaktoren vor Herzinfarkt. Doch die Hypothese ist nicht belegt: Wissenschaftler schreiben die Schutzwirkung dem Alkohol zu, wenn er denn in Maßen genossen wird. So gilt ein Glas Rotwein (150ml) pro Tag als gesundheitsfördernd.

 

Wie gesund ist unsere Kaffeekultur?

In Maßen, nicht in Massen – das gilt auch für den Genuss von Kaffee oder Tee. Ein bis zwei Tassen pro Tag sind gesundheitlich unbedenklich. Grüner Tee wird schon länger als gesundheitsförderndes, antioxidatives und krebshemmendes Getränk hochgehalten. Nun zieht auch der Kaffee nach, denn auch er ist reich an Phytaminen. Kaffee enthält weniger Coffein als Tee, putscht jedoch stärker auf, da sein Coffein nicht an Gerbstoffe gebunden und dadurch schneller in den Blutkreislauf gerät.

 

Teeblätter, ob fermentiert wie beim schwarzen Tee oder unfermentiert wie beim Grüntee, enthalten neben Coffein und Gerbstoffen Flavonoide, Phenole (wie im Rotwein), ätherische Öle und reichlich Mineralstoffe. Tee wirkt stimulierend, entwässernd, stoppt Durchfälle, fördert die Herzdurchblutung, kann geringfügig erhöhte Blutfette senken und beim Abnehmen helfen. Der Schutz vor Krebs, vor allem von Darm, Bauchspeicheldrüse und Prostata ist leider nicht belegt. 

 

„Phytoöstrogene“ in Soja und Sojaprodukten

Die Sojabohne ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel überhaupt. In Soja stecken Phytoöstrogene, also pflanzliche Östrogene. Der tägliche hohe Verzehr von Tofu, Sojamilch oder Sojaprodukten wird bei Wechseljahrbeschwerden als Alternative zur Hormonersatztherapie und als Schutz vor Osteoporose (Knochenbrüchigkeit) angepriesen. In asiatischen Kulturen, bei denen jede Menge Soja oder Linsen auf dem Speiseplan stehen, treten Wechseljahrsbeschwerden tatsächlich wesentlich seltener auf. Tatsächlich nimmt die Sojabohne Einfluss auf den weiblichen Hormonaushalt. Diese „pflanzliche Hormonsubstitution“, die zugleich als Schutz vor Brustkrebs oder Prostatkrebs angepriesen wird, ist jedoch noch längst nicht wissenschaftlich bewiesen.

 

Soja enthält noch mehr Inhaltsstoffe: viel Eiweiß und ungesättigte Fettsäuren. Diese Sojaphospholipide senken die Blutfette und können die Leber regenerieren. Soja enthält aber auch Allergene, Sojamilch wird deshalb nicht als Säuglingsnahrung empfohlen. Eine Ernährung mit überwiegend pflanzlichen Eiweißen anstelle von tierischen Eiweißquellen ist in jedem Fall empfehlenswert. 

 

Antioxidantien – Zellregeneration durch Sauerstoffradikalfänger?

Sauerstoff muss im Körper aktiviert werden, um seine Funktion auszuführen. Bei dieser Aktivierung entstehen Sauerstoffradikale, die vom Körper nicht völlig beseitigt werden können. Somit entfacht Sauerstoff neben seiner lebensnotwendigen Aufgabe immer eine gewisse Portion „oxidativen Stress“. Über einen längeren Zeitraum führt er zu Zellschäden, Krebszellen und Zelltod. Dieser Prozess wird dann krankhaft, wenn zusätzliche Faktoren einwirken, die den natürlichen Entgiftungsprozess hemmen oder so viel Radikale entstehen, dass der Organismus mit der Entgiftung überfordert ist. 

 

Ursächliche Faktoren können chronische Entzündungen, Zigarettenrauch, Medikamente, Radioaktive oder UV-Strahlung sein. Dadurch kann es zu Gefäßverkalkungen, Diabetes oder Krebs kommen.

 

Antioxidantien, über die Nahrung zugeführt, sollen diesen Prozess stoppen. Sogar der natürliche Alterungsprozess soll auf diese Weise aufgehalten werden. Ob Antioxidantien aber tatsächlich Krankheiten und Altern vorbeugen können, ist nicht wissenschaftlich alles andere als sicher.

 

Bei den antioxidativen sekundären Pflanzenstoffen sind Karotinoide in allen tief dunkelgrünen, gelben und roten Gemüsesorten enthalten, Prototyp ist die Karotte. Obst und Gemüse ist reich an antioxidativen, krebs- und entzündungshemmenden Flavonoiden. Auch schwefelhaltige Pflanzenstoffe wie Senföle in Senf, Zwiebeln, Meerrettich und Knoblauch versprechen Antioxidation und Keimhemmung, ebenso Indole in Kohlgemüse, Limonen in Zitrusfrüchten und Karvon in Kümmel.

 

Wunderdinge darf man von den Phytaminen natürlich nicht erwarten. Aber eines ist sicher: Eine insgesamt gesunde, ausgewogene Ernährung und Lebensweise und das Reduzieren zu hoher Kalorienzufuhr wirken antioxidativ und lebensverlängernd.