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Hilft die Mariendistel bei Hepatitis C?

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Geschrieben von 2013-12-02
Zuletzt aktualisiert am 2017-12-0202.12.2017
Fotolia_©-Klaus-Eppele

Das Mariendistelextrakt Silibinin ist eine Wunderwaffe gegen einige Lebererkrankungen. Kürzlich veröffentlichte Studien zeigen, dass es auch bei chronischer Hepatitis C eingesetzt werden kann. Der Vorteil: Silibinin wirkt ähnlich gut wie herkömmliche Medikamente, ist jedoch um Längen verträglicher.

Hepatitis C ist eine schwere Lebererkrankung, ausgelöst durch ein tückisches Virus. Sie gehört neben Hepatitis B zu den häufigsten Viruserkrankungen überhaupt. Allein in Deutschland sind etwa 400.000 Menschen betroffen. Der Krankheit lastet das Image an, besonders häufig bei Drogenabhängigen vorzukommen. Das trifft zwar zu, aber dennoch ist man auch als Normalbürger gefährdet, sich mit dem Virus zu infizieren: Ungeschützter Sex und unsauberes Piercen, Akupunktieren und Tätowieren können das Virus übertragen. Besonders tückisch ist, dass die Krankheit oft ohne Symptome verläuft. Erst im Spätstadium, nach zehn bis zwanzig Jahren, entwickelt sich beim Großteil der Erkrankten eine Leberzirrhose und Leberkrebs. Die Behandlung erfolgt heute mit antiviralen Medikamenten, die die Virusvermehrung im Körper verhindern sollen. Dazu gehören Interferone und Ribavirin. Die Medikamente wirken sehr gut, es gibt nur einen Nachteil: Die Nebenwirkungen sind mitunter sehr stark und reichen von grippeähnlichen Beschwerden über Hautausschlag bis hin zu schwerer Blutarmut. Weil viele Patienten die Therapie vorzeitig abbrechen müssen, sucht die Forschung händeringend nach Alternativen.

Silibinin als natürlicher Leberschutz

Dabei könnte ihnen die heilende Wirkung der Mariendistel zugutekommen. Die Pflanze wird schon seit dem Altertum als Leberheilmittel verwendet und beinhaltet den Wirkstoff Silibinin. Erfahrenen Pilzsammlern ist dies sicher ein Begriff, denn Silibinin ist das Gegenmittel bei Knollenblätterpilzvergiftung, die schwere Leberschäden bis hin zum Tod verursachen kann. Da das Hepatitis C-Virus ebenfalls die Leber angreift, liegt der Gedanke nahe, die Wirksamkeit von Silibinin auch bei dieser Erkrankung zu testen. Und überraschenderweise konnten Forscher im Rahmen einer Patientenstudie beweisen, dass Silibinin die Viruslast im Blut erheblich senken kann. Davon profitieren insbesondere Patienten, die die Standardtherapie nicht vertragen.

Wirkstoff hemmt Hepatitis-C-Viren

Die Wissenschaftler gingen der Sache auf den Grund und konnten zum Teil klären, warum Silibinin bei Hepatitis C wirkt. Einerseits erschwert es den Eintritt des Virus in die Leberzellen, andererseits hemmt es die Virusvermehrung in der Zelle. Der Wirkmechanismus ähnelt dem klassischer Medikamente, aber Silibinin hat den entscheidenden Vorteil, dass es kaum Nebenwirkungen verursacht ‑ Patienten berichten lediglich von leichten Hitzewallungen und gelegentlicher Übelkeit.

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Intravenöser Zugang notwendig

Warum wird der Mariendistel-Extrakt Silibinin also nicht in der Hepatitis-C-Therapie eingesetzt? Es gibt einen Haken: Bisher muss der Wirkstoff intravenös verabreicht werden. Da eine Therapie in der Regel ein Jahr und länger dauert, kann die Wirkstoffverabreichung über die Vene keine Lösung für alle Patienten sein. Eine Behandlung mit Silibinin-Tabletten wäre besser geeignet, doch es ist bis heute nicht gelungen, wirksame Medikamente zu entwickeln. Patienten, die der konventionellen Therapie nicht gewachsen sind oder einen Rückfall erlitten haben, könnten dennoch von einer intravenösen Silibinin-Therapie profitieren. Denn viele Alternativen haben sie nicht. Die bisherigen Forschungsergebnisse hierzu sind vielversprechend. Und die nächsten Jahre werden entscheiden, ob das Mariendistelextrakt in der Behandlung von Hepatitis C einen Platz einnimmt. Die Chancen stehen jedenfalls gut.

Quellen:
  • Pohl RT. Wie Silibinin das Hepatitis-C-Virus bekämpft. Z Phytother 2013; 34(05): 221-226. doi: 10.1055/s-0033-1349764
  • Herold G. Innere Medizin 2013. Köln, 2013