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Ketogene Diät schützt das Gehirn

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Geschrieben von 2013-11-05
Zuletzt aktualisiert am 2017-11-0606.11.2017

Viel Fett, kaum Zucker. Das ist die Basis der ketogenen Ernährung. Sie ist nicht nur zum Abnehmen geeignet, sondern scheint auch unterstützend bei Krankheiten wie Epilepsie, Multiple Sklerose und Demenz zu helfen.

Der Ursprung der ketogenen Ernährung liegt im 19. Jahrhundert. Damals entdeckten Ärzte, dass Epileptiker nach einer Fastenzeit seltener epileptische Anfälle erlitten. Der Grund: Durch das Fasten wird im Körper ein Hungerzustand ausgelöst. Um sich weiter mit Energie zu versorgen, ändert er seinen Stoffwechsel radikal. Anstatt Zucker verwendet der Körper nun sogenannte Ketonkörper als Energielieferant für die Zellen. Sie werden aus Fettreserven in der Leber gebildet und stellen einen körpereigenen Zuckerersatzstoff dar. Sie wirken sich auch positiv auf das Gehirn aus. Weniger epileptische Anfälle sind die Folge.

Fettreich und zuckerarm

Um nicht jeden Patienten hungern lassen, entwickelte man Anfang des 20. Jahrhunderts die ketogene Diät. Ziel ist es, den Fastenzustand zu imitieren, um die gleichen positiven Effekte zu erzielen. Basis ist eine fettreiche Ernährung mit bis zu 80 Prozent Fett und 20 Prozent Proteinen. Der Zuckeranteil ist drastisch gesenkt auf nur 20 bis 40 Gramm pro Tag, was ungefähr 10 Stück Würfelzucker entspricht. Auf Lebensmittel übersetzt bedeutet das: Viel Fleisch und Milchprodukte, dazu Eier, Fisch, Käse, Nüsse, Tofu und Avocados. Begleitend sollte man täglich größere Mengen an Lein-, Hanf-, Walnuss-, Raps- und Olivenöl aufnehmen. Weiterhin wird bei dieser Diätform viel Gemüse in Form von Zucchini, Mangold, Fenchel, Spinat, Brokkoli, Kohlrabi, Topinambur, Mohrrüben, Paprika und Gurken verzehrt. Strikt vermeiden sollte man Reis, Nudeln, Kartoffeln und Süßigkeiten.

Ketonkörper wirken entzündungshemmend

Erst vor wenigen Jahren entdeckte man, dass sich die ketogene Ernährungsform nicht nur Epileptikern helfen kann, sondern sich die Leistung des Gehirns ganz allgemein verbessert. Zudem sollen weitere Krankheiten wie Krebs und Demenz auf die Diät ansprechen. Aktuell untersuchen Wissenschaftler der Charité Universitätsklinik Berlin die Wirkung der ketogenen Diät auf den Verlauf von Multipler Sklerose. Dr. med. Markus Bock, Studienleiter aus dem Experimental and Clinical Research Center (ECRC) der Charité, ist zuversichtlich: „Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre lassen einen vielversprechenden Ansatz für neurodegenerative, -entzündliche und onkologische Erkrankungen durch ketogene Ernährung erkennen.“ Auch kürzlich durchgeführte Studien an Mäusen zeigen deutlich verbesserte Krankheitsverläufe von Multipler Sklerose und eine hochgradig gesenkte Sterblichkeitsrate der Tiere nach einer ketogenen Diät

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Multiple Sklerose-Patienten profitieren

Bock erklärt, was das für Multiple Sklerose-Patienten bedeutet: „Sie könnten von der erhöhten Energieversorgung des Gehirns profitieren, aus der sich möglicherweise eine verbesserte Biofunktionalität mit einhergehender Neuroprotektion ergibt.“ Im Klartext heißt das: Die Patienten würden geistig wacher und körperlich belastbarer werden. Die aktuell von Bock durchgeführte Studie mit Multiple Sklerose-Patienten deutet ebenfalls in diese Richtung. Es stehen jedoch noch weitere Untersuchungen an, bevor eine klare Empfehlung gegeben werden kann.

Doch bis dahin muss man nicht warten, jeder kann schon jetzt auf eine ketogene Diät umstellen. „Wer seine Ernährungsgewohnheiten verändern möchte, kann sich gerne an unsere Spezialambulanzen für Neuroimmunologie oder Lipidologie wenden, um die individuellen Möglichkeiten eines Ernährungsversuches zu besprechen“, rät Bock.

Quellen:
  • Interview mit Dr. med. Markus Bock, Studienleiter Experimental and Clinical Research Center (ECRC), Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Buch. Berlin, 23.10.2013