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Kann die Tomate vor Herzinfarkt schützen?

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Geschrieben von Katharina Haller , Medizinstudentin an der Universität Rostock
Zuletzt aktualisiert am 14.07.2017

Ursprünglich in Mittel- und Südamerika beheimatet, brachten die Entdecker der Neuzeit den "goldenen Apfel" ("Pomi d'oro", heute im italienischen "pomodoro") mit nach Europa. Anfangs hauptsächlich als Zierpflanze verwendet, ist das Nachtschattengewächs kaum mehr wegzudecken aus der mediterranen Küche. Doch ist Solanum lycopersicum, so der botanische Name der Tomate, auch interessant für die Pflanzentherapie?

Herzkreislauferkrankungen an erster Stelle

Auf Platz eins der Todesursachenstatistik Deutschlands stehen die Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen. Die gemeinsame Ursache all dieser Erkrankungen ist die Arteriosklerose (altgriechisch, etwa "Gefäßverhärtung"), das heißt eine Veränderung der Gefäßwand durch Einlagerung von bestimmten Fetten und Bindegewebe. An diese geschädigte Gefäßwand lagern sich nun nach und nach immer mehr der Blutplättchen an, wodurch sich dicke Auflagerungen bilden, die im schlimmsten Fall zum Verschluss des Gefäßes und damit zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

Schulmedizin versus gesunde Ernährung

In der Schulmedizin werden Patienten mit solchen Gefäßwandschäden deshalb mit Medikamenten therapiert, die die Anlagerung der Blutplättchen verringern bzw. vermindern. Das bekannteste dieser Medikamente ist der schon seit mehr als 100 Jahren eingesetzte Gerinnungshemmer ASS (Acetylsalicylsäure). Der Nachteil dieser Medikamente besteht jedoch unter anderem in einem erhöhten Risiko von Blutungen im Magen-Darm-Trakt.

Neuere Forschung zeigt: Mediterrane Küche, d.h. Ernährung u.a. reich an Olivenöl, Tomaten, Knoblauch scheint das Risiko an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu leiden deutlich zu mindern. Ein kleines Puzzleteil scheint dabei die Tomate zu sein: Sie enthält zum einen Lycopin, das als Radikalfänger antioxidativ, blutfettsenkend und entzündungshemmend wirkt. Zum anderen scheint die Tomate Stoffe zu enthalten, vor allem in der gelblichen Flüssigkeit um die Samen, die die Anlagerung von Blutplättchen hemmen – ähnlich der Wirkung von ASS.

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Sinnvolle Nahrungsergänzung?

Da es häufig schwierig ist, sich täglich Gerichte mit der entsprechenden Tomatenmenge zuzubereiten, ist nun ein wässriges, lycopin-freies Tomatenextrakt auf dem Markt, das sogar von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit die Wirkung "Regulierung der Fließeigenschaft des Blutes" zuerkannt wurde. In einer Pilotstudie wurde an 20 Diabetikern, die über drei Wochen täglich 250 ml des Tomatenextrakts zu sich nahmen, gezeigt, dass die sogenannte kollagenstimulierte Plättchenaggregation um 27% reduziert werden konnte.

Ein Vorteil des Tomatenextrakts gegenüber herkömmlichen Gerinnungshemmern: Das Blutungsrisiko scheint es nicht zu erhöhen. Außerdem ist die plättchenhemmende Wirkung schon nach 18 Stunden verflogen – im Gegensatz zu den zehn Tagen, die es im Durchschnitt bei ASS dauert. Das kann wichtig sein, wenn dringende Eingriffe gemacht werden müssen, da man sonst starken Blutverlust riskieren würde.

Tomatenextrakt als Alternative zur Schulmedizin

Zur Primärprävention, d.h. zur Vermeidung von Schlaganfällen und Herzinfarkten bei Patienten mit Risikofaktoren wie Diabetikern, Rauchern oder übergewichtigen Menschen scheint das Tomatenextrakt gefahrenlos einsetzbar zu sein. Ob die Wirkung im Vergleich zu herkömmlicher Therapie auch zur Sekundärprävention, d.h. zur Vermeidung eines erneuten Schlaganfalls oder Herzinfarkts ausreicht, ist derzeit noch nicht geklärt.

Quellen:
  • Chrubasik-Hausmann, Sigrun, and Paul Erne. "Zur Regulierung der Fließeigenschaft des Blutes mit dem wässrigen Tomatenextrakt Fruitflow®." Zeitschrift für Phytotherapie 35.01 (2014): 12-15.