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Kältetherapie hilft bei Rheuma & Hauterkrankungen

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Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 01.07.2017

Rheuma mit Kälte behandeln? Ja, das geht! Ein paar Minuten in der Kältekammer scheinen zu genügen, um schmerzhafte Entzündungen der Gelenke oder auch Hautkrankheiten zu lindern. Die Patienten sind zufrieden. Leider fehlen bisher noch gute Studien.

Bei diesen sommerlichen Temperaturen sehnen sich viele Menschen nach einer Abkühlung. Ganz Mutige würden mitunter den Schritt in die Kältekammer des Immanuel-Krankenhauses in Berlin wagen. Dort herrschen kältere Temperaturen als am Südpol. Die Kammer, die ähnlich aussieht wie eine Sauna, dient aber nicht zur Erfrischung, vielmehr soll sie Krankheiten bekämpfen. „Die Kältebehandlung wird vorwiegend bei schmerzhaften Muskel- und Skeletterkrankungen wie zum Beispiel Rheuma eingesetzt. Aber auch Hauterkrankungen können wir damit behandeln“, erklärt Dr. med. Rainer Stange, Leitender Arzt der Abteilung Naturheilkunde des Immanuel-Krankenhauses, in dem die Behandlung angeboten wird. Erstmals tauchte sie im Jahre 1981 unter dem Namen „Ganzkörperkältetherapie“ in Japan auf, wo sie noch heute eingesetzt wird. Drei Jahre später kam sie nach Deutschland.

Kälter als am Südpol

So neu ist die Idee der Kältekammer nicht. Schon vor Jahrtausenden nutzten Menschen die Kälte zur Behandlung von Krankheiten. Jedoch mussten sie sich auf natürliche Kältequellen wie Eis, Schnee oder kaltes Wasser beschränken. Die moderne Kältekammer des Immanuel-Krankenhauses setzt bei Temperaturen von rund -100 bis -120°C an. Doch wie läuft so eine Behandlung ab?

Die Patienten betreten die Kammer unbekleidet über eine Schleuse, in der bereits -60°C herrschen. Um sich vor Erfrierungen zu schützen, tragen sie einen Gesichtsschutz und dicke Handschuhe. In der Kältekammer selbst bleiben sie für anderthalb bis zweieinhalb Minuten. Danach verlassen sie die Kammer und wärmen sich durch ein Übungsprogramm wieder auf. Die Kältetherapie kann bis zu dreimal am Tag durchgeführt werden. Dabei sind mehrtätige Serien von 15 bis 20 Sitzungen die Regel, um langanhaltende Effekte zu erzielen.

Kälte wirkt entzündungshemmend

Doch warum hilft Kälte überhaupt? „Die Kältetherapie sorgt für eine maximale Stimulation der Thermorezeptoren der Haut, die mit dem Gehirn in Verbindung stehen. Das wiederrum sendet als Reaktion auf den Reiz milde entzündungshemmende Signale, die zur Linderung der Schmerzen beitragen“, erklärt Stange. Dabei gilt jedoch: Um die volle Wirksamkeit zu erreichen, muss die Kältekammer regelmäßig besucht werden. Laut Stange profitieren die Patienten im Durchschnitt bis zu einem halben Jahr von der Therapie. Für manche Menschen kommt die Kammer jedoch nicht in Frage: „Leiden Patienten an starkem Bluthochdruck, der Schaufensterkrankheit, Platzangst oder an einer Kälteallergie, darf die Behandlung nicht durchgeführt werden. Patienten mit Raynaud-Syndrom (einer speziellen Gefäßerkrankung) dürfen zudem nur von erfahrenen Spezialisten behandelt werden“, erläutert Stange.

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Patienten müssen selbst zahlen

Schlussblickend scheint die Behandlung eine wertvolle und schonende Ergänzung zu üblichen Therapieverfahren zu sein. Die bisher veröffentlichten Studien sind jedoch laut Stange noch nicht aussagekräftig genug. Daher wird die Behandlung noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Patienten müssen also erst einmal selbst in die Tasche greifen, wobei sich der Preis mit ca. 20 EUR pro Sitzung im Rahmen hält. Bisher bieten leider nur wenige spezialisierte Zentren die Kältetherapie an, darunter vorwiegend Rehabilitationseinrichtungen.

Quellen:
  • Interview mit Dr. med. Rainer Stange, Leitender Arzt der Abteilung Naturheilkunde des Immanuel-Krankenhauses in Berlin.