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Ingwer – scharfe Heilpflanze mit Biss

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Geschrieben von Katharina Haller , Medizinstudentin an der Universität Rostock
Zuletzt aktualisiert am 07.07.2017

Die blass-gelbe Knolle genießt einen ausgezeichneten Ruf als Heilpflanze. Doch ihr Geschmack polarisiert. Die einen schwören auf die durchaus scharfe Note der Knolle, andere gehen ihr wenn möglich aus dem Weg. Dabei soll Ingwer bei zahlreichen Beschwerden Abhilfe verschaffen.

Übelkeit und Erbrechen

Ingwer hat schon seit Jahrtausenden einen festen Platz in der ayurvedischen Medizin. Die Knolle hat sich dort als Appetitanreger und bei Verdauungsproblemen, Übelkeit und Erbrechen bewährtt. Grund sind die in der Knolle enthaltenen scharf-bitteren ätherischen Öle. Durch sie besitzt Ingwer einerseits eine stark anregende Wirkung auf das Verdauungssystem, indem er die Sekretion von Speichel und Magensaft fördert und die Darmtätigkeit verstärkt. Andererseits beruhigt er den Magendarmtrakt durch seine entblähende, entkrampfende und antimikrobielle Wirkung.

Zudem ist er ein hervorragendes Anti-Brechmittel, da die Inhaltsstoffe der scharfen Knolle den Bereich im Gehirn beruhigen, der Erbrechen auslöst. Damit gilt Ingwer als ideales Medikament bei Reise- und Schwangerschaftsübelkeit. Im späteren Stadium einer Schwangerschaft sollte man jedoch auf die Knolle verzichten, da sie wehenfördernd wirken kann und bei einem möglichen Kaiserschnitt das Risiko für eine Blutung erhöht. Aufgrund der positiven Wirkungen auf das Verdauungssystem wird Ingwer auch zunehmend während einer Chemotherapie eingesetzt.

Gelenkbeschwerden

Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass Ingwer auch bei Gelenkbeschwerden helfen kann. Seine antientzündlichen und abschwellenden Inhaltsstoffe – darunter hauptsächlich Gingerol, Schogaol und Borneol – scheinen Schmerzen zu lindern und gleichzeitig die Beweglichkeit von Patienten zu verbessern, die an chronischen Gelenkentzündungen wie Osteoarthritis oder rheumatoider Arthritis leiden. Auch bei reinem Gelenkverschleiß kann Ingwer in einer Dosis von vier bis fünf Gramm täglich eine positive Wirkung erzielen. Einige Studien konnten sogar zeigen, dass Ingwer gleichgut oder besser als herkömmliche Schmerzmittel gegen Gelenkbeschwerden wirkt. Der Grund: Die Heilpflanze blockiert wie Aspirin die sogenannten COX-Enzyme, die für die Schmerzentstehung mitverantwortlich sind. Dennoch sind weitere Studien auf diesem Gebiet nötig, um Ingwer uneingeschränkt als Schmerzmittel bei Gelenkbeschwerden empfehlen zu können.

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Diabetes

Ganz anders sieht es bei Diabetes aus Hier wurde in zahlreichen Untersuchungen bewiesen, dass Ingwer insbesondere Typ-2 Diabetikern hilft, die ihre Blutzuckerwerte nicht unter Kontrolle bekommen. Den Grund fanden die Wissenschaftler im Stoffwechsel der Muskelzellen: Der Inhaltsstoff Gingerol vergrößert die Zahl sogenannter GLUT4-Proteine auf der Oberfläche von Muskelzellen. Dieses Protein ist ein Transportkanal, über den Blutzucker in die Muskelzelle gelangt. Durch mehr GLUT4 ist der Muskel in der Lage, viel mehr Zucker aufzunehmen. Der Blutzuckerspiegel sinkt und gefährliche Diabetes-Komplikationen werden vermieden.

Auch bei anderen Beschwerden kann Ingwer wahre Wunder wirken. Die Knolle hilft wahrscheinlich gegen akute Kopfschmerzen, bei leichten Erkältungen, zur Thrombosevorbeugung und bei Regelschmerzen. Bei einer längerfristigen Einnahme sollte jedoch ein Arzt konsultiert werden, da Ingwer die Blutgerinnung beeinflussen kann.

Quellen:
  • Li Y. Gingerols of Zingiber officinale enhance glucose uptake by increasing cell surface GLUT4 in cultured L6 myotubes. Planta Med. 2012 Sep;78(14):1549-55. Epub 2012 Jul 24.
  • Ribel-Madsen S. A synoviocyte model for osteoarthritis and rheumatoid arthritis: response to Ibuprofen, betamethasone, and ginger extract-a cross-sectional in vitro study. Arthritis. 2012;2012:505842. doi: 10.1155/2012/505842. Epub 2012 Dec 31.