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Heilpflanzen-Züchtung auf dem Vormarsch

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Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 26.08.2017

Wer denkt, dass Heilpflanzen noch natürlich im Wald geerntet werden, der täuscht. Der stetig wachsende Bedarf an Naturheilmitteln ruft Forscher auf den Plan, die die Züchtung von Heilpflanzen vorantreiben wollen. Ziel ist die Kultivierung von Pflanzen mit besonders hohen Wirkstoffkonzentrationen.

Natürliche Medizin erfreut sich großer Beliebtheit. Nach Befragungen des Allensbacher Instituts für Demoskopie interessierten sich 2013 mehr als ein Viertel aller Deutschen – immerhin über 20 Millionen Menschen – für Naturheilmittel und homöopathische Medikamente. Eine so starke Nachfrage nach pflanzlichen Arzneimitteln muss erst einmal befriedigt werden. Dies führte in den letzten Jahren unweigerlich zur Gefährdung des heimischen Wildbestandes einiger Heilpflanzen, deren Inhaltsstoffe auch nicht immer gleich gut wirken. In Zukunft will man daher auch aus Umweltschutzgründen dazu übergehen, bestimmte Pflanzen zu kultivieren und besonders wirkstoffreiche Arten zu selektieren.

Ziel: Hochwirksame und unbedenkliche Naturheilmittel

Dafür zuständig ist unter anderem Prof. Dr. Maximilian Weigend, studierter Botaniker und Direktor der Botanischen Gärten der Universität Bonn. Seiner Ansicht nach kann durch einen kontrollierten Anbau wirkstoffreicher Heilpflanzen eine hohe pharmazeutische Qualität erreicht werden, und das bei ausreichend zur Verfügung stehender Menge an Pflanzen. Am Beispiel vom Beinwell lassen sich die Vorteile der Züchtung erkennen: Natürlicher Beinwell enthält neben den eigentlichen schmerzlindernden und entzündungshemmenden Wirkstoffen Allantoin und Rosmarinsäure auch so genannte Pyrrolizidinalkaloide, die in hohen Dosen leberschädigend sein können. Das erklärte Ziel der Wissenschaftler war daher die Züchtung von wirkstoffreichem Beinwell, der wenig leberschädigende Substanzen enthält. Heraus kam die patentierte Sorte „Symphytum x uplandicum“, eine Art Power-Beinwell, die fast ohne Pyrrolizidinalkaloide auskommt.

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Minderwertiger Qualität entgegenwirken

Auch aus einem weiteren Grund lohnt sich die heimische Züchtung von Heilpflanzen: Auch heutzutage importiert Deutschland Naturheilmittel aus anderen Ländern, wie beispielsweise China. Die Qualität der pflanzlichen Arzneimittel lässt jedoch manchmal zu wünschen übrig. So ist es auch im Fall der Bärentraube, die vor allem bei Blasenentzündungen angewendet wird. In einer zwei Jahre dauernden Forschungsarbeit analysierten die Forscher daher heimische Bärentraubenarten und konnten qualitativ hochwertige Arten gewinnen, die den bisherigen Produkten überlegen sind.

Letztendlich bietet die Kultivierung von Heilpflanzen nur Vorteile: Durch sie entsteht eine gleichbleibende und hochwertige Naturapotheke, und gleichzeitig profitieren unsere Wälder und Wiesen, auf denen Heilpflanzen zukünftig ungestört wachsen können.

Quellen:
  • Pressemitteilung des Deutschen Naturheilbund e.V. Heilpflanzen-Kultivierung. News vom 18. Juli 2013
  • Institut für Demoskopie Allensbach. Infografik: Interesse der deutschen Bevölkerung an Naturheilmitteln und homöopathischen Medikamenten von 2007 bis 2013. Juli 2013