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Ginkgo macht der Grippe den Garaus

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Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 22.04.2017

Winterzeit ist Grippezeit. Medikamente zur Behandlung der sogenannten Influenza sind rar gesät und nur in besonders schweren Fällen angebracht. Neue Forschungsergebnisse aus Japan zeigen, dass auch natürliche und besser verträgliche Heilmittel wie Ginkgo den Viren zu Leibe rücken können.

Wirkung in den Blättern

Der ursprünglich aus Asien stammende Ginkgo-Baum ist heute in aller Welt zu finden und gehört zu den am besten untersuchten Naturheilpflanzen. Von besonderen Interesse sind neben Samen und Wurzeln vor allem die Blätter des Baums, die in der Naturheilkunde vielfältige Anwendungsgebiete finden. Seit Jahren bekannte Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Ginkgoblätter-Extrakt einen schützenden Effekt auf das Gehirn hat und leichte Formen von Demenz verbessern kann. Weiterhin besitzt es blutverdünnende und entzündungshemmende Eigenschaften und kann daher auch bei der sogenannten Schaufenster-Krankheit, Schwindel und Tinnitus verordnet werden. Neu ist, dass Ginkgoblätter-Extrakt auch eine antivirale Wirkung besitzt und sich somit als potentielles Grippemittel eignet.

Grippeviren reagieren empfindlich

Japanische Forscher untersuchten Ginkgo auf seine Wirkung gegen drei typische Grippeviren vom Typ A und B. Dazu vermischten sie die Viren zuerst mit Ginkgoblätter-Extrakt und infizierten dann MDCK-Zellen (Madin-Darby Canine Kidney Cells) mit den Erregern. Dabei handelt es sich um Zellen aus den Nieren eines gesunden Hundes, die standardmäßig im Labor „als Nahrung“ für die Viren eingesetzt werden. Es zeigte sich, dass mit Ginkgo behandelte Viren deutlich weniger Zellen infizieren konnten. Dabei sank mit steigender Ginkgo-Konzentration die Zahl infizierter Zellen drastisch bis auf nahezu null ab, was für eine deutliche Wirkung von Ginkgoblätter-Extrakt auf die Viren spricht.

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Ginkgo schiebt den Viren einen Riegel vor

In einem nächsten Schritt wollten die Forscher klären, wie diese Wirkung genau zustande kommt. Dazu untersuchten sie Wirkung von Ginkgo auf die virale Hülle. Grippeviren besitzen bestimmte Hüllproteine wie Hämagglutinin und Neuraminidase auf ihrer Oberfläche. Durch Hämagglutinin können die Viren in Körperzellen eindringen und diese so umprogrammieren, dass die Zelle nur noch Viren produziert. Das Protein Neuraminidase bewirkt dann eine Freisetzung der Viren in den Körper. In ihrer Arbeit fanden die Wissenschaftler heraus, dass Ginkgo die Anheftung der Viren an die Wirtszelle über das Protein Hämagglutinin blockiert. Ginkgo schiebt dem Virus bildlich gesprochen also einen Riegel vor das Schloss.

Weitere Studien am Menschen geplant

Unklar bleibt vorerst nur, welche Inhaltsstoffe des Ginkgos die antivirale Wirkung vermitteln. Vieles spricht für die in Ginkgoblättern enthaltenen Tannine, die sich bereits in vorigen Studien als Virenkiller erwiesen haben. Insgesamt zeigt die Studie, dass Heilpflanzen wie Ginkgo in der Grippe-Behandlung eingesetzt werden könnten. Jedoch sind noch weitere Studien notwendig, um die Wirkung auch am Menschen belegen zu können.

Quellen:
  • Takahiro Haruyama et al. „Anti-influenza virus activity of Ginkgo biloba leaf extracts“. J Nat Med 2012. doi 10.1007/s11418-012-0725-0
  • Hänsel et al. Pharmakognosie – Phytopharmazie. 9. Auflage. Springer Verlag 2010