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Neues aus der Tumorforschung: Scharfe Schoten gegen Darmkrebs

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Geschrieben von Katharina Haller , Medizinstudentin an der Universität Rostock
Zuletzt aktualisiert am 25.08.2017

Darmtumore sind bei Männern wie Frauen in Deutschland die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Die bösartigen Wucherungen entstehen meist im Dickdarm (zu 95 Prozent) nach dem 50. Lebensjahr. Das Erschreckende: Ihr Wachstum verläuft lange Zeit symptomlos. Seit 2002 übernehmen alle Krankenkassen eine vorsorgliche Darmspiegelung ab dem 55. Lebensjahr, um Tumore schon im Frühstadium zu erkennen. Nun ist ein Forscherteam einer kalifornischen Universität auf eine Entdeckung gestoßen: Chillischoten könnten dem gefährlichen Darmkrebs vorbeugen.

Scharf macht glücklich

Warum treiben uns Speisen mit Paprika oder Chili eigentlich diese wohlige Wärme ins Gesicht? Verantwortlich dafür ist der Stoff Capsaicin, der vom Menschen wie von anderen Säugetieren als scharf empfunden wird. Für die Pflanzen stellt er einen natürlichen Fressschutz dar. Capsaicin aktiviert die Rezeptoren von Nervenendigungen, die auch für die Empfindung von Wärme zuständig sind. Darum lässt sich das Gefühl von Schärfe nicht grundsätzlich von der Wahrnehmung von Hitze unterscheiden. Als Folge der Aktivierung kommt es zur Ausschüttung von Endorphinen, körpereigenen Glückshormonen und zur besseren Gewebedurchblutung. Dieser Effekt findet in der Medizin jetzt bereits Anwendung: Bei Muskelschmerzen und -verspannungen sowie Gelenkproblemen sind Cremes, Salben und Pflaster mit dem Wirkstoff Capsaicin erhältlich.

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Chilidiät gegen Darmkrebs

Die Forscher haben nun entdeckt, dass die Aktivierung der Nervenendigungen nicht nur zur Wärmeempfindung führt, sondern im Darm das Level eines bestimmten Wachstumsfaktors (EGFR) reguliert. Dieser sorgt normalerweise dafür, dass sich die Darmoberfläche alle vier bis sechs Tage erneuert. Bei der Entstehung eines Tumors gerät dieser außer Kontrolle und kann das Wachstum der Darmzellen nicht mehr beschränken.

Die Studie der Forscher gründet sich auf zwei Experimente: Zum einen veränderten sie den Organismus von Nagetieren so, dass ihnen der Rezeptor fehlt, an den Capsaicin bindet – mit der Folge, dass Darmkrebs häufiger auftrat. Im zweiten Experiment bekamen Mäuse, die künstlich ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs hatten, eine spezielle Diät: Einer Gruppe wurde Capsaicin ins Fressen gemischt, der anderen nicht. Und erstaunlicherweise entwickelte die Gruppe, die sich scharf ernährte, weniger Tumore und ihre Lebenserwartung stieg um 30 Prozent. Die Wissenschaftler sehen hier möglicherweise eine Methode, wie Menschen mit erhöhtem Darmkrebsrisiko aktiv vorbeugen können. Ob dies aber ein realistisches Szenario ist, werden wohl erst Versuche am Menschen zeigen können.

Quellen:
  • De Jong PR, Takahashi N, Harris AR "Ion channel TRPV1-dependant activation of PTP1B suppresses EGFR-associated intestinal tumorigenesis". J Clin Invest 2014