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Bald gibt’s die pflanzliche Antibabypille für den Mann

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Geschrieben von Joscha Kollascheck , Redakteur/Social Media Manager
Zuletzt aktualisiert am 30.07.2017

Ein kleiner, unschuldiger Busch hält seit einiger Zeit die medizinische Forschung in Indonesien auf Trab. Dort sprach sich nämlich herum, dass im nahen Neuginea ein Stamm lebt, in dem die Empfängnisverhütung traditionell in männlicher Hand liegt. Und dies geschieht nicht etwa mithilfe von Kondomen oder, wie sie in Mitteleuropa noch bis ins 19. Jahrhundert verwendet wurden, Präservativen aus Tierdärmen. Nein, man höre und staune, Mann gönnt sich dort kurz vorm Koitus einfach einen Tee.

 

Ein Aufguss aus den Blättern der Gendarussa-Pflanze scheint sich dort tatsächlich als zuverlässiges Verhütungsmittel bewährt zu haben. Nun soll in Indonesien bald eine Pille auf den Markt kommen, die sich die Effekte der Pflanze zunutze macht. Erste Studien stimmen zuversichtlich, doch die Zulassung könnte noch dauern. 

Gendarussa wirkt ohne Hormone

Neben dem Kondom gibt's für den Mann mit der Vasektomie, also der operativen Durchtrennung der Samenleiter, bislang nur eine recht drastische Möglichkeit sich aktiv an der Schwangerschaftsverhütung zu beteiligen. Das könnte sich bald ändern, denn nach rund dreißig Jahren Forschung erscheint in Asien eine neue Alternative am Horizont der Verhüterli. Eine sanfte nämlich, da rein pflanzliche. An der Airlangga Universität im indonesischen Surabaya beschäftigt man sich schon seit Mitte der Achtzigerjahre mit der Heilpflanze Justicia gendarussa, die in der Volksmedizin indigener Stämme seit Jahrhunderten Anwendung findet.

 

Der Busch ist bislang vor allem für seine gut untersuchten Effekte gegen Entzündungen bekannt, bei Asthma, Rheuma und Verstopfung soll er helfen können. Auch zur Beruhigung der Nerven wird er in der Volksmedizin genutzt. Dass Gendarussa tatsächlich das Potenzial zum natürlichen Verhütungsmittel haben soll, ist neu. Besonders interessant: Die neu entwickelte Antibabypille für den Mann greift nicht in den Hormonhaushalt ein. Dadurch sollte sie problemlos zur Langzeitanwendung geeignet sein. 

Erfolgsrate bei 99 Prozent - dank müder Spermien

Während die klassische Pille künstliche Geschlechtshormone enthält, die den Eisprung unterdrücken, scheint Gendarussa auf die Beweglichkeit der Spermien zu wirken. Der Pflanzenextrakt bremst ein Enzym der Spermien und hindert sie schlichtweg daran, in die Eizelle einzudringen. Frühe klinische Studien schreiben eine Erfolgsgeschichte: Zwei Untersuchungen mit zunächst 120 und später 350 teilnehmenden Paaren befanden die Gendarussa-Pille bei täglicher Einnahme für ebenso sicher wie die konventionelle Antibabypille. 

 

Die "Zähmung" der Spermien scheint dabei absolut vorübergehend zu sein. Spätestens einen Monat nach Absetzen der Pille soll die Zeugungsfähigkeit wieder hergestellt sein. Negative Auswirkungen auf die männliche Libido konnten bislang nicht beobachtet werden.

Zulassung der Männerpille derzeit noch Zukunftsmusik

Auch wenn die ersten Ergebnisse vielversprechend sind: Bis die Gendarussa-Pille erhältlich sein wird, muss sie noch einige Hürden überwinden und sich in großangelegten Studien beweisen. Experten Schätzen, dass noch einige Jahre vergehen werden, bis sie in Indonesien auf den Markt kommt. Wann sie es zu uns in den Westen schafft, hängt ebenfalls von der Studienlage ab. Mindestens zehn Jahre wird es wohl noch dauern. 

 

Quellen: