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Einsatz von Ananas-Extrakt bei Kindern

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Geschrieben von Dr. med. Tim Hollstein , Arzt
Zuletzt aktualisiert am 22.04.2017

Das Ananas-Extrakt Bromelain hat sich zur Behandlung von Prellungen und Verstauchungen etabliert. Bei Kindern wird es jedoch äußerst selten eingesetzt, nicht zuletzt weil Bromelain in dieser Altersgruppe bisher kaum untersucht ist. Eine neue Studie verschafft Abhilfe.

Der Gedanke an das leckere Fruchtfleisch einer reifen Ananas kann einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Doch die ursprünglich aus Amerika stammende Frucht lässt sich nicht nur pur verzehrt, in Scheibchen auf einer Hawaiipizza oder als schmückende Garnitur eines Cocktails genießen. Vielmehr besitzt sie auch heilende Kräfte. Das Extrakt „Bromelain“ aus dem Strunk der Ananaspflanze wird schon seit Jahrzehnten zur Behandlung von Prellungen, Verstauchungen und Entzündungen der Nasennebenhöhlen eingesetzt. Die abschwellende, entzündungshemmende und blutverdünnende Wirkung wird den Cystein-Proteasen zugeschrieben. Eine kürzlich veröffentliche Studie konnte zeigen, dass sie das Immunsystem beeinflussen und dadurch Entzündungen abmildern. Von dieser Wirkung profitiert nicht nur die Sportmedizin, in der Bromelain gerne neben Kältetherapie und herkömmlichen Schmerzmitteln verabreicht wird. Auch im Alltag kann Bromelain wahre Wunder bewirken, insbesondere bei Kindern, die sich oft stoßen oder mal den Fuß umknicken. Das Medikament ist jedoch nur ab 12 Jahren offiziell zugelassen. Für jüngere Kids gab es bisher zu wenige Daten, daher musste eine neue Studie her.

Optimale Verträglichkeit

In der von 2010 bis 2011 in Deutschland durchgeführten Beobachtungsstudie nahmen 41 Ärzte teil. Sie sollten die Verschreibung von Bromelain in Tablettenform bei Kindern dokumentieren und die Wirksamkeit bewerten. Insgesamt wurde Bromelain in 219 Fällen ca. 10 Tage lang verschrieben, zumeist bei Kindern jünger als 12 Jahre. Die Ärzte verordneten das Medikament in aller Regel bei Prellungen, Verstauchungen und Knochenbrüchen, Nasennebenhöhlenentzündungen und nach Operationen. Im ersten Schritt bewerteten Ärzte und Patienten die Verträglichkeit. Neun von zehn Kindern haben das Medikament einwandfrei vertragen. Nur in fünf Prozent der Fälle wurde die Verträglichkeit als akzeptabel bezeichnet.

Kinder haben weniger Beschwerden

Im zweiten Schritt wurde die Wirksamkeit von Bromelain beurteilt. Fast jedes Kind klagte nach Einnahme von Bromelain über weniger Beschwerden. Generell wurde von den Kindern bzw. deren Eltern die Therapie mit dem Ananasextrakt in vier von fünf Fällen als sehr gut bzw. gut bewertet. Die Ärzte waren ähnlicher Ansicht. Die Hälfte von ihnen beurteilte die Wirksamkeit als sehr gut. Ein Drittel der Mediziner stellte eine gute Wirksamkeit fest. Nur in drei Fällen wurde die Behandlung mit Bromelain als schlecht eingestuft. In nahezu jedem Fall würden die Ärzte das Präparat wieder einsetzen.

Ärzte setzen Bromelain nur zögerlich ein

Trotz der positiven Ergebnisse dieser Studie wird Bromelain bisher nur sehr selten verschrieben. Ein Grund ist die Schluckbarkeit bzw. die Tablettengröße. Viele Kinder nehmen die recht großen Pillen ungern ein. Säfte, Pellets oder Minitabletten könnten hier Abhilfe verschaffen, müssten jedoch entwickelt werden. Ein anderer Faktor des zögerlichen Einsatzes von Bromelain ist der zu geringe wirtschaftliche Anreiz für Pharmaunternehmen, den Wirkstoff weiter zu erforschen und neue Medikamente auf den Markt zu bringen. Es mangelt insbesondere an aufwendigen Placebo-kontrollierten Studien, die aufgrund enormer Kosten nicht durchgeführt werden. Sie sind allerdings für einen lupenreinen Wirknachweis und die Zulassung neuer Medikamente erforderlich. Hier müsste der Gesetzgeber einspringen und Studien an Naturheilmitteln wie dem Extrakt der Ananaspflanze fördern, um eine breite Anwendung in der Medizin sicherzustellen.

Quellen:
  • Meiser P. Bromelain in der Kinder- und Jugendmedizin. Zeitschrift für Phytotherapie 2012; 33: 210–214
  • Müller S, März R, Schmolz M et al., Placebo-controlled randomized clinical trial on the immunomodulating activities of low- and high-dose bromelain after oral administraton – new evidence on the antiinflammatory mode of action of bromelain. Phytother Res 2012; doi: 10.1002/ptr.4678
  • Berg A. Bromelain – Übersicht und Diskussion zur therapeutischen Anwendung und seiner Bedeutung in der Sportmedizin und Sporttraumatologie. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, Jahrgang 56, Nr. 1 (2005)
  • Wiesenauer et al. PhytoPraxis (2008). Springer Verlag