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Nervosität, Unruhe

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Geschrieben von Dr. med. André Lauber , Arzt und Fachjournalist
Zuletzt aktualisiert am 06.07.2015
Nervosität, Unruhe

Nervosität und innere Unruhe sind meist Symptome von Stress, können aber auch durch körperliche oder psychische Erkrankungen verursacht werden. Kurzfristiger Stress richtet im Körper keinen bleibenden Schaden an, denn die meisten Menschen sind in der Lage, ihn zu verarbeiten. Sind Nervosität und Unruhe allerdings ständige Begleiter im Alltag oder führen zu dauerhaften Schlafstörungen, muss die Ursache gesucht und behandelt werden.

Nervosität und innere Unruhe - was steckt dahinter?

Innere Unruhe und Anspannung zeigen sich nach außen oft symptomatisch als Händezittern, Schweißausbruch, Herzrasen, schnelles Atmen und Angst. Menschen mit diesen Symptomen sind sozusagen »auf der Flucht«. Verantwortlich dafür ist das menschliche Stresssystem.

Nervosität und innere Unruhe im Überblick:
  • Neben Stress können auch Krankheiten wie Depressionen, Schilddrüsenüberfunktion und psychische Störungen ursächlich sein
  • Innere Unruhe und Anspannung zeigt sich nach außen über Symptome wie Händezittern, Schweißausbruch, Herzrasen, schnelle Atmung und Angst.
  • Lang andauernde Stressreaktionen schaden dem Körper. Es kommt zu Bluthochdruck, Magen-Darm-Beschwerden, Herzprobleme, Burn-out und depressiven Verstimmungen.
  • Wann bei Nervosität und innerer Unruhe eine genaue Abklärung sinnvoll ist, hängt vom Leidensdruck des Patienten ab. Dauern die Symptome mehrere Wochen an und belasten das tägliche Leben, sollte die Ursache gesucht werden.
  • Bei kurzfristigem Stress lindern pflanzliche Arzneimittel (Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel, Passionsblume und Johanniskraut) die Beschwerden zuverlässig.

Das Stresssystem besteht aus dem vegetativen Nervensystem, dem sogenannten Sympathikus, sowie verschiedenen Hormonen (Adrenalin, Kortisol, Schilddrüsenhormone). Seine Aufgabe ist es, bei Bedrohungen das Überleben durch Kampf oder Flucht zu sichern. Lebensbedrohende Situationen sind in der modernen Gesellschaft natürlich selten geworden. Dennoch sind die körperlichen Mechanismen der Stressreaktion die gleichen wie bereits vor Jahrtausenden.

Der moderne Mensch kann Stress kaum noch mit »fight or flight« (Kampf oder Flucht) abbauen. Der Körper stellt unter starker Belastung Energie für die Muskeln zur Verfügung (mehr Zucker im Blut), erhöht Herzschlag und Atemfrequenz und bremst das Immunsystem sowie die Ausscheidung über Nieren und Darm. Ist die Stresssituation vorüber, normalisiert sich der Stoffwechsel.

Bleibt die Anspannung jedoch bestehen und kann nicht abgebaut werden, reagiert der Betroffene darauf mit innerer Unruhe und Nervosität. Mit der Zeit manifestiert sich die Stressreaktion im Körper und richtet erheblichen Schaden an: Bluthochdruck, Magenschmerzen, Verdauungsstörungen, Herzprobleme, Burn-out und Depressionen sind die Folgen.

Ursachen und Symptome

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Nervosität und innere Unruhe sind oft Zeichen von Stress und Angst. Ursachen sind oft klassische Belastungssituationen: Prüfungen, der Antritt einer neuen Arbeitsstelle oder ungewöhnliche Lebenssituationen belasten Körper und Psyche. Dauern diese Umstände nur kurz an, lässt die Unruhe in der Regel schnell nach und bleibt ohne Folgen für die Gesundheit.

Länger andauernde Stress-Situationen wie Überbelastung bei der Arbeit, der Verlust eines Angehörigen oder Mobbing führen körperlichen Reaktionen und nachhaltigen Beeinträchtungen. Die Betroffenen sind dauerhaft nervös und angespannt, sie schlafen schlecht, leiden unter Kopfschmerzen oder Verdauungsstörungen.

Nervosität kann auch Symptom folgender Krankheiten sein:

Weitere Auslöser für Nervosität und innere Unruhe sind die Wechseljahre der Frau, Nikotinentzug bei Rauchentwöhnung oder Folgen von Drogen- und Alkoholmissbrauch. Bei unruhigen, nervösen Kindern könnte eine Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) vorliegen.

Manchmal kann auch ein Mineralstoffmangel zu Unruhe und Übererregbarkeit beitragen. Magnesium ist ein Spurenelement, das sehr wichtig ist für die Nerven- und Muskelarbeit des Körpers. Mehr dazu auf unserem Partnerprojekt, dem Magnesium-Ratgeber.

Je nach Ursache zeigen Betroffene auch andere Symptome: Überforderung in der Schule oder am Arbeitsplatz führt oft zu Schlafstörungen mit daraus folgender Konzentrationsschwäche sowie Tagesschläfrigkeit.

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse kommen Händezittern, Schweißausbrüche, hoher Puls und Gewichtsverlust hinzu. Bei Kindern mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) entlädt sich die Unausgeglichenheit oft in Aggressivität und Bewegungsdrang. Bei nervösen, unruhigen Menschen im fortgeschrittenen Alter sollte man an Demenz oder Medikamenten-Nebenwirkungen denken. Vor allem Präparate gegen Bluthochdruck und Herzkrankheiten können Nervosität als Nebenwirkung haben. Bei älteren Menschen kann innere Unruhe paradoxerweise auch nach der der Einnahme von Beruhigungsmitteln auftreten.

Nicht jede Belastung führt zu innerer Unruhe, Nervosität oder Krankheit. Stress, mit dem man zurechtkommt, empfindet man oft vielmehr als Herausforderung und Motivation zu mehr Leistung (Eustress). Erst wenn die Belastung zu groß wird (Disstress), reagiert der Betroffene mit Frust und Krankheit.

Diagnose - wann zum Arzt?

Dauern die Symptome mehrere Wochen an, trüben nachhaltig die Lebensfreude und Leistungsfähigkeit im Alltag, sollte unbedingt gemeinsam mit einem Arzt die Ursache abgeklärt werden. Wird ein Arzt hinzugezogen, wird dieser wissen wollen, seit wann die Unausgeglichenheit des Patienten bereits besteht und ob diese möglicherweise auf belastende Lebensumstände zurückzuführen ist. Zusätzlich werden organische Ursachen in Betracht gezogen. Eine Blutuntersuchung liefert Hinweise auf Hormonstörungen (Diabetes mellitusSchilddrüsenüberfunktion) sowie Leberkrankheiten. Wichtige Anhaltspunkte geben auch Begleitsymptome wie DurchfallKopfschmerzen, Herzrasen oder Schlafprobleme.

Die Behandlung von Nervosität und innerer Unruhe hängt von der Ursache ab. Behandelt man zum Beispiel die Überfunktion der Schilddrüse, so verschwinden auch die Symptome. Kurzfristiger Stress, zum Beispiel durch Prüfungssituationen, können in der Regel durch die beruhigenden Effekte pflanzlicher Arzneimittel gut gelindert werden. 

Baldrian, Hopfen & Co. - Heilpflanzen für die innere Balance

Vor allem, wenn man zum Beispiel in Prüfungsphasen mit intensiven Stressperioden zu kämpfen hat und das innere Gleichgewicht gefährdet ist, sind natürliche Beruhigungsmittel eine gute Alternative. Pflanzliche Wirkstoffe sorgen für einen sanften Cool down der Psyche. Und das ganz ohne Nebenwirkungen. Gegen Nervosität und Unruhe hält der Kräutergarten eine Menge nützlicher Pflanzen bereit. Am wirkungsvollsten sind die folgenden Vertreter, die teilweise schon seit Jahrtausenden medizinische Anwendung finden.

Baldrian
Baldrian (Katzenkraut) wirkt gut bei Unruhe und Einschlafstörungen. Als Medikament wird die getrocknete Wurzel verwendet und als Tinktur, Tee oder in Form von Kapseln angeboten. Baldrianwurzel-Extrakte können auch vorbeugend vor Prüfungen oder anderen Stress-Situationen eingenommen werden.
 
Hopfen
Hopfen fördert den Schlaf und beruhigt. Hopfentee oder -extrakt kann auch bei Menstruations- und Wechseljahrbeschwerden helfen. Hopfenzapfen lässt sich bei Schlafstörungen gut mit Baldrian kombinieren. Fertige Präparate erhalten Sie in der Apotheke.
 
Melisse
Bei Unruhe mit Magen-Darm-Beschwerden (Blähungen, Krämpfe) empfiehlt sich der Einsatz von Melissenblätter-Extrakt. Melisse wirkt dank seiner antiviralen (gegen Viren) Eigenschaften auch bei Fieberbläschen. Melissenblätter werden zur Beruhigung meist mit anderen Wirkstoffen wie Passionsblume oder Baldrian kombiniert.
 
Lavendel
Lavendelblüten wirkt ähnlich wie Melisse bei Unruhe und Nervosität mit Magen-Darm-Beschwerden. Es setzt in verschiedenen Bereichen des Körper beruhigend an, vor allem hat Lavendel aber eine beruhigende Wirkung auf das Zentrale Nervensystem. Lavendel wird in Tees und Badezusätzen häufig mit Melisse kombiniert.
 
Passionsblume
Dem Passionsblumenkraut sagt man eine beruhigende Wirkung nach. Passionsblumenkraut wird bei Spannungs- und Unruhezuständen alleine oder in Kombination mit anderen beruhigenden Heilpflanzen verwendet, zum Beispiel mit Baldrian, Melisse oder Hopfen.
 
Johanniskraut
Mit Johanniskraut lassen sich depressive Verstimmungen behandeln, die oft zusammen mit innerer Unruhe und Schlafstörungen auftreten. Das Präparat muss während einer längeren Zeit eingenommen werden, da die Wirkung von Johanniskraut erst nach zwei bis vier Wochen einsetzt. Patienten, die nebst Johanniskraut-Präparaten noch andere Medikamente einnehmen, sollten ihren Arzt informieren, da es zu Wechselwirkungen kommen kann.
 
Wann zum Arzt?

Wenn Sie bei sich oder einem ihrer Angehörigen die folgenden Symptome bemerken, ist eine ärztliche Untersuchung ratsam:

  • Nervosität, innere Unruhe und Schlafprobleme während mehrerer Wochen
  • Aggressivität und Konzentrationsmangel bei Kindern
  • Hoher Gewichtsverlust, starkes Händezittern und Schwitzen
  • Starke Erregungszustände und Verwirrtheit
  • Weinkrämpfe ohne offensichtlichen Anlass
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   Pflanzliche Medikamente bei Nervosität, Unruhe:
* Hinweis
Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

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Studien zu Nervosität, Unruhe

Studientitel
Effect of a fixed valerian-Hop extract combination (Ze 91019) on sleep polygraphy in patients with non-organic insomnia: a pilot study (und weitere 1 Studie)
Jahr
2000, 1998
Kurzinfo
Eine Reihe von Forschungsgruppen hat untersucht, wie wirksam der Doppelpack aus diesen beiden Pflanzen wirklich ist. Die Extrakte der Baldrianwurzel werden seit alters her zur Behandlung von Krankheiten  Mehr...wie z.b. Schlafstörungen genutzt. Häufig vermischte man sie schon damals mit anderen Heilpflanzen, wie etwa Hopfen oder Melisse, um eine noch wirkungsvollere Arznei zu erhalten. Hopfen selbst hat als Mittel gegen Nervosität, depressive Verstimmung und Schlafstörungen ganzen Generationen geholfen. Auch heute noch sind Kombinationspräparate aus Baldrian und Hopfen beliebt und werden von zahlreichen Personen wegen ihrer lindernden Wirkung sehr geschätzt.
Studientitel
Relaxing effects of Valeriana officinalis extracts on isolated human non-pregnant uterine muscle (und weitere 2 Studien)
Jahr
2009, 2007, 2003
Kurzinfo
Nicht nur schlaffördernd und die Seele beruhigend, auch muskelentspannend wirkt die Pflanze. Neben seinen eher populären Anwendungen gelten die Extrakte der Baldrianwurzel seit jeher auch als krampflösend  Mehr...und somit wirksam bei Magen-Darmkrämpfen, Herzrasen, Bluthochdruck und anderen Kreislaufbeschwerden. Eben dieser Wirkung nahm sich eine Reihe von Forschern in den letzten Jahren an. Sie konnten dabei zeigen, dass der Baldrian seinem alten Ruf manchmal verblüffend nahe kommen kann.
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