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Gallenbeschwerden (funktionelle Störungen der Gallenblase und Gallenwege)

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Geschrieben von 2011-02-10
Zuletzt aktualisiert am 2019-05-2121.05.2019
Gallenbeschwerden (funktionelle Störungen der Gallenblase und Gallenwege) Fotolia_©-lom123

Beschwerden der Gallenblase und der Gallenwege werden häufig nicht als solche erkannt, weil ihre Symptome vielen anderen Beschwerdebildern ähneln. Auch wenn keine organische Ursache hinter dem Symptomkomplex steht, erleben Betroffene die Auswirkungen von Gallenbeschwerden als unangenehm und belastend. Sie können jedoch selbst viel tun, um Krankheitsauslöser zu identifizieren und Schmerzzustände zu reduzieren. Was Sie darüber wissen sollten, verrät Ihnen der Artikel.

Gallenbeschwerden im Überblick:
  • Funktionelle Gallenbeschwerden beruhen nicht auf organischen Störungen, sondern haben oft psychische Ursachen, die die Betroffenen als körperliche Beschwerden erleben.
  • Häufigste Ursache ist ein verminderter Gallenfluss und verminderte Gallenausschüttung in den Dünndarm.
  • Die fehlenden Gallensäuren im Darm verursachen Übelkeit, Völlegefühl und Fettstühle, vor allem nach fettreichen Mahlzeiten. Die Betroffenen erleben Gallenkoliken (krampfartige Oberbauchschmerzen.
  • Die Diagnose beruht auf dem Ausschluss anderer Krankheiten wie Gallensteinleiden, Gallenblasenentzündung, Reizmagen oder Reizdarm.
  • Krampflösende und schmerzlindernde Maßnahmen wie Wärme, synthetische und pflanzliche Medikamente und Entspannungsverfahren helfen zur Linderung der Symptome.
  • Bei länger bestehenden Beschwerden ohne erkennbare Ursache kann eine psychotherapeutische Behandlung zusätzlich hilfreich sein.

Die Gallenblase: Wo liegt sie und welche Funktionen erfüllt sie?

Umgangssprachlich wird der Begriff „Galle” oft für die Gallenblase verwendet – das ist jedoch nicht richtig, da er eigentlich nur die Gallenflüssigkeit bezeichnet. Die Gallenblase ist ein etwa 8 bis 10 cm langes und 4 bis 5 cm breites birnenförmiges Hohlorgan, das unterhalb der Leber liegt und teilweise mit dieser verwachsen ist.

Sie speichert die Gallenflüssigkeit, die von den Zellen der Leber gebildet wird. Ein Großteil davon wird direkt in den Dünndarm abgegeben. Zwischen den Mahlzeiten leitet die Leber die produzierte Gallenflüssigkeit über das Gallengangsystem in die Gallenblase. Hier werden ihr Wasser und Salze entzogen und sie verdickt sich dadurch um etwa das Zehnfache.

Aus der Gallenblase gelangt sie schließlich in den Zwölffingerdarm, wo sich einige ihrer Bestandteile mit aufgespaltenen Nahrungsfetten zu sogenannten Mizellen verbinden. Diese Mizellen, das sind Körnchen aus unterschiedlich lösbaren Bestandteilen, ermöglichen die Aufnahme von Fetten im Darm.

Zusätzlich fungiert die Gallenflüssigkeit auch als wichtige Ausscheidungsflüssigkeit: Über sie werden u.a. verstoffwechselte Hormone abtransportiert. Im äußersten Abschnitt des Dünndarms wird die Gallensäure aus dem Darm entfernt und in die Leber zurücktransportiert, wo sie wieder für den Kreislauf der Fettverdauung zur Verfügung steht.

Symptome: Woran erkenne ich Gallenschmerzen und wie fühlt sich das an?

Beschwerden, die von der Gallenblase ausgehen, sind oft nicht eindeutig zuzuordnen. Folgende Symptome können bei Gallenbeschwerden auftreten:

  • Diffuse Schmerzen im rechten Oberbauch, die an Magen- oder Darmbeschwerden erinnern
  • Allgemeines Unwohlsein
  • Übelkeit
  • Völlegfühl und/oder Blähungen
  •  

    Ein anfallsartig auftretender, dumpfer und von Krämpfen begleiteter Schmerz im Bereich der Gallenblase wird als Gallenkolik bezeichnet. Ihr liegt meist ein durch einen Gallenstein verursachter Rückstau der Gallenflüssigkeit zugrunde.

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    Ursachen: Wie kommt es zu Gallenbeschwerden?

    „Mir kommt die Galle hoch!“ heißt es im Volksmund. Doch eigentlich werden Gallenbeschwerden häufig durch einen verminderten Gallenfluss verursacht. Als Ursache kommt neben einer Verlegung der Gallenwege durch Gallensteine oder einer Entzündung der Gallenblase die sogenannte Gallenwegsdyskinesie in Frage.

    Gallenwegsdyskinesie

    Dabei handelt es sich um eine funktionell bedingte Störung der Beweglichkeit der Gallenblase oder der Gallenwege. Dadurch kommt es zu einer verminderten Abgabe von Gallenflüssigkeit, die die typischen Beschwerden verursacht. Nicht immer ist die Ursache dafür eine organische Erkrankung wie etwa Gallensteine (Cholelithiasis) oder eine Gallenblasenentzündung (Cholezystitis).

    Störung der Muskelfunktion

    Neben der eingeschränkten Funktion der Gallenblase oder der Gallengänge selbst ist häufig die Funktion des Sphinkter Oddi gestört. Das ist ein Muskel, der für die Eigenbeweglichkeit der Ausführungsgänge von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse verantwortlich ist. Als Folge dieser Störung gelangt zu wenig Galle in den Dünndarm.

    Verminderte Gallenproduktion durch Lebererkrankungen

    Die verminderte Produktion von Gallenflüssigkeit ist eine weitere mögliche Ursache für Gallenbeschwerden. Ursache dafür sind meist Erkrankungen der Leber: Die Leberzellen sind dann nicht mehr in der Lage, ausreichend Gallenflüssigkeit zu produzieren und in die Gallenblase abzugeben.
    Dies führt zu Problemen bei der Fettverdauung, denn die Gallensäuren in der Gallenflüssigkeit dienen der Fettverdauung im Dünndarm.

    Einfluss der Ernährung

    Schließlich spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Reizstoffe wie fettes Essen, Hülsenfrüchte, Kaffee, Alkohol oder Zigaretten können den Gallenfluss negativ beeinflussen und die Bildung von Gallensteinen fördern.
    Eine Ernährungsumstellung und der Verzicht auf Genussmittel ist deshalb bei Gallenbeschwerden unklarer Ursache oft eine hilfreiche erste Maßnahme. In sehr seltenen Fällen kann auch ein Tumor Ursache für das Verlegen der Gallenwege sein.

    Psychosomatische Gallenbeschwerden

    Wie beim Reizmagen oder Reizdarm treten Gallenbeschwerden oft in Verbindung mit Stress, innerer Unruhe oder psychischen Belastungen auf.

    Auslöser dafür sind die vielfältigen Funktionen des vegetativen (autonomen) Nervensystems, das über eng verbundene Zentren im Gehirn für die Regulierung unseres Verdauungssystems ebenso verantwortlich ist wie für die Steuerung unserer Gefühle.

    Gallenbeschwerden ohne Befund – woran kann das liegen?

    Oberbauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit und Krämpfe können auch ohne jede erkennbare organische Ursache auftreten.
    Ärzte und Ärztinnen sprechen dann von einer somatoformen Störung. Dabei handelt es sich um Beschwerdebilder, die bei den betroffenen Patienten und Patientinnen beträchtliches Leid verursachen und eine starke Einschränkung der alltäglichen Lebensführung zur Folge haben. Die Behandlung dieser „Krankheiten ohne Befund” erfordert ein besonders vertrauensvolles Verhältnis und eine gute Gesprächsbasis zwischen Arzt/Ärztin und Patient/in, um Missverständnisse zu vermeiden und unterschiedliche Ansichten über Ursachen der Beschwerden abzuklären.

    Tipp für Betroffene:
      Achten Sie bei der Wahl des behandelnden Arztes, der behandelnden Ärztin neben der fachlichen Kompetenz auch auf eine Zusatzqualifikation in psychosomatischer Medizin. Diese kann dazu beitragen, die Behandlungsqualität und Patientenzufriedenheit zu erhöhen und eine Chronifizierung der Beschwerden zu verhindern.

    Zu Problemen, die jenen von Gallenbeschwerden ähneln, kann es auch durch eine operative Entfernung der Gallenblase kommen. Man spricht dann von einem Postcholezystektomiesyndrom. Darunter verstehen Ärzte und Ärztinnen die Beschwerden und Symptome, die zur Entfernung der Gallenblase geführt haben, sofern sie danach weiter bestehen.
    Es kann aber auch ein Beschwerdebild sein, das erst durch die Operation (Cholezystektomie) verursacht wurde. Bei korrekter Diagnose sollten nach chirurgischer Entfernung der Gallenblase an sich keine weiteren Beschwerden bestehen, da die Aufgaben der Gallenblase schon nach einigen Wochen vollständig von der Leber übernommen werden.

    Mögliche Ursachen für weiterhin bestehende Beschwerden sind:

  • Gallensteine in den Gallenwegen
  • Verengungen der Gallenwege
  • Verengung im Mündungsbereich des gemeinsamen Ausführungsganges von großem Gallengang und Bauchspeicheldrüsengang
  • andere oder neu auftretende Erkrankungen wie Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), Reizdarmsyndrom oder Geschwüre von Magen- oder Darmschleimhaut
  • Diagnostik bei Gallenbeschwerden

    Die Symptome funktioneller Gallenbeschwerden sind dem Gallensteinleiden sehr ähnlich: Es kann im Verlauf der Erkrankung zu Gallenkoliken mit krampfartigen Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit, Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit kommen. Meist tritt fettiger Stuhlgang auf. Häufig stellen sich die Beschwerden nach fettigem Essen ein.

    Zur Diagnose von Gallenbeschwerden werden Krankheiten ausgeschlossen, die ähnliche Symptome verursachen können wie:

  • Cholezystitis (Entzündung der Gallenblase)
  • Cholelithiasis (Gallensteine)
  • Erkrankungen von Magen und Zwölffingerdarm (Reizmagen- oder Reizdarmsyndrom)
  • Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
  • Herzinfarkt
  • Lungenembolie
  • Refluxkrankheit
  • Magenentleerungsstörung
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Laktoseintoleranz
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Stoffwechselstörungen
  • Bakterielle Fehlbesiedelung des Darms
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs, Speiseröhren- oder Magenkrebs
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    Anamnese bei Gallenbeschwerden

    Zur Diagnosestellung wird der Arzt, die Ärztin außerdem ein ausführliches Gespräch führen, um Hinweise auf Vorerkrankungen und Risikofaktoren zu erfassen. Dazu zählen:

  • Gallenwegerkrankungen oder andere Krankheiten und Operationen in der Vorgeschichte,
  • Ernährungsgewohnheiten,
  • Alkoholkonsum oder Tabakrauchen,
  • Medikamenteneinnahme und Allergien,
  • belastende Lebensereignisse, Stress, chronische psychische Belastungen.
  •  

    Untersuchungen bei Gallenbeschwerden

    Die anschließende körperliche Untersuchung des Bauches dient dazu, Schmerzen zu lokalisieren, eventuelle Verhärtungen zu ertasten und so Hinweise auf mögliche andere Erkrankungen des Bauchraumes zu finden. Durch eine Blutuntersuchung im Labor lassen sich schließlich Leber- und Bauchspeicheldrüsenwerte bestimmen, die auf einen Rückstau von Gallenflüssigkeit hinweisen.

    Bei Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung kommen eine Ultraschalluntersuchung, ein Röntgen mit Kontrastmittel oder eine Computertomographie zur Abklärung in Frage. Mögliche Gallensteine oder eine Gallenblasenentzündung sieht man am besten im Ultraschall.

    Eine Sphinkter-Oddi-Dysfunktion lässt sich mittels Manometrie (physikalischer Druckmessung) während einer Darmspiegelung messen. Ein weiteres spezifisches Verfahren ist die ERCP (endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie, Darstellung der Gallenweggänge im Röntgenbild mit Kontrastmittel). Beide Untersuchungsmethoden sind jedoch risikoreich für den Betroffenen und sollten nur in Notfällen eingesetzt werden. Wichtiger sind das verständnisvolle ärztliche Gespräch und die Aufklärung über mögliche psychische Ursachen der Krankheit.

    Therapie: Wie werden Gallenbeschwerden behandelt?

    Zur Linderung akuter Symptome sind krampflösende und schmerzlindernde Medikamente Mittel der ersten Wahl. Vielen Betroffenen helfen auch Wärme und Ruhe: Eine Wärmeflasche auf dem Bauch oder die Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe sorgen für Entspannung und lösen Verkrampfungen.

    Treten die Beschwerden vor allem nach dem Essen auf, ist eine Nahrungsumstellung auf fettreduzierte Kost empfehlenswert. Zusätzlich lassen sich stressbedingte Gallenbeschwerden auch durch die Anwendung von Entspannungsverfahren zum Stressabbau reduzieren.

    Was Sie selbst tun können:
    • Gewichtsreduzierung bei Übergewicht – BMI unter 25 anstreben
    • Gut gewürzte Speisen helfen bei der Verdauung und regen den Gallenfluss an: Verwenden Sie Ingwer, Kurkuma und asiatische Curry-Mischungen zur Zubereitung
    • Zigarettenrauchen und Alkoholkonsum reduzieren oder möglichst ganz vermeiden
    • Änderung des Lebensstils, Stressbewältigung

    Beschwerden, die durch starke psychische Belastungen ausgelöst werden, eignen sich nicht zur Selbstbehandlung. Vermuten Sie solche Belastungen als Auslöser oder Mitverursacher Ihrer Beschwerden, sollten Sie eine kombinierte medizinische und psychotherapeutische Behandlung in Erwägung ziehen

    Operationen

    Selten wird eine Durchtrennung des Sphinkter-Oddi-Muskels (Sphinkterotomie) durchgeführt. Diese endoskopische Methode ist mit einem hohen Risiko für Bauchspeicheldrüsenentzündung verbunden. Sie sollte deshalb in spezialisierten Zentren und nur bei diagnostizierter Sphinkter-Oddi-Verengung durchgeführt werden, nicht jedoch bei rein funktionellen Beschwerden.

    Psychotherapie

    Erster Ansprechpartner bei psychischen Belastungen ist die Hausärztin oder der Hausarzt. In der Hausarztpraxis lassen sich organische Ursachen der Beschwerden erkennen oder ausschließen, und falls das sinnvoll erscheint, kann eine geeignete psychotherapeutische Behandlung verordnet werden.

    Wann zum Arzt:

    Wenn Sie bei sich oder einem ihrer Angehörigen die folgenden Symptome bemerken, ist eine ärztliche Untersuchung ratsam:

    • Bei wiederholten krampfartigen Schmerzen im Oberbauch (Gallenkolik).
    • Hält eine Gallenkolik länger als fünf Stunden an so muss allerspätestens der Arzt aufgesucht werden.
    • Bei Übelkeit und Völlegefühl nach dem Genuss fetter Speisen.
    • Bei Ikterus (Gelbsucht, Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten; Entfärbung des Stuhls) und Fieber.

    Pflanzliche Hilfe bei Gallenbeschwerden

    Gallensteine, die operiert werden müssen, Gallenblasenentzündung oder ein Gallenstau innerhalb der Leber (bei Lebererkrankungen) müssen schulmedizinisch behandelt werden! Möglicherweise können dann unterstützend pflanzliche Wirkstoffe eingesetzt werden.

    Funktionelle Störungen der Gallenblase und Gallenwege sprechen sehr gut auf eine alleinige Behandlung mit Heilpflanzenextrakten an. Die Behandlung mit pflanzlichen Wirkstoffen ist hier gegenüber den synthetischen Medikamenten oft die bessere Alternative. Auch zur Vorbeugung von Gallensteinen und Gallengrieß und zur Nachbehandlung einer operativen Gallenblasenentfernung können Heilpflanzen ihre positive Wirkung entfalten:

    • Steigerung der Gallenproduktion (Cholerese)
    • Steigerung der Gallenausscheidung (Cholezystokinese)
    • Krampflinderung (Spasmolyse)
    • Verdauungsanregung und Linderung von Beschwerden wie Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit (bei Dyspepsie)
    • Entzündungshemmung
    • Wirksamkeit gegen Bakterien
    Hilfe auf einen Blick:
    • Artischockenblätter enthalten ein Gemisch an Bitterstoffen, das gallentreibend und krampflindernd wirkt. Besonders nach fettreichen Mahlzeiten erleichtert Artischockenblätter-Extrakt als Kapseln, Dragees oder Frischpresssaft die Verdauung.
    • Gelbwurz wird in Indien und Indonesien als Küchengewürz und Leber- und Gallentee geschätzt. Seine Curcuminoide wirken gallentreibend. Hierzulande ist Gelbwurz bzw. Curcuma auch als Fertigpräparat erhältlich.
    • Erdrauchkraut lindert Bauchkrämpfe – bei Gallenkoliken kann die alkaloidhaltige Heilpflanze Abhilfe verschaffen – als Tee oder Tabletten aus der Apotheke.

    Bitterstoffe für mehr Galle

    Artischocke

    Artischockenblätter enthalten vorwiegend Bitterstoffe als wirksame Inhaltsstoffe. Artischockenblätter-Extrakt hat viele Talente: Er senkt erhöhte Blutfette (Cholesterinsenker), schützt und regeneriert die Leber und wirkt antioxidativ. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Artischockenblättern ist die Steigerung der Galleproduktion und Gallenausscheidung. Das merkt man spürbar nach einem fetten Essen – Artischockenblätter-Extrakt erleichtert die Fettverdauung und lindert Symptome wie Völlegefühl, Übelkeit und Druckgefühl im Oberbauch. Auch eine leicht krampflindernde Wirkung haben Artischockenblätter.

    Als Gemüse zubereitet sind jedoch nicht genug Wirkstoffe vorhanden. Am besten nimmt man für medizinische Zwecke Fertigpräparate in Form von Dragees oder Kapseln, oder den Artischockenblätter-Frischpresssaft aus der Apotheke.

    Löwenzahn

    Gelb wie Galle blüht der Löwenzahn auf unseren heimischen Wiesen, bevor er den Kindern als Pusteblume Freude bereitet. Als Heilpflanze hat er eine lange Tradition in der antiken Medizin und Volksheilkunde.

    Auch Löwenzahnwurzel und Löwenzahnkraut enthält viele Bitterstoffe. Neben seiner galletreibenden Eigenschaft hat er eine entwässernde Wirkung. Löwenzahnwurzel und –kraut kann bei Störungen des Galleflusses, Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Blähungen eingesetzt werden. Dafür steht der Frischpflanzenpressaft oder eine Tinktur zur Verfügung.

    Schafgarbe

    Als Heilpflanze besaß die Schafgarbe im Altertum vor allem in der Wundbehandlung einen hohen Stellenwert. Ihr Name entstammt der Beobachtung, dass kranke Schafe das Kraut vermehrt fressen.

    Die Bitterstoffe im Schafgarbenkraut mit -blüten, aber auch ihr ätherisches Öl und Flavonoide erklären seine gallentreibende, bakterienhemmende, krampflindernde und appetitanregende Wirkung. Wegen seiner entkrampfenden Wirkung kann Schafgarbenkraut-Extrakt sowohl bei Regelschmerzen oder Verdauungsstörungen mit Bauchkrämpfen und leichten Gallenkoliken hilfreich sein.

    Der Frischpflanzenpressaft oder die Tinktur sind bei Gallenbeschwerden zu bevorzugen. Für einen krampflindernden Teeaufguss nimmt man 2 gehäufte Teelöffel geschnittenes Schafgarbenkraut aus der Apotheke, übergießt es mit ¼ Liter kochendem Wasser, lässt es 15 Minuten ziehen; danach abseihen und in kleinen Schlucken trinken. Ein Sitzbad mit Schafgarbenkraut-Teeaufguss ist wohltuend bei Ober- und Unterbauchkrämpfen.

    Wermut

    Ebenso hochgeschätzt ist das heimische Wermutkraut seit der Antike. Dem Wermutwein wurde nach Völlereien kräftig zugesprochen. Wermutkraut enthält sowohl Bitterstoffe, hauptsächlich Absinthin als auch ätherische Öle, darunter Thujon. Bei Appetitlosigkeit, funktionellen Gallenbeschwerden und zur Förderung der Magensaftsekretion ist es deshalb sehr nützlich.

    Der Gehalt an Thujon sollte jedoch nicht zu hoch sein, da reines Thujon Halluzinationen auslösen kann! In der Apotheke erhält man Fertigpräparate mit geregeltem Thujon-Gehalt. 3 Tassen Wermuttee am Tag oder bis zu 50 Tropfen Wermutkraut-Tinktur sind gallentreibend und verdauungsanregend. Setzt eine Abneigung gegen den Wermutkraut-Extrakt ein, sollte man zu einer anderen Heilpflanze wechseln.

    Medizin aus dem Gewürzregal

    Curcuma und javanische Gelbwurz

    Gelbwurz gehört zu den Ingwergewächsen und ist ein beliebtes Gewürz und Heilmittel im gesamten asiatischen Kulturraum. Man unterscheidet Curcuma, das in Indien als Hauptbestandteil der Curry-Mischungen verwendet wird und die javanische Gelbwurz aus Indonesien und Malaysia. Der „Gelbwurztee“ wird von den Einwohnern Indonesiens statt dem täglichen Kaffee oder Schwarztee genossen. Tatsächlich treten dort in der Bevölkerung weniger Leber- und Gallenkrankheiten auf.

    Beide Gelbwurz-Extrakte enthält Curcuminoide als ätherische Öle. Sie wirken gallentreibend, entzündungshemmend, antioxidativ und schützen die Leber. Gelbwurz-Extrakt wird auch zur Vorbeugung der Sphinkter-Oddi-Dysfunktion nach einer operativen Gallenstein/blasen-Entfernung empfohlen.

    In der Apotheke sind Fertigpräparate erhältlich. Für einen Gelbwurztee nimmt man 1-2 Teelöffel der geschnittenen Wurzel oder des ½ Teelöffel des Pulvers. Mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen. Bei Gallenbeschwerden dreimal täglich 1 Tasse davon trinken.

    Bauchkrämpfe natürlich lindern

    Erdrauch und Schöllkraut

    Erdrauchkraut und Schöllkraut enthalten bei Alkaloide, die eine krampflindernde Wirkung bei Gallenkoliken haben. Im Erdrauchkraut sind sie jedoch niedriger dosiert, was von Vorteil sein kann um eventuell leberschädigende Nebenwirkungen des Schöllkrauts zu vermeiden.

    Schöllkraut blüht gelb und seine Stängel enthalten einen gelben Saft – gelb wie Galle. Vom Schöllkraut sollte man unter ärztlicher Aufsicht nur Fertigpräparate zur Krampflinderung einsetzen und die Tagesdosis von 2,5mg Gesamtalkaloide im Trockenextrakt nicht überschreiten. Vom Erdrauchkraut stehen Tabletten, Dragees und das geschnittene Kraut für einen Teeaufguss zur Verfügung.

    Minze und Pfefferminze

    Minze- und Pfefferminzblätter enthalten Menthol und andere ätherische Öle. Auch sie haben eine krampflindernde Wirkung, jedoch milder als Erdrauchkraut oder Schöllkraut. Innerlich eingenommen können sie leichte Gallenkoliken lösen. Pfefferminztee, gemischt mit Kamillenblütentee, Kau- und Lutschtabletten, Tropfen, Kapseln, Tinkturen – die Auswahl ist groß und kann eine einfach verfügbare, schnelle Hilfe bei milden Beschwerden sein.

    Scharfe Hilfe aus dem Garten

    Rettich

    Nicht jedem schmeckt Rettich – in der Küche wird der „Radi“ erst in Scheiben geschnitten und anschließend gesalzen, um ihm einen Teil der beim Schneiden entstandenen Schärfe wieder zu entziehen.

    Die Scharfstoffe, vornehmlich Senföle, sind jedoch die wirksamen Inhaltsstoffe. Sie regen die Verdauungssäfte an, steigern die Leberdurchblutung und nehmen so Einfluss auf die Leber- und Gallenfunktion. Rettichwurzel wirkt zudem keimhemmend. Bei Gallensteinen darf man Rettichwurzel nicht anwenden. Bei funktionellen Gallenbeschwerden kann der Frischpflanzenpresssaft oder der Genuss der frisch aufgeschnittenen Rettichwurzel die Beschwerden lindern.

    Ein bewährter Gallentee

    Schöllkraut – 3 Teile

    Löwenzahnwurzel mit –kraut – 3 Teile

    Wermutkraut – 3 Teile

    Nach Bedarf und zur Geschmacksverbesserung kann man verdauungsfördernde und appetitanregende Zutaten beimischen wie Fenchelfrüchte, Kümmelfrüchte, Dillfrüchte oder Schafgarbenkraut. 1 Teelöffel der Mischung mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen und 2x täglich nach der Mahlzeit trinken.

    Quellen:
    • Stein J, Wehrmann T (Hrsg.): Funktionsdiagnostik in der Gastroenterologie. Medizinische Standards. 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Frankfurt 2006
    • Hepatologie für die Praxis (G. Pape und B. Göke; Urban & Fischer Verlag)
    • Praxisleitfaden Allgemeinmedizin (S. Gesenhues und R. Ziesché, Urban & Fischer Verlag)
    • Ernährungsmedizin (H. Biesalski, S. Bischoff, Ch. Puchstein; Thieme Verlag)
    • Psychosomatische Grundversorgung (W. Tress; Schattauer Verlag)
    • Leitfaden Phytotherapie (H. Schilcher, S. Kammerer, T. Wegnener; Urban & Fischer Verlag)
    • Pharmakognosie, Phytopharmazie (Hänsel, Sticher; Springer Verlag)
    • Heilpflanzenpraxis heute (S. Bäumler; Urban & Fischer Verlag)
    • Urania Pflanzenreich – Blütenpflanzen 1+2 (Urania Verlag)

    Diese Anzeige wird von der Redaktion gepflegt. Hier werden pflanzliche Wirkstoffe angezeigt, die naturheilkundlich oder laut Schulmedizin bei diesem Krankheitsbild angewandt werden können. Die Angaben können teilweise noch nicht vollständig sein. Die Wirkstoffe können sich in der Extrakt-Form und in der Herstellung unterscheiden. Jegliche verfügbaren Informationen dienen auf DocJones.de dienen der Erstinformation und werden insbesondere nicht von approbierten Ärzten auf ihre Richtigkeit hin überprüft. Sie können daher eine fachmedizinische Diagnose und/oder Behandlung durch einen Arzt nicht ersetzen.

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