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Natürliche Antidepressiva

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Geschrieben von Morgana Hack , Ärztin und Ayurvedaärztin
Zuletzt aktualisiert am 11.09.2013
Natürliche Antidepressiva

Johanniskraut – ein Pflanzenextrakt gegen die Depression

Zur Wirksamkeit von Johanniskraut-Extrakten bei Depressionen liegen heute rund 40 aussagekräftige wissenschaftliche Studien vor. Johanniskraut hat damit eine Sonderstellung unter den Heilpflanzen. Es ist eines der wenigen erstattungsfähigen pflanzlichen Medikamente für die Behandlung einer leichten oder mittelgradigen depressiven Episode. Hier gilt Johanniskraut als ebenbürtig zu chemischen Antidepressiva, die im Vergleich jedoch stärkere Nebenwirkungen haben.

Hilfe auf einen Blick:
  • Johanniskraut-Trockenextrakt zur Behandlung der leichten und mittelgradigen depressiven Episode können sie auf Rezept als Tabletten in der Apotheke kaufen. Die richtige Tagesdosis sind 600 bis 900 mg. Die Einnahme erfolgt über Wochen bis Monate und sollte von einer Psychotherapie begleitet werden.

Johanniskraut

Das leuchtend gelbe Johanniskraut findet man in den Sommermonaten, wenn es auf Wiesen und an Wegesrändern blüht. Zerreibt man die Blütenblätter zwischen den Fingern, so färben sie sich rot. In der Mythologie findet man eine Verbindung des Johanniskrauts zum Blut und den Wunden Christi und zur Sonne. Das spiegelt sich in der Anwendung wieder, denn das rote Johanniskrautöl wird in der Wundbehandlung eingesetzt, das Kraut hingegen, das eine Lichtsensibilisierung bewirkt, zur Behandlung einer Depression.

Johanniskraut eignet sich zur Behandlung von leichten und mittelgradigen Depressionen, einer Winterdepression, Dysthymie, Anpassungsstörungen, Wochenbettdepressionen und depressiven Verstimmungen während der Wechseljahre. Auch bei nervöser Unruhe und Ängsten kann es hilfreich sein. Bei einer schweren depressiven Episode reicht seine Wirksamkeit allerdings nicht mehr aus.

Johanniskraut enthält die Naphtodianthrone Hypericin und Pseudohypericin, ferner Hyperforin, Flavonoide und Biflavone, Catechingerbstoffe und Xanthone. Die medizinische Forschung geht davon aus, dass die antidepressiven Effekte erst im Zusammenwirken der unterschiedlichen Inhaltsstoffe entstehen.

Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend, beruhigend und angstlösend. Wie ein chemisches Antidepressivum kann es die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin an den Nervenzellen im Gehirn erhöhen. Außerdem kann es, das zeigt die Verhaltensforschung, bei der Überwindung der von Depressiven oft „erlernten Hilflosigkeit“ unterstützen.

Doch auch Johanniskraut hat Nebenwirkungen. Es kann bei hellhäutigen Menschen unter langfristiger Einnahme, zur Photosensibilisierung kommen, so dass unter UV-Einstrahlung vor allem im Sommer schnell ein Sonnenbrand entstehen kann. Diese Nebenwirkung ist aber sehr selten. Im Kontext der Depressionstherapie dieser Effekt erwünscht: Johanniskraut steigert die Lichtempfänglichkeit. 

Unter Einnahme von Johanniskraut kann es zu Interaktionen mit Medikamenten kommen: Menschen die Ciclosporin, HIV-Protease-Hemmer, Digitalis-Medikamente, Cumarine (Gerinnungshemmer) oder Antiepileptika nehmen müssen, sollten den behandelnden Arzt vor der Einnahme von Johanniskraut informieren.

Anwendung von Johanniskraut

Die antidepressive Wirkung lässt sich nur mit konzentrierten Johanniskraut-Präparaten aus der Apotheke erzielen. Der Wirkstoff ist in Form von Tabletten, Dragees, Tropfen und Frischpresssaft erhältlich. Die antidepressive Wirkung setzt erst 2-3 Wochen nach Einnahme ein. Zur Behandlung einer Depression muss Johanniskraut genau wie chemische Antidepressiva über mehrere Monate eingenommen werden.

Hinweis: Teezubereitungen mit Johanniskraut sind aufgrund ihres geringen Gehalts an wirksamen Inhaltsstoffen keine Alternative zur Behandlung einer Depression. Bei leichten Magenverstimmungen oder nervöser Unruhe bei Kindern kann ein Johanniskraut-Tee aber hilfreich sein.

Baldrian, Melisse, Hopfen, Passionsblume

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Die Pflanzenheilkunde empfiehlt eine Kombination von Johanniskraut und Baldrian (Valeriana officinalis). Baldrian wirkt Schlaffördernd und beruhigend bei Angst und Erregungszuständen. Nebenwirkungen sind hier keine bekannt. Auch dem Hopfen (Humulus lupulus), der Passionsblume (Passiflora incarnata), dem Lavendel (Lavendula angustifolia) und der Melisse (Melissa officinalis) werden beruhigende Eigenschaften zugesprochen. Nebenwirkungen sind bei diesen Pflanzen ebenfalls unbekannt. Wirksame Zubereitungen aus diesen Heilkräutern, teils auch Kombinationen aus ihnen, sind in Apotheken erhältlich. Ihre Anwendung sollte jedoch mit dem behandelnden Arzt oder Psychiater besprochen werden.

Bei depressiven Verstimmungen in den Wechseljahren kann auch der Wurzelstock der Traubensilberkerze (Cimcifuga racemosa) eingesetzt werden. Als Nebenwirkungen können sich hier Magenbeschwerden und eine Gewichtszunahme einstellen. Während Schwangerschaft und Stillzeit soll die Traubensilberkerze wegen möglicher Schädigungen des Kindes aber keinesfalls eingenommen werden.

Quellen:
  • Möller, Laux, Deister. Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme Verlag; 2009
  • Dilling, Mombour, Schmidt. Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F); Klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber Verlag; 2011
  • Schilcher, Kammerer, Wegener. Leitfaden Phytotherapie. Urban & Fischer Verlag; 2010
  • Hänsel, Sticher. Pharmakognosie, Phytopharmazie. Springer Verlag; 2010
  • Bäumler. Heilpflanzenpraxis Heute. Urban & Fischer Verlag; 2007
  • Gensthaler, Brigitte M.: Johanniskraut. Mehr Transparenz im Phytomarkt. In: Pharmazeutische Zeitung online. Apotheker-Zeitung. Eschborn. Ausgabe 20/2007. Link (Stand 27.06.2011)
  • Hänsel, Rudolf und Otto Sticher: Pharmakognosie. Phytopharmazie. 9. Auflage. Heidelberg 2010
  • Schäfer, Manfred: Dysthymie. Hg. von der Hardtwaldklinik II Werner Wicker KG. Bad Zwesten o. J. Link(Stand 27.06.2011)
  • Schilcher, H., Kammerer, S., Wegener, T.: Leitfaden Phytotherapie. München 2010 Wiesenauer, Markus: Phytopraxis. Berlin/Heidelberg 2011
  • Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (Hg.): ICD-10-GM Version 2011: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. 10. Revision, German Modification, Version 2011. Köln 2011.
  • DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AkdÄ, BPtK, BApK, DAGSHG, DEGAM, DGPM, DGPs, DGRW (Hrsg) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression: S3-Leitlinie/Nationale Versorgungs-Leitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 1. Auflage 2009. DGPPN, ÄZQ, AWMF – Berlin, Düsseldorf 2009.