Anzeige
Anzeige
Anzeige

Depressionen

Anzeige
Geschrieben von 2011-02-08
Zuletzt aktualisiert am 2019-04-0202.04.2019
Depressionen Fotolia_©-jodi-mcgee

Mehr als ein Stimmungstief

Bei der Depression handelt es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung. Das Wissen darum hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Dies liegt unter anderem daran, dass Prominente wie die Sängerin Lady Gaga oder der ehemalige Fußballprofi Sebastian Deisler offen über ihre Krankheit sprechen.

Gleichzeitig führten die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung dazu, das Phänomen Depression greifbarer zu machen. Mit bildgebenden Verfahren konnten Forscher zeigen, dass die Krankheit mit Veränderungen im Gehirn einhergeht.
Die moderne Medizin verfügt über wirksame Therapien - von Psychotherapie über Antidepressiva bis hin zu pflanzlichen Arzneien. Erfahren Sie in diesem Beitrag die wichtigsten Informationen über die Depression und ihre Behandlung.

Depression im Überblick
  • Die Depression hat meist eine seelische Ursache. Erbliche Veranlagung und gestörtes Verhältnis der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn spielen eine große Rolle.
  • Eine depressive Verstimmung, die länger als zwei Wochen andauert, ist das Leitsymptom der Depression. Daneben sind verminderter Antrieb und Schlafstörungen typisch.
  • Die Depression dauert oft viele Monate und bedarf einer langfristigen Behandlung durch einen einfühlsamen Psychotherapeuten in Kombination mit Medikamenten (Antidepressiva).
  • Ein anerkanntes pflanzliches Antidepressivum bei leichter bis mittelschwerer Depression ist das Johanniskraut.

Symptome der Depression: Was sind die Anzeichen?

Es kann plötzlich geschehen oder sich schleichend entwickeln: Die Welt erscheint grau in grau. Hobbys, die früher Spaß gemacht haben, üben keinen Reiz mehr aus. Der Alltag, vom Gang zur Arbeit bis zum Geschirrspülen, gerät zur Strapaze. Bleierne Müdigkeit beherrscht den Tag, doch wenn die Nacht kommt, findet man keinen Schlaf. Trübe Gedanken sind stetige Begleiter.
Die Depression zählt zu den affektiven Störungen. Gemeint sind damit Krankheiten, bei denen eine gestörter Stimmungslage (Affekt) im Vordergrund steht. Die Stimmung beeinflusst den Antrieb des Betroffenen.

Das ICD, der weltweit gültige Diagnosekatalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO), codiert die Depression mit F32.ff oder F33.ff.

Neben der gedrückten Stimmung gehen Depressionen mit weiteren Symptomen einher. Dazu zählen unter anderem:

  • Interessenverlust,
  • zwanghaftes Grübeln,
  • körperliche Beschwerden wie Schwindel, Herzrasen oder Magen-Darm-Probleme,
  • Antriebslosigkeit,
  • rasche Ermüdung,
  • Schlafstörungen,
  • Gefühl der Wertlosigkeit und
  • Konzentrationsstörungen.
  • Schwere Depressionen können mit psychotischen Symptomen wie Wahnvorstellungen einhergehen.

Die Deutsche Depressionshilfe e. V. berichtet von jährlich rund 10 000 Menschen, die wegen ihrer Depression Selbstmord begehen. Aus diesem Grund ist es äußerst wichtig, dass Betroffene schnellstmöglich medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Diagnose: Ist es eine Depression?

Ob jemand „nur“ schlecht gelaunt ist oder an einer Depression leidet, kann nur ein Psychologe oder ein Facharzt, etwa ein Neurologe oder Psychiater, feststellen. Bevor er eine Diagnose stellt, befragt der Mediziner seinen Patienten ausführlich zu seiner Krankheitsgeschichte (Anamnese).

Untersuchungen bei Depression

  • Blutbild, inklusive Nieren- und Leberwerte,
  • Schilddrüsenuntersuchung,
  • bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie, (MRT),
  • Herzuntersuchung (EKG) und
  • psychologische Testverfahren (z. B. Allgemeine Depressionsskala, Beck Depressionsinventar).

Die Untersuchungen sollen andere Krankheiten wie Demenz, Schilddrüsenerkrankungen, Hirntumore, psychotische Störungen oder Parkinson ausschließen. Stellt der Arzt eine affektive Störung fest, muss er sie weiter eingrenzen.

Formen der Depression

  • Depression (unipolar): gedrückte Stimmung
  • Manie: stark gehobene Stimmung
  • Bipolare Störung: depressive und manische Phasen wechseln sich ab
  • Dysthymie: mehrere Jahre andauernde negative Verstimmtheit, erfüllt nicht die Kriterien einer depressiven Störung
  • Zyklothymia: abwechselnd kommt es zu leicht gedrückter bzw. gehobener Stimmung

Depressive Episoden werden nach ihrer Stärke in leichte, mittelgradige oder schwere Phasen unterschieden. Während einer leichten depressiven Episode fühlen sich die Betroffenen beeinträchtigt, können die meisten Alltagsaufgaben noch bewältigen.

Eine mittelgradige Episode zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass der Betroffene große Probleme hat, im Alltag zu bestehen.

Menschen mit schwerer Depression können ihren Alltag nicht mehr bewältigen. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet auf ihrer Website einen kurzen Selbsttest. Die Fragen sollen Ihnen helfen, Ihre Symptome besser einzuschätzen. Bitte bedenken Sie: Der Test ersetzt keinesfalls eine ärztliche Untersuchung.

Anzeige

Depression oder Burnout?

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich ein Burnout-Syndrom von der Depression unterscheidet.
Die Antwort ist nicht ganz einfach und wird Patienten und Therapeuten noch länger beschäftigen. Aktuell gilt Burnout in der Medizin nicht offiziell als psychische Erkrankung.

Psychische Störungen werden im Diagnosekatalog der Weltgesundheitsorganisation, dem ICD, im Kapitel V beschrieben. Das Burnout-Syndrom taucht dort nicht auf. Es findet sich an einer anderen Stelle, die „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ heißt. Eine psychische Störung im Sinne einer Krankheit ist damit nicht gemeint.

Wenn Sie glauben an einem Burnout-Syndrom zu leiden und der Arzt stellt die Diagnose „Depression“, sprechen Sie mit ihm darüber. In jedem Fall gilt: Moderne Therapien bestehen aus verschiedenen Bausteinen, die auf die jeweiligen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sind. Sie dürfen darauf vertrauen, die passende Therapie zu erhalten.
Literaturtipp: In ihrem Buch „Die Burnout-Epidemie: oder Brennt die Leistungsgesellschaft aus?“ beleuchten die Autoren Andreas Hillert und Michael Marwitz komplexe Thema von unterschiedlichen Seiten. Sie schreiben fachlich fundiert und auch für Nicht-Mediziner gut verständlich.

Ursachen: Wie ensteht eine Depression?

Der aktuelle Forschungsstand geht davon aus, dass verschiedene Faktoren zur Entstehung einer Depression beitragen. Dabei tragen biologische, psychologische und soziale Faktoren in unterschiedlichem Ausmaß und verschiedener Kombination zur Krankheitsentwicklung bei. Die Betroffenen haben zum Beispiel eine erbliche Veranlagung (biologischer Faktor), die im Zusammenspiel mit kritischen Lebensereignissen (Umweltfaktoren) den Ausbruch einer Depression begünstigt.

Biologische Faktoren

Vererbung

Untersuchungen haben gezeigt, dass Depressionen in manchen Familien gehäuft auftreten. Verwandte depressiver Patienten haben ein drei- bis fünffach erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken. Hierbei ist zu beachten, dass nicht die Krankheit direkt vererbt wird, sondern die Anfälligkeit dafür.

Neurobiologische Faktoren

Schon seit Jahrzehnten weiß die Medizin um die tragende Rolle, die Neurotransmitter bei Depression spielen. Neurotransmitter sind Botenstoffe im Gehirn. Ihre Aufgabe besteht darin, die Signale zwischen den Nervenzellen zu übertragen. Serotonin, Noradrenalin und Dopamin sind wichtige Neurotransmitter. Besonders Serotonin ist zuständig für die Steuerung der Stimmungslage und des inneren Antriebs. Diese Hormone steuern eine Vielzahl von Vorgängen im menschlichen Körper und sind auch für die Beeinflussung des Stimmungsempfindens zuständig.

Chronobiologie ("die innere Uhr")

Unter Lichtmangel neigen manche Menschen zu saisonalen Depressionen (z.B. Winterdepression). Auch die Tag-Nacht-Rhythmik ist bei Depressiven gestört. Die Tiefschlafphasen sind kürzer, der Schlaf oberflächlicher und von Unterbrechungen geprägt.

Körperliche Erkrankungen

Bestimmte Krankheiten wie Epilepsie, Tumore, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Schilddrüsenerkrankungen, Herzkrankheiten und Herzoperationen, entzündliche Darmkrankheiten, Rheuma, Autoimmunkrankheiten oder AIDS können eine depressive Episode auslösen. Auch ein kritischer Hormonhaushalt führt zu depressiver Verstimmung. Frauen mit PMS (Prämenstruelles Syndrom), im Wochenbett und in den Wechseljahren sind deshalb häufig von Depression betroffen.

Medikamente

Nebenwirkungen von Medikamenten können ebenfalls zu Depressionen führen. Folgende Mittel zählen dazu: Parkinson-Medikamente, Kortison, verschiedene Antibiotika, Chemotherapie und Cholesterinsynthesehemmer (Blutfettsenker).

Die Rolle des Immunsystems

Immunsystem und Depression sind eng miteinander verwoben. Man beobachtet, dass Menschen mit chronischen Entzündungen wie Rheuma häufig zu Depression neigen und depressive Menschen Entzündungsreaktionen zeigen, obwohl sie keine entzündliche Krankheit haben.

Psychische Ursachen für Depressionen

Persönlichkeitseigenschaften begünstigen die Entwicklung einer Depression. Der Grund für die familiäre Häufung der Erkrankung liegt nicht nur in den Genen.
Kinder lernen zum Beispiel von depressiven Angehörigen entsprechende Verhaltensweisen wie eine erhöhte Ängstlichkeit gegenüber alltäglichen Herausforderungen. Außerdem übernehmen sie die Lebenseinstellung ihrer Bezugspersonen.
Ist diese von Pessimismus und Ohnmachtsgefühlen geprägt, bilden die Kinder eine entsprechende Persönlichkeitsstruktur aus – der ideale Nährboden für eine Depression.

Umwelt- und soziale Faktoren

Kritische Lebensereignisse wie Todesfälle, Unfälle, Krankheiten, Scheidungen, Abtreibung/Fehlgeburt/Geburt, traumatische Erlebnisse oder auch Lebensabschnitte (Examen, Selbstständigkeit, Arbeitsplatzwechsel, Kündigung) können Menschen so stark belasten, dass sie eine Depression entwickeln.

Weitere Umwelteinflüsse wie Lärm, beengte Wohnverhältnisse oder klimatische Bedingungen spielen eine Rolle.

Beziehungen spielen sowohl als Auslöser als auch als Schutzfaktor eine wesentliche Rolle. Eine Trennung begünstigt als kritisches Lebensereignis die Krankheitsentwicklung. Gleichzeitig können stabile und vertrauensvolle Freundschaften ein wichtiges Gegengewicht zum Verlust des Lebenspartners bilden.

Behandlung der Depression: mehr als Medikamente

Die Therapie der Depression findet je nach Schweregrad und Lebenssituation des Patienten ambulant oder stationär statt. Menschen mit schweren Depressionen oder akuter Selbstmordgefahr finden in der nächsten psychiatrischen Klinik umgehend Hilfe.

Eine weitere Anlaufstelle sind psychosomatische Kliniken und Reha-Zentren. Leichtere Verläufe können mit einer ambulanten Therapie behandelt werden. Bei leichten und mittelschweren Episoden ist eine Psychotherapie die erste Wahl.

Wiederkehrende Depressionen oder sehr schwere depressive Phasen werden häufig mit Medikamenten (Antidepressiva) und Psychotherapie behandelt. In einigen Fällen sind die Betroffenen zu Beginn nicht in der Lage, ein psychotherapeutisches Gespräch zu führen. Erst ein Antidepressivum stabilisiert sie so weit, dass sie sich ihrer Situation stellen können.

Machen Antidepressiva abhängig?

Die Vorstellung Psychopharmaka würden die Persönlichkeit verändern oder abhängig machen, scheint nach wie vor verbreitet. Die Sorge ist grundsätzlich verständlich. Trotzdem ist eindeutig zu sagen: Der maßvolle und gezielte Einsatz eines Antidepressivums lindert das Leid des Betroffenen und stellt eine – meist zeitlich begrenzte – Unterstützung auf dem Weg aus der Krankheit dar.

Moderne Antidepressiva machen nicht abhängig, d. h. die Dosis muss nicht ständig erhöht werden. Wenn der Patient gut eingestellt ist, kann er die Medikamente auch über einen längeren Zeitraum einnehmen. Zum Vergleich: Ein Diabetiker, der sich Insulin mit einer Spritze zuführt, ist auch vom Insulin abhängig. Allerdings nicht im Sinne einer Sucht. Dagegen verändern Depressionen die Persönlichkeit: Aktive, lebensfrohe Menschen werden ängstlich und ziehen sich zurück, können sich schlecht konzentrieren und müssen sich zur Arbeit zwingen.

Welche Behandlungen gibt es noch?

Weitere Therapiebausteine werden individuell verordnet. Dazu zählen Gruppengespräche, die Einbindung von Angehörigen, Musik- und Tanztherapie, Kunsttherapie, Entspannungskurse und Sportangebote.

Der Willen des Patienten, sich professionelle Hilfe zu suchen, ist ausgesprochen wichtig. Gleiches gilt für ein hohes Maß an Geduld und Verständnis, nicht nur auf Seiten des Therapeuten. Auch die Unterstützung der Angehörigen ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Behandlung.

Welche Antidepressiva gibt es?

SSRI/SSNRI: Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) basieren auf der Erkenntnis, dass Depressionen mit einer Veränderung des Botenstoffes Serotonin einhergehen. Serotonin werden stimmungsaufhellende Eigenschaften zugesprochen.
Noch nicht abschließend bewiesen ist, ob ein Serotoninmangel direkt in die Depression führt. Ähnlich verhält es sich mit dem Neurotransmitter Noradrenalin. Er spielt ebenfalls eine Rolle bei der Regulierung von Stimmung und Antrieb.

Trizyklische Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva (TZA) werden bereits seit den 1950er Jahren gegen Depressionen angewendet. Sie greifen in den Stoffwechsel sämtlicher Botenstoffe ein. TZA gelten als stimmungsaufhellend und mildern Unruhe und Angst, sind jedoch weniger gut verträglich als moderne Antidepressiva.

Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer): Monoaminoxidasehemmer blockieren das Enzym Monoaminoxidase. Dieses Enzym ist dazu da, Eiweißverbindungen (Amine) wie Serotonin und Noradrenalin zu spalten und damit ihre Wirkung aufzuheben. Werden solche Botenstoffe nun durch die Hemmung des Medikaments nicht gespalten, stehen im Gehirn mehr von diesen Neurotransmittern zur Verfügung – ein Umstand, der anti-depressive Wirkung hat.
Es gibt verschiedene Untergruppen von MAO-Hemmern, die unterschiedliche Wirkprofile zeigen. Bei bestimmten Untergruppen müssen die Patienten auf bestimmte Lebensmittel wie Käse oder Nüsse verzichten.

Weitere Medikamente: Es gibt weitere Medikamente, die gegen depressive Episoden wirken, zum Beispiel Lithium. Lithium kommt meist als sogenannte Augmentation zum Einsatz. Das bedeutet: Reicht die Wirkung der Antidepressiva alleine nicht aus, kann durch eine Lithiumgabe die Wirkung verstärkt werden.

Psychotherapie bei Depression: Welche Ansätze gibt es?

Psychotherapie gilt als wirksamer Baustein im Kampf gegen eine Depression. Bei mindestens 70 Prozent der Krankheitsfälle hilft eine Psychotherapie.

In Deutschland sind drei Therapieformen von den Krankenkassen zugelassen:

  • Verhaltenstherapie,
  • tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und
  • Psychoanalyse

Die Verhaltenstherapie (VT) ist eine moderne und wissenschaftlich sehr gut begleitete Methode. Die meisten psychologischen Psychotherapeuten haben eine Ausbildung in Verhaltenstherapie durchlaufen. In diesem Ansatz steht die „Hilfe zur Selbsthilfe“ im Zentrum. Die Patienten sollen lernen mit ihren Problemen konstruktiv umzugehen oder Situationen neu zu bewerten. Die Frage nach den Ursachen spielen eine Nebenrolle. Eine Grundannahme der VT ist, dass gestörtes, unangemessenes Verhalten irgendwann erlernt wurde und folglich auch wieder verlernt werden kann.

Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie dagegen analysiert die Kindheit und die Beziehung zu Mutter, Vater und Geschwistern. Auf diese Weise sollen gestörte Beziehungsmuster (Objektbeziehungen) aufgedeckt und durch Gespräche bewältigt werden. Im Gegensatz zur Verhaltenstherapie bietet sie einen Rahmen für Selbsterkenntnis und erforscht unbewusste seelische Vorgänge.

Die Psychoanalyse geht zurück auf Sigmund Freud. Der Begriff setzt sich aus dem Worten Psyche (altgriechisch; Atem, Seele) und Analyse (altgriechisch; Zerlegung, Untersuchung) zusammen. Freud begann, sichtbare Symptome zu deuten und die Patienten durch intensive Arbeit mit dem Unbewussten zu behandeln.

Depressionen vorbeugen und Rückfälle vermeiden

Depressionen kann man vorbeugen, indem man nicht nur in schwierigen Lebenssituationen gut für sich sorgt und die eigenen Bedürfnisse ernst nimmt. Positive Ressourcen wie Freunde, Familie und erfüllende Hobbys sollten ein Leben lang ausreichend Aufmerksamkeit genießen.

Fähigkeiten wie Selbstliebe und Akzeptanz sind in Krisenzeiten besonders wichtig. Damit sie in schwierigen Lebensphasen auch tragen, müssen diese Fähigkeiten bereits im Vorfeld geübt werden.

Verhaltenstipps zur Prävention der Depression:

  • Menschen, die zu einer Winterdepression neigen, können dieser mit einer Lichttherapie entgegenwirken.
  • Regelmäßiger Sport – eine halbe Stunde flottes Gehen pro Tag reicht schon aus – fördert das Wohlbefinden und stärkt die psychische Widerstandskraft.
  • Menschen mit wiederkehrenden depressiven Episoden können von einer dauerhaften Therapie mit Antidepressiva profitieren.
Wann zum Arzt?

Depressiven fällt die Suche nach Hilfe oft schwer. Die Mithilfe von Angehörigen ist wertvoll, um den Betroffenen zum Arztbesuch zu motivieren.

  • Wenn Ihnen auffällt dass ihr sonst freudvoller Bekannter immer trauriger oder gefühlsloser wi rkt, Mimik und Gestik starr wirken.
  • Sie bemerken, dass sich die Person aus dem sozialen Leben zurückzieht.
  • Wenn Sie bei sich selbst eine depressive Verstimmung bemerken, die nach zwei Wochen nicht verschwindet, Vitalität und Appetit fehlen und sie kein Interesse für Aktivitäten haben.
  • Wenn Sie viel zu früh und mit gedrückter Stimmung und Gedankenkreisen aufwachen.
  • Wenn Sie immer stärkeren Druck und Enge in der Brust spüren oder Kopf, Beine und Arme sich schwerer als sonst anfühlen.
  • Wenn Sie bei sich oder anderen Todessehnsüchte wahrnehmen.

Johanniskraut – ein Pflanzenextrakt gegen die Depression

Zur Wirksamkeit von Johanniskraut-Extrakten bei Depressionen liegen heute rund 40 aussagekräftige wissenschaftliche Studien vor. Johanniskraut hat damit eine Sonderstellung unter den Heilpflanzen. Es ist eines der wenigen erstattungsfähigen pflanzlichen Medikamente für die Behandlung einer leichten oder mittelgradigen depressiven Episode. Hier gilt Johanniskraut als ebenbürtig zu chemischen Antidepressiva, die im Vergleich jedoch stärkere Nebenwirkungen haben.

Hilfe auf einen Blick:
  • Johanniskraut-Trockenextrakt zur Behandlung der leichten und mittelgradigen depressiven Episode können sie auf Rezept als Tabletten in der Apotheke kaufen. Die richtige Tagesdosis sind 600 bis 900 mg. Die Einnahme erfolgt über Wochen bis Monate und sollte von einer Psychotherapie begleitet werden.

Johanniskraut

Das leuchtend gelbe Johanniskraut findet man in den Sommermonaten, wenn es auf Wiesen und an Wegesrändern blüht. Zerreibt man die Blütenblätter zwischen den Fingern, so färben sie sich rot. In der Mythologie findet man eine Verbindung des Johanniskrauts zum Blut und den Wunden Christi und zur Sonne. Das spiegelt sich in der Anwendung wieder, denn das rote Johanniskrautöl wird in der Wundbehandlung eingesetzt, das Kraut hingegen, das eine Lichtsensibilisierung bewirkt, zur Behandlung einer Depression.

Johanniskraut eignet sich zur Behandlung von leichten und mittelgradigen Depressionen, einer Winterdepression, Dysthymie, Anpassungsstörungen, Wochenbettdepressionen und depressiven Verstimmungen während der Wechseljahre. Auch bei nervöser Unruhe und Ängsten kann es hilfreich sein. Bei einer schweren depressiven Episode reicht seine Wirksamkeit allerdings nicht aus und es sollte unbedingt eine Ärztin, ein Arzt aufgesucht werden.

Johanniskraut enthält die Naphtodianthrone Hypericin und Pseudohypericin, ferner Hyperforin, Flavonoide und Biflavone, Catechingerbstoffe und Xanthone. Die medizinische Forschung geht davon aus, dass die antidepressiven Effekte erst im Zusammenwirken der unterschiedlichen Inhaltsstoffe entstehen.

Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend, beruhigend und angstlösend. Wie ein chemisches Antidepressivum kann es die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin an den Nervenzellen im Gehirn erhöhen. Außerdem kann es, das zeigt die Verhaltensforschung, bei der Überwindung der von Depressiven oft „erlernten Hilflosigkeit“ unterstützen.

Doch auch Johanniskraut hat Nebenwirkungen. Es kann bei hellhäutigen Menschen unter langfristiger Einnahme, zur Photosensibilisierung kommen, so dass unter UV-Einstrahlung vor allem im Sommer schnell ein Sonnenbrand entstehen kann. Diese Nebenwirkung ist aber sehr selten. Im Kontext der Depressionstherapie dieser Effekt erwünscht: Johanniskraut steigert die Lichtempfänglichkeit. 

Unter Einnahme von Johanniskraut kann es zu Interaktionen mit Medikamenten kommen: Menschen die Ciclosporin, HIV-Protease-Hemmer, Digitalis-Medikamente, Cumarine (Gerinnungshemmer) oder Antiepileptika nehmen müssen, sollten den behandelnden Arzt vor der Einnahme von Johanniskraut informieren. Ihre Apotheke prüft gern mögliche Wechselwirkungen Ihrer Präparate, nehmen Sie dieses Angebot wahr.

Anwendung von Johanniskraut

Die antidepressive Wirkung lässt sich nur mit konzentrierten Johanniskraut-Präparaten aus der Apotheke erzielen. Präparate aus Drogerien oder Supermärkten können nicht empfohlen werden. Der Wirkstoff ist in Form von Tabletten, Dragees, Tropfen und Frischpresssaft erhältlich. Die Wirkung setzt erst 2-3 Wochen nach Einnahme ein. Zur Behandlung einer Depression muss Johanniskraut genau wie chemische Antidepressiva über mehrere Monate eingenommen werden.

Hinweis: Teezubereitungen mit Johanniskraut sind aufgrund ihres geringen Gehalts an wirksamen Inhaltsstoffen keine Alternative zur Behandlung einer Depression. Bei leichten Magenverstimmungen oder nervöser Unruhe bei Kindern kann ein Johanniskraut-Tee aber hilfreich sein.

Baldrian, Melisse, Hopfen, Passionsblume

Die Pflanzenheilkunde empfiehlt eine Kombination von Johanniskraut und Baldrian (Valeriana officinalis). Baldrian wirkt Schlaffördernd und beruhigend bei Angst und Erregungszuständen. Nebenwirkungen sind hier keine bekannt. Auch dem Hopfen (Humulus lupulus), der Passionsblume (Passiflora incarnata), dem Lavendel (Lavendula angustifolia) und der Melisse (Melissa officinalis) werden beruhigende Eigenschaften zugesprochen. Nebenwirkungen sind bei diesen Pflanzen ebenfalls unbekannt. Wirksame Zubereitungen aus diesen Heilkräutern, teils auch Kombinationen aus ihnen, sind in Apotheken erhältlich. Ihre Anwendung sollte jedoch mit dem behandelnden Arzt oder Psychiater besprochen werden.

Bei depressiven Verstimmungen in den Wechseljahren kann auch der Wurzelstock der Traubensilberkerze (Cimcifuga racemosa) eingesetzt werden. Als Nebenwirkungen können sich hier Magenbeschwerden und eine Gewichtszunahme einstellen. Während Schwangerschaft und Stillzeit soll die Traubensilberkerze wegen möglicher Schädigungen des Kindes aber keinesfalls eingenommen werden.

Quellen:
  • Möller, Laux, Deister. Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme Verlag; 2009
  • Dilling, Mombour, Schmidt. Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F); Klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber Verlag; 2011
  • Schilcher, Kammerer, Wegener. Leitfaden Phytotherapie. Urban & Fischer Verlag; 2010
  • Hänsel, Sticher. Pharmakognosie, Phytopharmazie. Springer Verlag; 2010
  • Bäumler. Heilpflanzenpraxis Heute. Urban & Fischer Verlag; 2007
  • Gensthaler, Brigitte M.: Johanniskraut. Mehr Transparenz im Phytomarkt. In: Pharmazeutische Zeitung online. Apotheker-Zeitung. Eschborn. Ausgabe 20/2007. Link (Stand 27.06.2011)
  • Hänsel, Rudolf und Otto Sticher: Pharmakognosie. Phytopharmazie. 9. Auflage. Heidelberg 2010
  • Schäfer, Manfred: Dysthymie. Hg. von der Hardtwaldklinik II Werner Wicker KG. Bad Zwesten o. J. Link(Stand 27.06.2011)
  • Schilcher, H., Kammerer, S., Wegener, T.: Leitfaden Phytotherapie. München 2010 Wiesenauer, Markus: Phytopraxis. Berlin/Heidelberg 2011
  • Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (Hg.): ICD-10-GM Version 2011: Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. 10. Revision, German Modification, Version 2011. Köln 2011.
  • DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AkdÄ, BPtK, BApK, DAGSHG, DEGAM, DGPM, DGPs, DGRW (Hrsg) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression: S3-Leitlinie/Nationale Versorgungs-Leitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 1. Auflage 2009. DGPPN, ÄZQ, AWMF – Berlin, Düsseldorf 2009.
  • Neurologen und Psychiater im Netz: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/depressionen/ursachen/
  • http://www.icd-code.de/icd/code/F32.-.html
  • Bundes-Psychotherapeutenkammer https://www.bptk.de/patienten/psychische-krankheiten/depression.html
  • https://www.kjp.med.uni-muenchen.de/download/genetik_depression.pdf
  • https://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/serotoninmangel-und-depression.html
  • https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/psychotherapie-lindert-depressionen-wirksam-und-kann-sich-nachhaltig-positiv-auswirken
  • https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Depression.116745.0.html

Diese Anzeige wird von der Redaktion gepflegt. Hier werden pflanzliche Wirkstoffe angezeigt, die naturheilkundlich oder laut Schulmedizin bei diesem Krankheitsbild angewandt werden können. Die Angaben können teilweise noch nicht vollständig sein. Die Wirkstoffe können sich in der Extrakt-Form und in der Herstellung unterscheiden. Jegliche verfügbaren Informationen dienen auf DocJones.de dienen der Erstinformation und werden insbesondere nicht von approbierten Ärzten auf ihre Richtigkeit hin überprüft. Sie können daher eine fachmedizinische Diagnose und/oder Behandlung durch einen Arzt nicht ersetzen.

Anzeige
   Diese Heilpflanzen können helfen:
   Pflanzliche Medikamente bei Depressionen:
* Hinweis
Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

News zu Depressionen

Depressionen werden in der Regel mit Medikamenten behandelt, die mitunter starke Nebenwirkungen aufweisen. Die Traditionelle Chinesische Medizin bietet eine Alternative. Dort kennt man die Depression als „Yu-Syndrom“, das mit einem sanfte...
Drei lange Monate bis zum Erstgespräch und nochmals drei weitere bis zum Therapiebeginn – das ist die durchschnittliche Wartezeit auf eine psychotherapeutische Behandlung, wie eine Umfrage der Bundespsychotherapeutenkammer ergab. Eine lang...
Der Herbst ist die Jahreszeit, die uns so langsam auf den Winter vorbereitet. Gerade im Monat November merkt man die Umstellung besonders. Die Tage werden kürzer, kälter und leider auch dunkler. Die Erkältungszeit beginnt. Aber bei vie...
Alle anzeigen

Studien zu Depressionen

Studientitel
St John's wort for major depression. (und weitere 1 Studie)
Jahr
2008, 2008
Kurzinfo
Was tun bei depressiver Verstimmung? Immer öfter fällt die Wahl auf pflanzliche Mittel wie Johanniskraut. Aber auch wenn es in der Wissenschaft viele Hinweise auf eine medizinische Wirkung gibt, ist  Mehr...die Anwendung dieser Heilpflanze nach wie vor umstritten. Ein Bericht über den aktuellen Wissensstand.
Studientitel
Effects of Valerian on the level of 5-hydroxytryptamine, cell proliferation and neurons in cerebral hippocampus of rats with depression induced by chronic mild stress
Jahr
2008
Kurzinfo
Forscher der Sun-Yatsen Universität in China fanden im Jahr 2008 heraus, dass bestimmte Inhaltstoffe des Wurzelextraktes durch Anheben des Serotoninspiegels auch direkt antidepressiv, d.h. stimmungsaufhellend  Mehr...wirken können. Serotonin ist ein im Gehirn aktiver Neurotransmitter, der aufgrund seiner Auswirkungen auf die Stimmungslage im Volksmund auch als Glückshormon bekannt ist. Erkrankungen wie die Depression gehen oft mit einem Mangel an Serotonin einher und werden manchmal auch allein durch einen zu niedrigen Serotoninspiegel ausgelöst.
Alle anzeigen