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Anbau und Ernte von Weißdorn

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Anbau und Ernte von Weißdorn

Weißdorn ist nicht nur eine wichtige Arzneipflanze. Er wird auch gerne in Gärten und Parks angebaut. Dort dient er oftmals als „Windfänger“, denn der Strauch oder Baum gedeiht in windigen Regionen, selbst in Küstengegenden und an vor Wind und Wetter gänzlich ungeschützten Orten. Allerdings wächst er bevorzugt auf eher alkalischen Böden (pH-Wert 6,5 bis 7,5).

Auf solchen Böden können Weißdornbäume durch zwei Methoden vermehrt werden: Aussaat und Veredelung. Vor dem Anbau des Weißdorns sollte allerdings beachtet werden, dass bei all den Vorteilen, die der Weißdorn besitzt, Weißdornsträucher recht anfällig für Krankheiten und Schädlinge sind.

Aussaat von Weißdorn

Die Früchte des Weißdorns werden am besten mitten im Herbst gesammelt, wenn sie noch grün sind, und sich keine Hemmstoffe für die Keimung entwickelt haben. Die kleinen Früchte werden mehrere Tage in warmem Wasser eingeweicht, um das Fruchtfleisch von den Samen entfernen zu können.

Anschließend werden die Samen in Töpfe eingesät und geschützt untergebracht. Sie können auch im späten Winter ausgesät werden, da ihnen Kälte nichts ausmacht. Die Keimung erfolgt im Frühjahr meist zwischen 10 bis 15 °C.

Schneller als die Aussaat funktioniert die Veredelung. Sie wird durch die sogenannte Spanokulation im Freiland durchgeführt.

Okulieren heißt auch „Augenveredelung“. Bei der Spanokulation wird die Pflanze im Topf mit einer Unterlage gezogen. Hierbei wird eine saubere glatte Stelle am Spross mit einem flachen Schnitt knapp über einem Knoten angesetzt und es wird ein Rindenstreifen abgetragen, um das Gewebe (Kambium) freizulegen. An der Basis wird eine Lippe stehen gelassen. Nun wird eine „Okulationszunge“ (z.B. Blattstiel) an die Kambiumschicht festgebunden. Dabei werden jedoch Auge und Blattstiel frei gelassen. Nach 10 bis 14 Tagen sollte der Blattstiel abgefallen sein, wenn das Auge angegangen ist. Erst wenn sich ein kräftiges Sprossenwachstum zeigt, kann die neue Pflanze umgetopft und nach weiteren 6 bis 12 Monaten in Freiland gepflanzt werden.

Krankheiten und Schädlinge

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Weißdorn kann von einer ganzen Reihe von Krankheiten und Schädlingen befallen werden, die jedoch durch den Einsatz geeigneter Präparate oder Methoden bekämpft werden können.

Vor allem gefürchtet ist der sogenannte Feuerbrand. Es handelt sich um ein Bakterium, das sich im kranken Gewebe vermehrt und in die Blüten eindringt. Die Übertragung erfolgt durch Wind, Regen, Insekten oder Pollen. Die Triebe des Weißdorns färben sich gelb und fallen ab. Außerdem kann es zu schleimigen Geschwüren kommen, die sich auf den ganzen Strauch übertragen, bis er schließlich abstirbt. Bei dem Befall müssen die erkrankten Stellen großflächig ausgeschnitten werden und der Feuerbrand muss den zuständigen Behörden gemeldet werden.

Außerdem kann der Weißdornstrauch weitere Krankheiten entwickeln bei denen ein großflächiger Schnitt oberhalb der betroffenen Stellen notwendig ist. Dazu gehört vor allem der Obstbaumkrebs, der sich durch eine aufgerissene Rinde und der Bildung von schuppigen konzentrischen Ringen äußert. Wird der Strauch nicht behandelt, stirbt er langfristig ab.

Vor allem im Frühsommer oder im Frühherbst kann ein Befall mit Birnen- und Kirschblattwespen auftreten. Die Larven fressen die Oberfläche der Blätter ab, so dass weißbraune Flecken auftreten. Die Wespen können mit entsprechenden Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden.

Ein weiterer Schädling der den Weißdorn gerne befällt ist die Gallmilbe. Der Befall äußert sich beim Weißdorn durch verdickte, gekräuselte Blattränder. Ein wirkungsvolles Gegenmittel gibt es gegen die Milbe nicht. Die erkrankten Blätter und Triebe müssen daher entfernt werden.

Ernte des Weißdorns

Der dornige Weißdornstrauch kann je nach dem welche Wirkstoffe benötigt werden zu unterschiedlichen Jahreszeiten geentet werden. Zumeist wird er in Süd- und Osteuropäischen Ländern angebaut. Manchmal erfolgt die Ernte auch noch aus Wildsammlungen. Die Ernte kann sowohl per Hand erfolgen als auch maschinell durchgeführt werden. Die anschließende Weiterverarbeitung erfolgt um eine bestmögliche Qualität bei den getrockneten Pflanzenteilen zu erzielen. Das Herstellungsverfahren aus den Wirkstoffen bis zum fertigen Arzneimittel ist im Europäischen Arzneibuch festgelegt.

Blätter und Blüten

Die Blätter und Blüten des Weißdorns werden während der Blütezeit zwischen Mai und Juni geerntet. Während dieses Zeitraums ist der Wirkstoffgehalt am höchsten. Am besten eignen sich Blüten die gerade aufblühen oder bereits voll aufgeblüht sind. Außerdem sind die Blätter in diesem Zeitraum jung, weswegen sie den höchsten Inhaltstoffgehalt besitzen.

Nach der Ernte werden sie an einem schattigen Ort getrocknet, wobei die Raumtemperatur beim Trocknen 40°C nicht überschreiten darf. Andernfalls nimmt der Anteil an den wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffen (Flavonoiden) deutlich ab.

Fruchternte

Die einträglichste Jahreszeit um Weißdornfrüchte zu ernten ist der Herbst zwischen September bis November. Am besten eignet sich jedoch der September für die Ernte, da in diesem Monat der höchste Ertrag erzielt werden kann. Für die Verwendung im Privathaushalt können die gewaschenen Weißdornfrüchte auch eingefroren und je nach Bedarf entnommen werden.

Für medizinische Zwecke trocknet man die Weißdornfrüchte allerdings in der Regel. Sie reagieren weniger empfindlich auf Temperatur als die Blüten und Blätter des Strauches. Die optimale Temperatur zur Trocknung beträgt 50°C.

Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 18.09.2014