Weide – Salix sp.

Geschätzte Arzneipflanze seit der Antike bis heute
Wer freut sich nicht am Palmsonntag darüber, die ersten „Palmkätzchen“ als Botschafter des Frühlings zu erblicken. Tatsächlich gehören diese Blüten (Palmkätzchen) zu einem Baum oder Strauch, der schon bei den alten Griechen wegen seiner schmerzlindernden Wirkung überaus geschätzt wurde.
Wissenswertes über die Weide
Lange Zeit genoss die Weidenrinde, die auch europäische Fieberrinde genannt wurde, hohes Ansehen. Erst als die Schulmedizin neue und schneller wirksame Arzneimittel entwickelte, geriet die Weide für einige Jahre in Vergessenheit.
Etwa 500 verschiedene Weiden-Arten sind bis heute bekannt und weltweit verbreitet. So finden sich Weiden-Arten von der Arktis über alle Klimabereiche bis in die Tropen. In Mitteleuropa sind etwa 35 Weiden-Arten heimisch. Die meisten Weiden-Arten lieben feuchte, nährstoffreiche Böden. Sie können bis zu 18 m hoch wachsen. Weiden, die im Hochgebirge oder in der Arktis wachsen, werden hingegen nur wenige cm hoch und vermögen die kurzen Vegetationsperioden am Rande von Schneetälern zu überdauern.
Von all den Weiden-Arten werden jedoch nur gerade einmal drei Arten medizinisch eingesetzt.
Der Grund: Die medizinisch gebrauchte Weidenrinde muss einen Salicin-Gehalt von mindestens 1,5 % aufweisen. Salicin ist ein wichtiger Inhaltsstoff der Weidenrinde. Deshalb kommen lediglich die Purpurweide (Salix pupurea), Reifweide (Salix daphnoides) und die Bruchweide (Salix fragilis) für medizinische Zwecke in Frage. Alle anderen Arten enthalten zu wenig Salicin in ihrer Rinde. Die medizinisch verwendeten 3-Arten sind in Mittel- und Südeuropa heimisch. Angebaut werden diese Weiden jedoch überwiegend in Bulgarien, Ungarn und in Rumänien.
Botanik der Weide
Die Weide ist ein 6 bis 18 m hochwachsender Strauch oder Baum, der zu der Familie der Weidengewächse (Salicaceae) gehört. Sie haben schraubig angeordnete, manchmal silbrige, längliche Blätter, die unterseitig oft behaart sind. Beim Trocknen werden die Blätter meistens schwarz. Der Stamm ist mit einer rissigen, grauen Borke bedeckt. Aus ihm wachsen ausdauernde, biegsame Zweige, die dottergelb bis orange sein können.Weiden sind zweihäusig.
Das bedeutet, dass die männlichen und weiblichen Blüten auf verschieden Pflanzen vorkommen. Sie blühen im Frühjahr oft schon vor dem Blattaustrieb und sind zu kätzchenförmigen Blütenständen verbündet. Die männlichen Blüten sind gelb mit weit herausragenden Staubblättern, die weiblichen sind grünlich.
Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe der Weide
Der medizinisch verwendete Wirkstoff der Weide ist die geschnittene Rinde. Sie stammt von der getrockneten Rinde junger Zweige oder aus getrockneten Stücken junger Zweige. Sie wird in der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache als Salicis cortex bezeichnet. Übersetzt heißt Salicis cortex Weidenrinde. Die Qualitätsanforderungen der Weidenrinde sind durch das Europäische Arzneibuch (Ph.Eur) geregelt. Ihre wichtigsten Inhaltsstoffe sind Phenolgykoside, Gerbstoffe und Flavonoide.
Medizinische Wirkungen
Die Wirkungen der Weidenrinde sind vielfältig. In der Antike bis in die Neuzeit wurde die Rinde vor allem wegen ihrer schmerzstillenden und ihrer fiebersenkenden Eigenschaften geschätzt, die inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen werden konnten. Heute ist die Weidenrinde vor allem wegen ihrer erwiesenen, entzündungshemmenden Wirkung bei rheumatischen Beschwerden beliebt und von Bedeutung.
Die Kommision E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt die Weidenrinde bei „fieberhaften Erkrankungen, rheumatischen Beschwerden und bei Kopfschmerzen.“
Die Weidenrinde wird entweder als Tee oder als Tinktur verarbeitet.


