Senna - Cassia senna und Cassia angustifolia

Wärmeliebende Pflanze mit heißem Charakter
In manchen asiatischen Kulturen würde man die Wirkung des Sennas wohl am ehesten mit „hitzeerzeugend“ oder als „Kälte aus dem Darm vertreibend“ beschreiben. Gemeint ist jedoch oft die abführende Eigenschaft der Pflanze. Mit dem Wissen, dass in Asien der Begriff Kältekrankheiten oftmals eine Gruppe für Unterfunktionen oder Trägheit (von Organen) darstellt, sind die Namensgebungen eine recht blumige Umschreibung für das Anwendungsgebiet der Pflanze „gegen Verstopfung.“
Wissenswertes über den Senna
Senna wird von fast allen Völkern der Erde medizinisch verwendet. Wenn man bedenkt, dass es weltweit etwa 260 verschiedene Arten gibt, ist dies auch nicht besonders verwunderlich. Die meisten Arten finden sich in den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas. Aber auch auf anderen Kontinenten wie Asien und Amerika finden sich zahlreiche Senna-Arten. Einzig in Europa findet man die Pflanze kaum. Auf unserem Kontinent ist es ihr zu kühl.Medizinisch werden zwei unterschiedliche Senna-Arten eingesetzt: Cassia senna und Cassia angustifolia. Beide Arten unterscheiden sich bezüglich ihres Aussehens und ihrer Inhaltsstoffe kaum.
In dem afrikanischen Land Burkina Faso beispielsweise, verordnen Medizinmänner und –frauen die Pflanze bei schweren Magenbeschwerden. Zu diesem Zweck wird die Wurzel zerdrückt, mit Honig vermischt und mehrmals täglich gegessen. In Äthiopien hingegen, wird die Pflanze ganz anders eingesetzt. Hier werden, wie in der westlichen Heilpflanzenkunde, die Blätter verwendet. Sie finden bei Verstopfung Einsatz.
Wird der Blick weiter gen Osten gerichtet – nach Indien und China – so findet man ebenfalls den Einsatz von Senna in der Volksmedizin. Medizinisch werden hier zumeist die Samen eingesetzt. Ihnen wird eine Wirkung gegen Epilepsie nachgesagt und sie werden oftmals in Kombination mit anderen Pflanzen bei Erkrankungen der Knochen eingesetzt.
Botanik des Sennas
Der Sennastrauch gehört zu der Familie der Johannisbrotgewächse (Caesalpiniaceae). Sein spindelförmiger Körper ist mit Stieldrüsen übersät und seine Blätter sind paarig gefiedert. Meistens befinden sich die Stieldrüsen zwischen den Blättchen oder an dem Blattstiel.
Sennablüten sind fast immer gelb. Manchmal können sie jedoch auch weiß oder rosafarben vorkommen. Die Pflanze entwickelt Hülsen, in denen sich die zahlreichen Samen befinden. Sie können von sehr unterschiedlicher Form sein und kommen in zylindrischer, vierkantiger oder flacher Gestalt vor. Die dunkelbrauen Samen sind glänzend und flach zusammengedrückt.
Verwendete Pflanzenteile und Inhaltstoffe des Sennas
Der Senna besitzt zwei medizinische Wirkstoffe: die Blätter und die Früchte, auch Schoten oder Samen genannt.
Bei den Sennesblättern handelt es sich um die getrockneten Fiederblättchen von Cassia senna. Allerdings können die Früchte von den zwei unterschiedlichen Stammpflanzen (Cassia senna und C. angustifolia) gewonnen werden. Sie werden nach der Ernte getrocknet. Sennesblätter werden ausschließlich von Cassia senna gewonnen und ihre Bezeichnung in der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache lautet Sennae folium.
Sennesfrüchte werden in Alexandriner-Sennesfrüchte (von Cassia senna) und in Tinnevelly-Sennesfrüchte (von Cassia angustifolia) eingeteilt. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache heißen Alexandriner-Sennesfrüchte Sennae fructus acutifoliae und Tinnevelly-Sennesfrüchte Sennae fructus angustifoliae.
Die Qualität aller Wirkstoff ist durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) festgelegt, wobei die Güte der Tinnevelly-Sennesfrüchte heute als höher als die von Alexandriner-Sennensfrüchten eingestuft wird. Sowohl Sennesblätter als auch die verschiedenen Sennesfrüchte sind reich an Anthranoiden. In den Sennesblättern kann der Gehalt bis zu 3% betragen, in den Früchten bis zu 5%. Bei den Hauptkomponenten handelt es sich um Sennosid A, A1 und B. Zusätzlich sind Anthranoide vom Emodin- und Aloe-Emodin-Typ enthalten, wobei der Gehalt an den Emodinen in den Blättern höher ist, als in den Früchten. Außerdem sind in beiden Wirkstoffen Napthalenderivae enthalten.
Medizinische Wirkungen
Sowohl Sennesblätter als auch von Alexandriner- und Tinnevelly-Sennesfrüchte sind wirksame Abführmittel, die bei Verstopfungen eingesetzt werden können. Beide Wirkstoffe eignen sich besonders dann zur Anwendung und stets zum kurzzeitigen Gebrauch, wenn eine Ernährungsumstellung keinen Erfolg nach sich zieht, wobei die Sennesfrüchte etwas milder in ihrer Wirkung sind, als die Blätter.
Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte und der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) befürworten die kurzzeitige Anwendung von Sennesblättern oder Sennesfrüchten (Alexandriner- und Tinnevelly-Sennesfrüchte) „bei Verstopfung.“


