Schafgarbe – Achillea millefolium

Eine Pflanze zwischen medizinischer Antike und Gegenwart
Die oft als Unkraut angesehene Schafgarbe wird dieser Abstrafung nicht gerecht. Schon ihr lateinischer Name erinnert an Achilles, den „schönsten und tapfersten Krieger vor Troja“. Der heil- und pflanzenkundige Zentaur Chiron, der ihn erzog, soll ihm die Schafgarbe als Allheilmittel empfohlen haben, dass wahre Wunder bewirken kann. Achilles wandte die Kenntnisse des Chiron an und heilte mit der Schafgarbe Telephos, den König der Myser.
Wissenswertes über die Schafgabe
Im europäischen Mittelalter war die Schafgarbe sehr beliebt, was auch in vielen Gedichten und Reimen deutlich wird: „Gedeihen Schafgarbe und Löwenzahn, ist´s um den Menschen wohlgetan.“
Die Geschichte der Schafgarbe reicht jedoch viel weiter zurück als bis ins Mittelalter. Sie wurde bereits in der Antike medizinisch eingesetzt. Damals verwendeten Heilkundige wie Plinius (23 – 79 n. Chr.) und Diokurides (40 – 90 n. Chr.) die Schafgarbe vor allem bei Magen- und Darmbeschwerden. Aber auch in der Frauenheilkunde und äußerlich zur Blutstillung setzte man die Pflanze ein.
Später, im mittelalterlichen Europa, schätzte vor allem die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) die krautige Pflanze sehr. Sie empfahl die Schafgarbe u.a. bei Fieber, Nasenbluten, Menstruationsstörungen oder Augentrübung.
Die Schafgarbe wurde damals hoch geschätzt und zeigt sich auch darin, dass die Pflanze zum traditionellen Kräuterbüschel am Maria-Himmelfahrts-Tag gehörte und ihre jungen Sprossen seit jeher als Salat zubereitet wurden.
In manchen nordischen Ländern braute man gar Bier aus der Pflanze, und das Gewächs galt zeitweise sogar als ein Zaubermittel. Am Körper getragen, sollte es vor bösen Einflüssen bewahren.
Heute ist von der mystischen Anwendung der Schafgarbe, die in ganz Europa, Nordamerika und Nordasien verbreitet ist, nur noch wenig übrig geblieben. Allerdings erinnern manche Synonyme der Pflanze an ihre ursprüngliche Bedeutung: Achilleskraut, Bauchwehkraut, Blutstillkraut, Garbenkraut oder Jungfrauenkraut sind einige dieser Namen.
Botanik der Schafgarbe
Die Schafgarbe ist eine mehrjährige Pflanze und wächst bis zu 1 Meter hoch. Sie gehört zur der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae/ Compositae). Ihr Wurzelstock ist rundlich und kriechend. Er treibt im Frühjahr aus. Der aufrechte Stängel ist reich beblättert und blütentragend. Ihre Blätter sind länglich und grundständig. Die Blüten haben eine fiederspaltige Gestalt, wobei die weißen oder rosafarbenden Blütenköpfchen zwischen 3 und 6 mm breit werden. Sie erinnern an eine doldenförmige Blüte. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Trugdolde.
Verwendete Pflanzenteile und Inhaltstoffe der Schafgarbe
Zu den medizinisch verwendeten Pflanzenteilen der Schafgarbe gehört das Kraut, dass aus den getrockneten Blüten, Stängeln und blühenden Triebspitzen mit Blättern besteht. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache heißt Schafgarbenkraut Millefolii herba. Die Qualität des Krautes wird durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) geregelt.
Schafgarbenkraut enthält ätherische Öle, bitter schmeckende Sesquiterpenalkoholen, Flavonoide und Caffeoylchinasäuren.
Medizinische Wirkungen
Schafgarbenkraut eignet sich wegen seiner enthaltenen Bitterstoffe und entkrampfenden Eigenschaften innerlich nachweislich zur Behandlung von Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden wie Krämpfe im Magen-Darmbereich. Außerdem hilft das Kraut beweisbar bei Wunden durch leichte Haut- und Schleimhautverletzungen. Äußerlich eingesetzt hilft Schafgarbenkraut nachweislich gegen Krämpfe im kleinen Becken der Frau.
Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt die Anwendung von Schafgarbenkraut innerlich „bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden“ sowie äußerlich zur Behandlung bei „Pilvipathia vegetativa“.
Zusätzlich befürwortet der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) die Anwendung von Schafgarbenkraut „bei leichten Haut- und Schleimhautentzündungen.“