Anzeige
Anzeige

Sie kennen uns vielleicht auch aus:

Rosskastanie – Aesculus hippocastanum

Anzeige
Rosskastanie – Aesculus hippocastanum

Vom Pferdefutter zum Venenheilmittel

Venenerkrankungen zählen zu den häufigsten Krankheitsbildern in der mitteleuropäischen Bevölkerung. Alleine in Deutschland sind etwa sechs Millionen Menschen betroffen. Tagsüber kommt es zu Schwellungen an den Knöcheln und Unterschenkeln, die Beine sind schwer und schmerzen. Der Wirkstoff der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) könnte Menschen, die an Venenschwäche leiden, helfen. Aber auch bereits bei Krampfadern kann die Heilpflanze helfen.

Wogegen hilft Rosskastanie?

Die Rosskastaniensamen werden vor allem wegen ihrer nachweislich gefäßabdichtenden, entzündungshemmenden und venenstärkenden Effekte geschätzt. Sie werden daher offiziell bei Venenschwäche verwendet, die sich beispielsweise durch Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, Wadenkrämpfen, Juckreiz und Beinschwellungen äußern kann.

Aufgrund klinischer Studien wurde weiterhin die Wirksamkeit der Samen bei Krampfaderleiden, Spätfolgen eines Gefäßverschlusses (Thrombose), Gefäßbeschwerden durch Stoffwechselerkrankungen und Schwellungen der Muskeln und Sehnen belegt (Quellen zu diesen Studien: Schilcher, Kammerer 2000; Jänicke et al. 2003).

Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt den Einsatz von Rosskastaniensamen-Extrakten „zur Behandlung von chronisch venöser Insuffizienz unterschiedlicher Genese“. Weiterhin befürwortet der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) die Anwendung „bei chronisch venöser Insuffizienz und Krampfadern“.

Die Anwendung der übrigen Wirkstoffe (Blätter, Blüten und Rinde) fällt in den traditionellen und volksmedizinischen Gebrauch. Ihre Wirkungen sind nicht offiziell anerkannt.

Wissenswertes über die Rosskastanie

Anzeige

Die gemeine Rosskastanie ist keine in Deutschland heimische Baumart, obwohl die Gattung Aesculus bereits vor der letzten Eiszeit auf unseren Breiten vorkam. Nach dem derzeitigen Wissensstand findet die Rosskastanie erstmals in alten Schriften aus Konstantinopel (heutiges Istanbul) Erwähnung. Die Osmanen begannen Mitte des 14. Jahrhunderts mit der Eroberung der Balkaninseln, die Rosskastanie diente dabei als Futter- und Heilpfplanze ihrer Pferde, wurde aber auch in den Städten kultiviert und entlang von Straßen angepflanzt. Erst im 16. Jahrhundert fand der Baum schließlich ihren Weg nach Mitteleuropa. 

Tatsächlich dauerte es eine Weile, bis die Rosskastanie hierzulande allerorts anzutreffen war. Erst einmal mussten nämlich geeignete Standorte für die riesigen Bäume gefunden oder gar geschaffen werden. Außerdem kann es bis zu 15 Jahre dauern, bis eine Rosskastania erstmals blüht und Früchte trägt. Auch sind ihre eigenen Ausbreitungsmöglichkeiten eher begrenzt. Viele andere Pflanzensamen verbreiten sich über den Wind. Bei der Rosskastanie ist dies aufgrund des Gewichts ihrer Samen kaum möglich.

Seit Beginn des 17. Jahrhunderts verbreiteten sich die Rosskastanien aber nach und nach auch in Deutschland und gehört seitdem wohl zu den beliebtesten Park- und Alleenbäumen überhaupt. Dafür spricht auch die folgende Notiz eines anonymen Naturfreundes: „Suche den Kontakt zur Rosskastanie, wenn Du mehr Ruhe und Gelassenheit für Dich benötigst, und wenn Du Leichtigkeit und Heiterkeit in Dein Leben bringen möchtest.“ Ebenfalls seit dem 17. Jahrhundert wird die Rosskastanie als Arzneipflanze in Deutschen Arzneibüchern erwähnt.

Der Baum ist eine der wenigen Heilpflanzen, die bei Venenleiden helfen können – denn die Inhaltstoffe ihrer Samen haben es in sich. Frische Rosskastaniensamen sind für den menschlichen Gaumen ungenießbar, ihre Extrakte aber von hohem medizinischen Wert. Vor allem das darin enthaltene Saponin Aescin kann zur Entwässerung des Gewebes beitragen. Außerdem kann es Entzündungen der Blutgefäße entgegenwirken. Venen werden gestrafft, das Blut fließt schneller und die Bildung von Blutgerinnseln kann durch den Wirkstoff verhindert werden.

Dabei wurden gewöhnliche Rosskastanien im 17. Jahrhundert hierzulande zunächst als Schattenspender in Parks und Alleen eingeführt. Kurz darauf wurden bereits erste medizinische Anwendungsgebiete des Baumes als Heilpflanze, der auch Pferdekastanie, Foppkastanie, Gemeine Rosskastanie, Saukastanie, Vixirinde, Wildi Kest(ene) oder wilde Kastanie genannt wird, dokumentiert.

Der botanische Name der Rosskastanie lässt auf das Alter des Baumes in manchen Regionen Südeuropas schließen: Ihr Name bezieht sich auf die römische Gottheit Jupiter. Die Bezeichnung „Aesculus“ kommt aus dem Lateinischen und kann übersetzt werden mit „eine dem Jupiter heilige, auf Bergen wachsende Eichenart mit festem Holz und großer Wuchshöhe“. Der Beiname „hippocastanum“ des Baumes lässt schlussfolgern, dass die Samen als Pferdefutter eingesetzt wurden. „hippocastanum“ kann in zwei griechische Wörter aufgespalten werden: „hippos“, zu Deutsch „Pferd“, und „kastanon“, was „Kastanie“ meint. Daher stammt auch ihr deutscher Name.

Botanik der Rosskastanie

Die Rosskastanie ist ein bis zu 35 Meter in die Höhe wachsender Baum aus der Familie der Rosskastaniengewächse (Hippocastanaceae). Die Fachliteratur ordnet ihn teilweise auch den Seifenbaumgewächsen (Sapindaceae) zu, allerdings handelt es sich hierbei um eine Minderheitenmeinung.

An den Blättern des sommergrünen Baumes lässt sich der Verlauf der Jahreszeiten gut ablesen, denn die großen, fünf- bis siebenzähligen gefingerten Blätter verfärben sich im Herbst und fallen im Winter ab, bis im Frühjahr neue Blätter entspringen, die eine Länge von bis zu 20 Zentimetern erreichen können. Im späten Frühjahr, in den Monaten April und Mai, entwickelt der Kastanienbaum seine weißen bis rosaroten Blüten, die steif in aufrechten kegelförmigen oder lang-eiförmigen Rispen am Ende der Zweige stehen. Aus ihnen entwickeln sich die Rosskastanienfrüchte, die in kugeligen, weichstacheligen, fein behaarten gelbgrünen Kapseln enthalten sind. Sie brechen im Herbst ab und entlassen je Kapsel zwei bis drei große, glänzend braune Samen, die von flachkugeliger Gestalt sind und einen großen gelblich graubraunen Nabelfleck auf ihrer starken Schale tragen. Eben jene gewöhnlichen Samen, die als „Kastanien“ im Herbst gern als Bastelmasterial genutzt werden.

Die Heimat des Rosskastanienbaums beschränkt sich auf Mitteleuropa, die Gebiete des Balkans und Kaukasus und Teile des Himalaja-Gebirges. Der Baum stellt keine hohen Ansprüche an Standort und Boden. Lediglich sehr feuchte Orte oder Staunässe verträgt die Rosskastanie nicht. Wohl auch aus diesem Grund ist der Baum eine beliebte Alleen- und Parkpflanze. Sonnenkönig Ludwig XIV. war es, der als erster eine Alleenbefplanzung in Deutschland anordnete.

Heute findet man die gemeine Rosskastanie zudem häufig in Innenstädten, da er einerseits gegen Umweltverschmutzung recht resistent ist, aber auch Schutz- und Lebensraum für Vögel und Insekten bietet. Trotzdem ist die Rosskastanie in Gefahr. Grund hierfür ist ein Schädling, die Rosskastanien-Miniermotte: Ihre Larven ernähren sich von den Blättern des Baumes, was die Bestände zunehmend gefährdet.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe der Rosskastanie

Zu medizinischen Zwecken kommen die Samen der Rosskastanie zum Einsatz. Ihre Wirkung ist offiziell anerkannt. In der traditionellen Medizin und Volksmedizin finden zudem auch die Blätter, Blüten und ihre Rinde Verwendung. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache werden diese Wirkstoffe als Hippocastani semen (Rosskastaniensamen), Hippocastani folium (Rosskastanienblätter), Hippocastani flos (Rosskastanienblüten) und Hippocastani cortex (Rosskastanienrinde) bezeichnet.

Die Qualität der Samen für die medizinische Nutzung ist im Deutschen Arzneibuch (DAB) festgelegt. Für andere Pflanzenteile existieren diese Standards nicht.

Die wichtigsten Inhaltstoffe der Samen sind Triterpensaponine (drei bis fünf Prozent) mit seiner wichtigen Komponente, dem Aescin, Flavonoide, Oligo- und Polysaccaride (Zuckerverbindungen), Gerbstoffe, Cumarine und fettes Öl.

Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe der Rosskastanienblätter verhält sich ähnlich wie bei den Früchten. Sie enthalten ebenfalls Triterpensaponine, Cumarine, Flavonoide und Gerbstoffe.

Rosskastanienblüten enthalten Saponine (Triterpensaponine), Cumarine und Flavonoide.

Auch die Rinde enthält das Triterpensaponin Aescin, ist aber besonders reich an Cumaringlycoside (Aesculin circa drei Prozent) und enthält außerdem Gerbstoffe, Harz, fettes Öl und Stärke.

Studienquellen:
  • Schilcher H, Kammerer S: Leitfaden Phytotherapie. München & Jena 2000
  • Jänicke C, Grünwald J, Brendler T. Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003
Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 26.11.2014
Anzeige
   Präparate mit dieser Heilpflanze:
* Hinweis
Die Angaben sind ausschließlich zu Informations­zwecken bestimmt und stellen keine Kauf- oder Anwendungs­empfehlung dar. Diese Informationen ersetzen auch nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

News zu Rosskastanie – Aesculus hippocastanum

Eine neue Studie belegt, dass Rosskastaniensamen sehr gut gegen Krampfadern wirken. Die Erkenntnis ist zwar nicht neu, jedoch erlangt das Naturheilmittel durch diese Studie weiter Bedeutung in der Behandlung des unschönen Venenleidens. Mit steig...