Pfefferminze Ernte und Herstellung

Pfefferminze Ernte und Herstellung

Die Pfefferminze ist eine beliebte Arznei- und Gewürzpflanze, die nicht nur zu arzneilichen Zwecken gebraucht wird, sondern auch in der Lebensmittelindustrie von hoher Bedeutung ist. Die Extrakte aus den Blättern der Pfefferminze oder das Pfefferminzöl sind beispielsweise Bestandteil von Genussmitteln, Schokoladen, Kaugummis und vielen Bonbons. Pfefferminzblättertee oder Auszüge aus der Pfefferminze in Lebensmitteln sind in jedem Supermarkt erhältlich.

In erster Linie aber spielt die Pfefferminze als pflanzliches Arzneimittel wegen ihrer Wirkungen eine wichtige Rolle. Auch deshalb wird sie in vielen europäischen Ländern angebaut, dort geerntet und beim jeweiligen Hersteller weiterverarbeitet. Ländern in denen Pfefferminzen gezüchtet und geerntet werden sind beispielsweise Rumänien, Tschechoslowakei, Deutschland, Österreich und die Ukraine.

Ernte der Pfefferminze

Die Ernte der Pfefferminze erfolgt vor der Blüte oder während der Knospenentwicklung. Zu diesem Zeitpunkt ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Der erste Schnitt der Pfefferminze ist aber auch von der Wuchshöhe und vom Blattertrag abhängig. Trotzdem sollte die erste Ernte bis Mitte Juli erfolgen. Eine zweite oder auch dritte Ernte kann im Spätsommer bis spätestens Mitte September passieren.

Beim Privatanbau oder Kleinanbau ist die Ernte per Hand üblich. Hierbei werden die Blätter vom Stängel zur Erzeugung reiner, ganzer Blattware abgestreift.

Nur bei großen Anbauflächen lohnt sich der Einsatz eines Mähladers oder eines Grünguternters. Die frische Pfefferminze wird gehäckselt und mit der Sieb- und Windsichtungsmethode werden Blätter und Stängel voneinander getrennt. Diesen Vorgang bezeichnet man auch als Krüllschnitt.

Getrocknet werden die Pfefferminzblätter bei einer Temperatur von maximal 42°C. Bei großen Mengen erfolgt dieser Prozess am besten auf Bandtrocknern, bis die Restfeuchte in den Blättern noch maximal 8% beträgt. Das Eintrocknungsverhältnis liegt zwischen 7 bis 8: 1.

Herstellung von Pfefferminzblätter-Extrakten und Pfefferminzöl

Die Pfefferminze hat 2 medizinische Wirkstoffe: Die Blätter (Pfefferminzblätter) und das daraus gewonnene ätherische Öl (Pfefferminzöl). Sowohl die Qualität des Pfefferminzblätter-Extraktes als auch die des Pfefferminzöls sind im Europäischen Arzneibuch (PhEur) geregelt.

Die ersten Schritte, die zur Herstellung der Wirkstoffe führen, sind identisch. Im ersten Schritt erfolgt eine Identitätsprüfung, um verfälschte Ware auszuschließen.

Diese Prüfung erfolgt mit Hilfe des Fingerprintchromatogramms, das zum Nachweis der typischen ätherischen Öle in den Pfefferminzblättern und im Pfefferminzöl dient. Der Nachweis erfolgt über Anisaldehydreagens. Als Vergleichssubstanz dienen z.B. Menthol und Menthylacetat. Die ätherischen Öle aus dem untersuchten Material erscheinen bei Echtheit dunkelblau bis violett (Menthol) und blauviolett (Menthylacetat).

Zur Gehaltsbestimmung wird ein chromatographisches Verfahren (Gaschromatographisches Verfahren) verwendet, wobei die einzelnen Inhaltstoffe aufgetrennt und so bestimmt werden können. Der Gehalt an ätherischen Ölen muss mindestens 1,2% betragen. Wenn dies der Fall ist, kann aus den Pfefferminzblättern auch das wertvolle Pfefferminzöl hergestellt werden. Dessen Gehalt muss wiederum aus mindestens 44% freien Alkoholen wie Menthol, mindestens 15 aber maximal 32% Ketonen wie Menthon und 3 bis 10% Estern z.B. Menthylacetat bestehen.

Für die Arzneimittelherstellung z.B. von Pastillen, Gel oder Zäpfchen werden entweder die durch Wasserdampfdestillation gewonnenen ätherischen Öle oder die Pfefferminzblättertrocken-Extrakte gebraucht.

Quellen:
  • Augustin M, Schmiedel V: Leitfaden Naturheilkunde. 4. Auflage, Stuttgart 2003
  • Brickell Ch (Hrsg.): Die Neue Garten Enzyklopädie. London, New York, München, Melboune, Delhi 2003
  • Frohn B: Klostermedizin. München o.J.
  • ESCOP (the European Scientific Cooperative on Phytherapy) (Hrsg.): ESCOP Monographs. 2nd Edition, Stuttgart – New York 2003
  • Teuscher E, Melzig MF, Lindequist U: Biogene Arzneimittel. München 2004
  • Wichtl M (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka. 5. Auflage, Stuttgart 2009
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