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Pestwurz – Petasites hybridus

Pestwurz – Petasites hybridus

Fast vergessene Heilpflanze gegen Schmerzen

Sie stinkt nicht. Sie sieht auch nicht abstoßend aus. Dennoch klingt ihr Name wenig verlockend: Pestwurz. Dabei wurde die Heilpflanze gerade zu Zeiten der Pest, im Mittelalter, hoch geschätzt. Als Heilmittel gegen die oft tödlich endende Krankheit erhielt sie ihren deutschen Namen.

Wissenswertes über die Pestwurz

Über viele Jahrhunderte, sogar Jahrtausende, gehörte die Pestwurz in jede Apotheke von Heilkundigen, bis sie im ausgehenden Mittelalter fast völlig in Vergessenheit geriet – aber eben nur fast.

Die frühen Bewohner Mitteleuropas müssen die Heilpflanze schon verwendet haben, denn die Kelten gaben sie - wie Funde im Hallstätter Salzberg belegen – den Toten mit.

Der griechische Arzt Pedanios Dioskurides (1. Jh. n. Chr.), der gleichzeitig Militärarzt Neros war, empfahl Pestwurzblätter „fein zerstoßen als Umschlag gegen bösartige und krebsartige Geschwüre“. Über diesen Einsatzbereich muss auch die Heilige Hildegard von Bingen (1098 bis 1178) gelesen haben, denn auch sie setzte die Pestwurz, die sie noch „Großen Huflattich“ nannte, als Auflage bei Geschwüren ein. Erst im weiteren Verlauf des Mittelalters veränderte sich der Einsatz der Pestwurz. In ihren Beobachtungen stellten die Heilkundigen offenbar fest, dass die Heilpflanze gute Erfolge gegen Schmerzen erzielen kann, weswegen sie während der Pestepidemien im Mittelalter eine Art „Hochkonjunktur“ erlebte. Im 18. Jh. wurde die Pestwurz noch in einigen Kräuterbüchern erwähnt, dann geriet sie als Heilpflanze in Vergessenheit und wurde in England lediglich als eine im Winter blühende Topfpflanze geschätzt. 1885 machten schließlich die Wissenschaftler Schladgenhauffen und Reeb im „Journal Pharmacie d´Alsace-Lorraine“ auf die krampflösende und schmerzstillende Wirkung der Inhaltsstoffe der Pestwurz aufmerksam. Doch erst nach dem 2. Weltkrieg wurde die Pflanze Gegenstand intensiverer wissenschaftlicher Untersuchungen.

Botanik der Pestwurz

Die Pestwurz kann zwischen 0,2 bis 1 Meter hochwachsen. Sie gehört zu der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae). An ihren großen, fleischigen Stängeln gliedern sich große, langgestielte Blätter an, die von rundlich-herzförmiger und unregelmäßig gezähnter Gestalt sind. Die Pestwurz blüht früh im Jahr, von März bis Mai. Die endständige Blüte erscheint zum Ende dieser Blütezeit röhrenförmig, rosa, in kleineren weiblichen oder größeren männlichen Köpfchen, wobei der Blütenstand dicht walzlich und nach der Blüte verlängert ist. Aus der Blüte entstehen die Pestwurzfrüchte, die von prismatischer Form sind, und mit einem beigefarbenden Pappus ausgestattet sind.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe der Pestwurz

Das medizinisch eingesetzte Pflanzenteil der Pestwurz ist der Wurzelstock der Pflanze. Dabei handelt es sich um die getrockneten unterirdischen Bestandteile der Pestwurz, die entweder im Frühjahr vor der Blüte oder im Herbst, nach der Blüte geerntet werden.

In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache heißt der Pestwurzwurzelstock Petasitidis rhizoma. Die Anforderungen an die Qualität des Wirkstoffes wurden im Europäischen Arzneibuch (PhEur) geregelt, wozu auch die Inhaltsstoffe gehören. Der Wurzelstock enthält Sesquiterpene, z.B. Petasin, Neopetasin und Isopetasin, ätherische Öle, Schleimstoffe sowie geringe Mengen Pyrrolizidinalkalodie.

Medizinische Wirkungen

Der Pestwurzwurzelstock kann sehr gut bei krampfartigen Beschwerden der ableitenden Harnwege, besonders bei Steinleiden eingesetzt werden. Dieses Anwendungsgebiet ist offiziell anerkannt. Darüber hinaus gehört der Wirkstoff zu den seltenen pflanzlichen Arzneimitteln, die nachweislich vorbeugend gegen Migräne wirken können.

Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte befürwortet die Anwendung des Pestwurzwurzelstocks „adjuvant bei akuten krampfartigen Schmerzen im Bereich der ableitenden Harnwege, vor allem bei Steinleiden.“

Geschrieben von Redaktion 11.02.2011
Geschrieben von Redaktion 11.02.2011
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