Passionsblume – Passiflora incarnata

Passionsblume – Passiflora incarnata

Kein Wundermittel bei Nervosität und Unruhe aber eine gute Alternative

Etwa 10 bis 15% der Bevölkerung leiden unter Angst und erleben Panikanfälle. Damit gehören die Beschwerden zu den häufigsten psychischen Störungen. Werden sie nicht behandelt, können sie chronisch und damit dauerhaft auftreten. Ursachen für Angst sind vielfältig. Zu ihnen können belastende Situationen oder Erlebnisse gehören, Erziehungsstiele oder genetische Faktoren beitragen. Neben Angstanfällen, kann es beispielsweise zu Unruhe, Nervosität, Schlafbeschwerden, Zittern, trockener Kehle oder Atemnot kommen.

Wissenswertes über die Passionsblume

Dass die Passionsblume (Passiflora incarnate) positive Effekte bei Angst, Nervosität und Einschlafschwierigkeiten entfalten kann, hatten bereits die Indianerstämme der Mayas und Azteken in Amerika entdeckt. Sie setzten die Passionsblume als Arznei- und Heilmittel seit Urzeiten ein. Das Belegen Funde der Fruchtkerne, die bei Ausgrabungen der Maya Stätten gefunden wurden. Hierzulande ist die Passionsblume eher unter dem Namen ihrer Frucht: Maracuja bekannt, die als Obst gegessen wird und bis heute überwiegend in den USA und in Indien angebaut wird.

Erstmalig erwähnt wird die Passionsblume durch den indianischen Heiler Martin de la Cruz, der Mitte des 16. Jahrhunderts ein Kräuterbuch der Azteken verfasste. Die Azteken wendeten die Passionsblume nicht nur bei Unruhe an, sondern auch bei Knochenbrüchen und Prellungen. Trotzdem schenkte man der Heilpflanze in Europa lange Zeit kaum Aufmerksamkeit. Das änderte sich erst Mitte des letzten Jahrhunderts, nachdem der Mediziner Gerhard Maudaus die Pflanze in seinem „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ umfangreich beschrieb und nachfolgend erste Untersuchungen zur Pflanze erfolgten.

Der botanische Name der Passionsblume „Passiflora“ geht auf die Kirche zurück. Die Kleriker im frühen 17. Jahrhundert sahen beispielsweise in der Blüte die Marterwerkzeuge Christi und in der Blütenkorona seine Dornenkrone. Der Beiname (Spezies) „incarnata“ lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und bedeutet „fleischfarbig“ im Sinne von „fleischgeworden“. Darauf bezieht sich auch das einzige Synonym der Passionsblume, die auch Fleischfarbende Passionsblume genannt wird.

Botanik der Passionsblume

Die Passionsblume ist eine Kletterpflanze, die bis zu 10 Meter lang werden kann und zu der Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae) gehört. Sie besitzt einen dünnen grünen, teilweise verholzten Stängel mit wechselständig gestielten und tief gelappten Blättern. Die außergewöhnlich große Blüte, die einen Durchmesser von 5 bis 8 cm besitzt, wird von einem blattachselständigen Blütenstiel getragen.

Die Pflanze besitzt je 5 Kelchblätter und 5 Kronblätter sowie eine Nebenkrone aus 4 Fadenkränzen. Die Kelchblätter sind außen grünlich, nach innen hin weißlich und die Kronblätter haben eine blassrötliche bis weiße Farbe. Die Nebenkrone, die strahlig um die Blütenachse angeordnet ist, ist innen weiß und außen purpurrot.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe der Passionsblume

Für medizinische Zwecke wird das fein geschnittene Kraut der Passionsblume eingesetzt. Es besteht aus Blättern, Blütenteilen und kann auch Fruchtteile enthalten. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache wird Passionsblumenkraut als Passiflorae herba bezeichnet. Die Qualität des Krautes ist im Europäischen Arzneibuch (PhEur) festgelegt.

Zu ihren Inhaltsstoffen gehören vor allem Flavonoide (bis 2,5 %), cyanogene Glykoside, ätherische Öle, Aminosäuren und Polysaccaride.

Medizinische Wirkungen

Das Passionsblumenkraut ist vor allem wegen seiner Wirkungen auf das unwillkürliche (vegetative) Nervensystem von Bedeutung. Wegen seiner positiven Wirkungen auf die Nervenzellen kann das Kraut Nervosität, Unruhe und Einschlafstörungen entgegenwirken.

Die Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt Passionsblumenkraut bei „nervösen Unruhezuständen“. Der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) befürwortet zusätzlich die Anwendung bei „Ruhelosigkeit und Reizbarkeit mit Einschlafstörungen“.

Quellen:
  • Jänicke CJ, Grünwald J, Brendler T: Handbuch Phytotherapie. Stuttgart 2003
  • Schilcher H: Pflanzlich Psychopharmaka. Eine neue Klassifizierung nach Indikationsgruppen. In: Deutsche Apotheker Zeitung 1995; 135: 1811-1822
  • Schulz V, Hänsel R: Rationale Phytotherapie. 3. Auflage, Berlin, Heidelberg, New-York 1996
  • Tierra M: Westliche Heilkräuter in TCM und Ayurveda. München & Jena 2001
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