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Melisse – Melissa officinalis

Melisse – Melissa officinalis

Teure Pflanze in doppelter Hinsicht

Herztrost oder Frauenkraut nannten die Menschen im Mittelalter die Melisse (Melissa officinalis). So entstanden Zitate wie „tröstet Melisse das Herz und pustet alle Traurigkeit hinweg“.

Tatsächlich wurde die Melisse schon vor Jahrhunderten in Deutschland und seit 2000 Jahren rund ums Mittelmeer sowie im Orient gegen Herzbeschwerden, Traurigkeit und Frauenkrankheiten eingesetzt.

Wissenswertes über die Melisse

Die meisten traditionellen Anwendungsbereiche der Melisse konnten zwar auch nach aufwendigen Untersuchungen nicht belegt werden. Dafür ist man sich heute in der Fachwelt sicher, dass die Melisse zumindest nervöse Schlaflosigkeit vertreiben vermag und dadurch wohl auch den Geist zur Ruhe bringen kann.

Im Mittelalter war die Melisse eine Art Allheilmittel. Das ätherische Öl aus den Blättern der Melisse wurde erst im 19. Jahrhundert entdeckt und diente fortan als ein Bestandteil von vielen zur Herstellung des bis heute berühmten Melissengeistes. Der Anteil des Melissenöls im Melissengeist dürfte gering sein, denn das Melissenöl ist eines der kostbarsten und teuersten ätherischen Öle weltweit überhaupt. Das liegt daran, dass der Gehalt an ätherischen Ölen in den Blättern naturgegeben gering ist. Zerreibt man die Blätter vorsichtig in der Hand, so wird der zitrisch-aromatische Duft freigesetzt. Auf diesen Duft deuten auch viele ihrer sinnverwandten Namen hin:

Citronelle, Gartenmelisse, Zitronenkraut und Zitronenmelisse.

Die Melisse ist daher eine teure Pflanze, weil ihr wertvolles Öl teuer im Preis ist, die Melisse an sich aber auch eine teurere Pflanze für den Menschen ist.

Botanik der Melisse

Die Melisse ist eine mehrjährige Pflanze, die zu der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae/ Labiatae) gehört. Sie hat einen mehrköpfigen Wurzelstock mit zahlreichen bis zu 30 cm langen, hellbraunen bis weißen Wurzeln. Die aufrechten oder hochsteigenden, vierkantigen Stängel können zwischen 60 bis 80 cm hoch wachsen.

Die eiförmigen, zum Teil leicht herzförmigen und gegenständig angeordneten Blätter der Melisse duften stark zitronenartig. Sie sind meist grob und in regelmäßigen Abständen gesägt. Im oberen Teil der Pflanze, werden die Blätter kleiner und sind teilweise unterseitig behaart.

Die bläulich bis weißlichen Blüten der Melisse stehen achselständig in Scheinwirteln. Ihre Blütezeit ist von Juli bis August, aber erst ab dem zweiten Standjahr. Die Samen der Melisse sind länglich und eiförmig sowie dunkelbraun glänzend.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltstoffe der Melisse

Die medizinischen Wirkstoffe der Melisse sind die Blätter der Pflanze und das daraus gewonnene ätherische Öl (Melissenöl). Es wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Melissenblätter werden in der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache als Melissae folium bezeichnet, Melissenöl als Melissae aetheroleum. Die Qualität der Melissenblätter wird im Europäischen Arzneibuch (PhEur) beschrieben. Anforderungen an die Qualität des Melissenöls sind im Deutschen Arzneibuch (DAB 6) festgehalten.

Melissenblätter enthalten die ätherischen Öle Citral und Citronellal. Ein Mindestgehalt an ätherischem Öl wird im PhEur nicht vorgeschrieben, aber beide ätherischen Öle müssen vor der Herstellung zu einem Arzneimittel oder dem Verkauf in Apotheken während der Identitätsprüfung nachgewiesen werden.

Weitere wichtige Inhaltstoffe in den Melissenblätter sind die Lamiaceengerbstoffe, vor allem Rosmarinsäure. Außerdem enthalten sie Glykoside der ätherischen Öle, das Eugenol, und Flavonoide.

Das ätherische Öl aus den Melissenblätter (Melissenöl) setzt sich bis zu 70% aus dem Hauptbestandteil Citral zusammen. Citral besteht wiederum aus Geranial und Neral. Die zweite wichtige Komponente im Melissenöl ist das Citronellal. Sein Anteil beträgt bis 20%.

Medizinische Wirkungen

Melissenblätter-Extrakte werden seit Jahrtausenden medizinisch eingesetzt. Heute gelten ihre Wirkungen gegen Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten, Magen-Darmproblemen und bei Lippenherpes (Herpes labilis) als nachweislich belegt.

Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte befürwortet die Anwendung von Extrakten aus Melissenblättern bei „nervös bedingten Einschlafstörungen und funktionellen Magen-Darm-Beschwerden.“

Zusätzlich empfiehlt der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) die Anwendung innerlich bei „Nervosität, Rastlosigkeit und Erregbarkeit sowie zur symptomatischen Behandlung von Verdauungsstörungen wie leichten Krämpfen“. Äußerlich angewendet befürwortet ESCOP die Anwendung bei „Herpes labialis“.

Melissenöl wird in der Aromatherapie und in der Volksmedizin u.a. zur Entspannung und Schlafförderung eingesetzt. Die Wirksamkeit des Melissenöls wurde mehrfach bestätig aber weder von der Kommission E noch von ESCOP bewertet.

Geschrieben von Redaktion 07.02.2011
Geschrieben von Redaktion 07.02.2011
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