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Meerrettichwurzel-Extrakt – Armoraciae rusticanae radix

Meerrettichwurzel-Extrakt – Armoraciae rusticanae radix

Scharfe Pflanze zur Abwehr von Bakterien und bei Muskelschmerzen

Das medizinisch wertvolle Pflanzenteil des Meerrettichs ist seine frische oder getrocknete Wurzel die im Herbst ab September bis Februar geerntet wird. Meerrettichwurzel-Extrakte wirken nachweislich hemmend auf das Wachstum zahlreicher Bakterien, darunter auch gegen solche, die Atemweg- und Harnweginfektionen auslösen können. Bei äußerlicher Anwendung verfügt der Wirkstoff über eine ganz andere Wirkung.

Die Inhaltsstoffe der Meerrettichwurzel wirken gewebereizend und dadurch durchblutungsfördernd, weswegen sie nachweisbar gegen leichte Muskelschmerzen hilfreich sind.

Auf einen Blick:

Meerrettichwurzel

  • Wirkt: keimhemmend gegenüber Bakterien, gewebereizend
  • Kann innerlich eingesetzt werden: bei entzündlichen Atemwegserkrankungen, zur unterstützenden Therapie bei Infektionen der Harnwege
  • Kann äußerlich eingesetzt werden: bei Entzündeten Luftwegen, bei leichten Muskelschmerzen

Inhaltsstoffe der Meerrettichwurzel

Die frische Meerrettichwurzel gibt ihre wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe nicht sofort frei. Sie enthält zunächst die Glucosinole (Senfölglykoside) Sinigrin und Gluconasturin. Wird die Wurzel beschädigt, z.B. zerkleinert, tritt ein Stoffwechselaktivator (Enzym), das natürlicherweise in der Meerrettichwurzel enthalten ist, in Aktion. Es heißt Myrosinase und bewirkt, dass sich die Zucker (Glykoside) vom Senföl abspalten und Allylsenföl (90%), sowie etwas Phenylethylensenföl freigesetzt werden. Beide Inhaltsstoffe wirken reizend auf die Tränendrüsen, weswegen beim Zerreiben der frischen Meerrettichwurzel oftmals die Tränen fließen.

Sowohl Allylsenföl als auch Phenylethylensenföl entstehen auch beim Trocknen der Wurzel.

Innerlich eingesetzt wirken diese beiden Inhaltsstoffe abtötend auf verschiedene Bakterien, z.B. Escherichia coli und Staphylococus aureus. Gleichzeitig wirken die beide Komponenten gewebereizend, was bei Personen mit empfindlichem Magen, Beschwerden auslösen kann. Bei äußerer Anwendung ist die Reizwirkung wiederum nützlich, weil sie nachweislich eine leichte Durchblutungsförderung bewirkt. Außerdem wirken die Senföle auch bei äußerer Anwendung keimhemmend bei Atemwegsinfektionen.

Anwendung bei Atemwegserkrankungen

Vermehrungshemmend auf Bakterien

Meerrettichwurzel-Extrakte wirken wegen ihrer enthaltenen Senföle – innerlich und äußerlich angewandt – hemmend auf das Wachstum von Bakterien. Bei Infektionen der Luftwege, aber auch der Harnwege (s. unten) sind diese Senföle besonders effektiv. Nachdem sie bei innerlicher Aufnahme vom Dünndarm aufgenommen wurden und im Blut zirkulieren, sind sie an kleine Transporteiweiße gebunden. Sie durchwandernd den gesamten Blutkreislauf, bis sie schließlich in den Organen ankommen, von denen sie ausgeschieden werden. Dazu gehören auch die Lungen.

Bevor sie jedoch ausgeschieden werden, verbleiben die Senföle noch einige Zeit in den Atemwegen und entfalten dort ihre keimabtötende Wirkung, indem sie die Vermehrung der entzündungsauslösenden Bakterien hemmen.

Der keimabtötende Mechanismus funktioniert zudem auch über die Atemluft bei äußerer Anwendung. Mit der Ein- und Ausatmung erfüllen die Senföle ähnliche Wirkungen. Aus diesem Grund verdienen es Senföle zu Recht auch als pflanzliche Antibiotika bezeichnet zu werden. Zudem haben sie einen großen Vorteil gegenüber den klassischen Antibiotika: Senföle werden bereits in den oberen Abschnitten des Darms, in Dünndarm, ins Blut aufgenommen, gelangen also nicht in den Dickdarm wie herkömmliche Antibiotika, die dort die nützlichen Bakterien gleichfalls abtöten und somit das Gleichgewicht der Verdauung stören können.

Wichtig ist es jedoch immer die Risiken und Nutzen gegeneinander abzuwägen. Es gibt bakterielle Erkrankungen, bei denen Heilpflanzen-Extrakte nicht ausreichend wirken, z.B. Lungenentzündung.

Anwendung bei Entzündungen der Harnwege

Antientzündlich bei Harnwegsinfekten

Der Wirkmechanismus der Meerrettichwurzel-Extrakte ist mit dem bei Atemwegserkrankungen (s. oben) zu vergleichen.

An Eiweiße gebunden, zirkulieren die Senföle durch die Blutbahn und gelangen letztendlich an ihren Ausscheidungsort, die Harnwege. Dort sammeln sie sich und greifen direkt entzündungsauslösende Bakterien an. Die Senföle der Meerrettichwurzel bewirken, dass das Wachstum und die Vermehrung der Keime vermindert werden, die als Folge absterben. Hierzu gehören u.a. Escherichia coli Bakterien, die besonders häufig unkomplizierte Harnwegsinfektionen (z.B. häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen) auslösen.

Gut zur Kombination der Meerrettichwurzel-Extrakte sind Cranberryfrüchte geeignet, die ebenfalls nachweislich gezielt gegen Escherichia coli Bakterien wirken.

Anwendung bei Muskelschmerzen

Durchblutungsfördernd auf die Muskulatur

Während Meerrettichwurzel-Extrakte bei innerlicher Einnahme vor allem gegen Bakterien wirken, dienen sie bei äußerlicher Anwendung in erster Linie dazu, die Muskulatur besser zu durchbluten. Der Wirkstoff, oder besser gesagt, seine Inhaltsstoffe, die Senföle wirken gewebereizend. Dieser Effekt tritt sowohl bei innerlicher Anwendung als auch bei Äußerlicher ein.

Was bei innerer Einnahme eher zu unerwünschten Wirkungen führt, wie Magen-Darmbeschwerden, löst bei äußerer Anwendung über die Haut eine Durchblutungssteigerung des Muskelgewebes aus. Diese Reizwirkung wird zumeist durch eine Rötung der Hautstelle sichtbar gemacht, was jedoch bei leichten Muskelschmerzen, wie Muskelkater oder rheumatischen Beschwerden, positive Folgen nach sich ziehen kann, da die schmerzenden Muskelpartien besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden. Schmerzen, die bisweilen sogar die Bewegungsfähigkeit einschränken können, lassen nach.

Meerrettichwurzel-Extrakt

Darreichungsform und Dosierung der Meerrettichwurzel

Meerrettichwurzel

Für die innerliche Anwendung kann die frische Meerrettichwurzel als Lebensmittel therapeutische Zwecke erfüllen. Zerreiben Sie hierzu die frische Meerrettichwurzel und mischen Sie pro Portion etwa 10 bis 15 g beispielsweise unter Äpfel, Joghurt oder Quark.

Dosierung

Verzehren Sie täglich etwa 20 g der frischen Meerrettichwurzel. Nach dem Verzehr von ca. 10 g dauert es 1 bis 3 Stunden, bis die Wirkung auf die Bakterien eintritt.

Umschlag

Bei schmerzenden Muskeln sowie bei Atemwegserkrankungen ist ein Umschlag (Kataplasma) aus geriebener Meerrettichwurzel ein hilfreiches Hausmittel. Geben Sie hierzu 15 bis 25 g der zuvor zerriebenen Wurzel direkt Haut und verteilen Sie den Brei mit einem Spatel.

Dosierung

Die zerriebene Meerrettichwurzel wird dünn auf die schmerzende Körperstelle, bzw. bei Atemwegserkrankungen auf die Brust, aufgelegt und mit einem Baumwoll- oder Leinenhandtuch bedeckt. Wechseln Sie den Umschlag mehrmals täglich.

Meerrettichwurzel-Extrakt

Risiken und Nebenwirkungen

Bitte beachten Sie: Risiken sind bei der Anwendung von bestimmungsgemäßen Dosen (Mittlere Tagesdosis: 20 g) der Meerrettichwurzel nicht bekannt.

Als Nebenwirkung kann es jedoch in seltenen Fällen zur Magen-Darmbeschwerden kommen. Auch sollte wegen der schleimhautreizenden Wirkung der Senföle keine Einnahme bei Magen-Darmgeschwüren sowie bei Nierenerkrankungen und bei Kindern unter 4 Jahren erfolgen.

Bitte dosieren Sie die Präparate wie in der Packungsbeilage angegeben, bzw. wenden Sie die Dosierung an, die Ihr behandelnder Arzt verordnet hat.

Fertigarzneimittel

Extrakte aus Meerrettichwurzel sind als Fertigarzneimittel in Kombination mit anderen Heilpflanzen in Form von Filmtabletten erhältlich. Außerdem erhalten Sie den Wirkstoff in getrockneter Form in Ihrer Apotheke.

Meerrettichwurzel-Extrakte wirken innerlich eingesetzt nachweislich abtötend auf Bakterien, die sowohl Entzündungen der Atemwege als auch der Harnwege auslösen können. Bei Atemwegserkrankungen können Meerrettichwurzel-Extrakte zudem äußerlich verwendetet werden. Zusätzlich der Wirkstoff bei äußerem Gebrauch beweisbar gegen leichte Muskelschmerzen.

In der Volksmedizin wird die Meerrettichwurzel bei Erkältungen, grippalen Infekten, zur Verdauungsförderung, Gicht, Rheuma und bei Leber- und Galleerkrankungen eingesetzt.

Quellen:
  • Gensthaler G: Meerrettich – Scharfe Wurzel gegen Bakterien. Link
Geschrieben von Redaktion 07.02.2011
Geschrieben von Redaktion 07.02.2011
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