Mariendistel – Silybum marianum

Mariendistel

Dornige Pflanze mit schützender Wirkung

Der Mariendistel (Silybum marianum) traut man auf den ersten Blick kaum etwas zu. Sie wächst an Bahndämmen, auf Schuttplätzen und auf Ödland. Ihre dornigen Blätter laden auch nicht zum Pflücken ein – vielmehr erscheint sie wie ein lästiges Unkraut.

Das ist die Mariendistel jedoch ganz und gar nicht.

Wissenswertes über die Mariendiestel

Die Heilwirkung der Mariendistel wussten bereits die Menschen in der Antike zu schätzen. Aber kaum einer weiß, dass die Pflanze der heiligen Jungfrau Maria geweiht ist. In der Legende heißt es, dass die Milch der Jungfrau Maria auf der Pflanze tropfte, die zur weißen Sprenkelung der Blätter führte. Deshalb wurde die Mariendistel lange Zeit von stillenden Frauen angewendet.

Die Milchbildung fördern die Pflanzenextrakte aus der Mariendistel zwar nicht, dafür besitzen sie eine ganze Reihe wichtiger Schutz- und Regenerationsfunktionen. Diese Funktionen wurden allerdings erst im 18. Jahrhundert beobachtet, später untersucht und bewiesen.

Wegen der engen Verbindung zum frühen Christentum und ihrer äußeren Erscheinung hat die Mariendistel viele weitere Namen, die auf diese Verbindung schließen lassen: Christi Krone, Frauendistel, Heilandsdistel, Marienkörner und Milchdistel. Andere Synonyme lassen eher auf die medizinische Wirkung der Pflanze schließen: Fieberdistel, Gallendistel, Leberdistel, Magendistel, Stechkörner und Stichsamen sind einige dieser Namen.

Die Mariendistel ist eine genügsame Pflanze. Ursprünglich in Südeuropa, Kleinasien und Nordafrika beheimatet, weitete sie ihren Lebensraum immer weiter aus, bis sie schließlich auch in Mitteleuropa ankam und heimisch wurde. Diese Begabung zur Ausbreitung verdankt sie ihrer Anpassungsfähigkeit an Standort, Boden und Klima. Für medizinische Zwecke werden allerdings ausschließlich Mariendistelpflanzen aus Kulturen verwendet.

Botanik der Mariendiestel

Die Mariendistel ist eine aufrechte 30 bis 150 cm hoch wachsende Pflanze, die zu der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae/ Compositae) gehört.

Ihre Blätter sind wechselständig angeordnet und nach unten hin fiederspaltig, nach oben lanzettlich und stängelumfassend. Sie sind entlang der Blattnerven weiß gefleckt und am Rand mit gelben, spießförmigen Stacheln übersät.

Zwischen Juni und September blühen purpurrote Korbblütenköpfchen der Mariendistel, die aus Röhrenblüten bestehen. Vor allem die Hüllblätter der Blüte verleihen der Mariendistel ihr typisch distelartiges Aussehen. Aus diesen Blüten entwickeln sich nach der Blütezeit die braun gefleckten Früchte, die mit einem Flugorgan (Pappus) zur Verbreitung ausgestattet sind.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltstoffe der Mariendiestel

Die medizinisch verwendeten Wirkstoffe der Mariendistel sind ihre reifen, vom Pappus befreiten Früchte. In der medizinischen und pharmazeutischen Fachsprache heißen diese Mariendistelfrüchte „Cardui mariae fructus“. Die Qualität der Mariendistelfrüchte und ihre Zubereitungen sind durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) geregelt.

Zu ihren wichtigsten Inhaltstoffen gehören das wirksamkeitsbestimmende Flavonoidgemisch Silymarin (Naturstoff aus Silybinin, Silydianin und Silychristin). Daneben enthalten die Früchte weitere Flavonoide und fettes Öl.

Medizinische Wirkungen

Mariendistelfrüchte sind medizinisch vor allem aufgrund ihrer Schutz- und Erneuerungsfunktionen auf die Zellen der Leber und den Magen-Darmtrakt von Bedeutung. Sie helfen nachweislich unterstützend bei dauerhaft-entzündlichen Lebererkrankungen, Leberkrankheiten im Endstadium und bei Magen-Darmbeschwerden (Reizdarm-Syndrom).

Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte befürwortet die Anwendung von Extrakten aus Mariendistelfrüchten bei „dyspeptischen Beschwerden“ und deren Zubereitungen (Silymaringemisch) „adjuvant bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und adjuvant bei Leberzirrhose“.

Quellen:
  • Bühring U: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. 2. Auflage, Stuttgart 2009
  • Fintelmann V, Alber A: Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit von Legalon bei toxischen Lebererkrankungen im Doppelblindversuch. In: Therapiewoche 1980; 30: 5589-5594
  • Schilcher H, Kammerer S, Wegener T: Leitfaden Phytotherapie. München & Jena 2010
Geschrieben von Redaktion am 01.12.2011
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