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Lein – Linum usitatissimum

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Lein – Linum usitatissimum

Unscheinbare Pflanze mit großer Wirkung für Magen und Darm

Die ältesten Spuren von Leinsamen wurden in 5.000 bis 6.000 Jahre alten Schweizer Pfahlbauten entdeckt. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass der Lein (Linum usitatissimum) bereits seit 2.500 Jahren medizinisch genutzt wird. Damit gehört der Lein – auch Flachs oder Öllein genannt – zu den ältesten Kultur- und Heilpflanzen überhaupt. Tatsächlich werden Leinsamen auch in der modernen Phytotherapie gerne eingesetzt. Sie nützen primär bei Beschwerden von Magen und Darm: gegen Verstopfung, Dickdarmschäden, Reizdarm, Divertikulitis, Gastritis und Entiritis. 

Wogegen hilft Leinsamen?

Leinsamen haben ein breites Wirkspektrum. Innerlich eingesetzt nützen sie bei chronischer Verstopfung, geschädigtem Dickdarm, ausgelöst durch Missbrauch von Abführmitteln, Reizdarm-Syndrom, gegen kleine entzündete Ausstülpungen der Darmwand (Divertikulitis) und bei Magen- sowie Darmschleimhautentzündungen (Gastritis und Enteritits).

Äußerlich als Breiumschlag angewendet, nützen die Leinsamen gegen lokale Entzündungen. Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte und der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) befürworten die innerliche Anwendung von Leinsamen „bei habitueller Obstipation, durch Abführmittel geschädigtes Kolon, Colon irritabile, Divertikulitis, Gastritis und Enteritis als Schleimzubereitung“, sowie äußerlich „bei (schmerzhaften) lokalen Entzündungen.“

Wissenswertes über den Lein

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Schon die alten Ägypter gebrauchten den Lein und auch den Germanen war die Pflanze heilig: Sie weihten sie der Göttin Frigg, auf die der Name Freitag zurückgeht.

Von der Antike bis zum Mittelalter wussten quasi alle großen Gelehrten und Heilkundigen die Heilwirkung der Leinpflanze zu schätzen. So verwendete auch die Heilige Hildegard von Bingen die Heilpflanze. Etwa bei Seitenschmerzen empfahl sie eine Auflage aus Leinsamen, Pfirsichbaumharz und Mistelharz. Überhaupt wurde der Lein gerne zur Behandlung und Nachbehandlung von Milzkrankheiten eingesetzt. Der Leinsamen sei warm und schleimig und könne mit seiner Wärme sowie Feuchtigkeit die Milz berühren und gesund machen, heißt es in einem ihrer Werke.

Bis ins 18. Jahrhundert waren der Lein- bzw. der Flachsanbau eine der Stützen der bäuerlichen Wirtschaft. Die von Juni bis August blau blühenden Felder prägten die Landschaft. Heute ist das Gewächs bei uns allerdings fast völlig verschwunden. Große Anbaugebiete gibt es dagegen in Ungarn, Kanada, den USA, Argentinien und in Indien.

Der Samen des Leins ist reich an fetten Ölen, dem Leinöl. Leinöl sollte nur kaltgepresst für die menschliche Ernährung verwendet werden. Heißgepresstes Leinöl dient hingegen für technische Zwecke. Lein zählt zu den Pflanzen, die Cadmium speichern. Der Gehalt an Cadmium kann daher relativ hoch sein. Er kann im Samen 0,3 bis 0,6 mg/kg, im Schrot 0,08 bis 2,06 mg/kg betragen. Der Cadmium-Richtwert, der beim Verzehr von Leinsamen eingehalten werden sollte, beträgt 0,3 mg/kg.

Botanik des Leins

Lein ist einjährig, wächst bis zu siebzig Zentimeter hoch und gehört zur Familie der Leingewächse (Linaceae). Die Pflanze besitzt eine Pfahlwurzel, schlanke, lange Stängel und schmale, lanzettliche Blätter mit drei parallelen Nerven. Die meist weiße oder blaue Blüte hat fünf Blütenblätter, die sich in den Vormittagsstunden öffnen und bei sonnigem Wetter nach Mittag schließen, welken und abfallen. Die Frucht ist eine Kapsel, die bis zu zehn Samen enthalten kann. Diese Samen sind flach-eiförmig, leicht geschnabelt, braun bis goldgelb und matt glänzend.

Verwendete Pflanzenteile und Inhaltsstoffe des Leins

Medizinische Verwendung finden die reifen und getrockneten Samen. Leinsamen werden als medizinischer und pharmazeutischer Wirkstoff Lini semen genannt. Ihre Qualität ist durch das Europäische Arzneibuch (PhEur) geregelt.

Der Lein ist eine Öl-Pflanze. Leinsamen sind daher reich an fetten Ölen (30 bis 45%) mit den Fettsäuren Linolensäure, Linolsäure und Ölsäure. Darüber hinaus enthält der Same wirksame Schleimstoffe (Ballaststoffe), die ihr Volumen in Wasser oder wässrigen Lösungen auf etwa das dreifache erhöhen können. Weiterhin enthalten Leinsamen cyanogene Glykoside, Eiweiße, Lignane und Phenylpropanderivate.

Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann
Geschrieben von Dr. rer. medic. Nadine Berling-Aumann , Ökotrophologin
Zuletzt aktualisiert am 20.11.2014